• Modern und vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt: Die Pfarrkirche «St. Maria Immaculata» in Schellenberg («Pfarrkirche zum Unbefleckten Herzen Mariä»), erbaut 1960–1963.
    Modern und vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt: Die Pfarrkirche «St. Maria Immaculata» in Schellenberg («Pfarrkirche zum Unbefleckten Herzen Mariä»), erbaut 1960–1963.  (Elma Korac)

Erster moderner Kirchenbau

In Schellenberg steht die wohl auffälligste, weil modernste Kirche Liechtensteins. Architekt Eduard Ladner, der am Sonntag 90 Jahre alt wurde, blickt zurück und sagt: «Ich bin glücklich, wenn ich sehe, dass die Sache hier funktioniert und erhalten bleibt.»

«Eine Ausnahmeerscheinung unter den Sakralbauten Liechtensteins», heisst es zur Kirche Schellenberg im kürzlich erschienenen Buch «Kirchen, Kapellen und Zeichen des Glaubens» der Hand in Hand Anstalt, Balzers. Noch keine 30 Jahre alt war Eduard Ladner, als er 1958 den Wettbewerb zum Neubau der Pfarrkirche Schellenberg gewann. Ein Projekt, das ihn forderte und ein Leben lang begleiten sollte. «Ich bin glücklich, wenn ich sehe, dass die Sache hier funktioniert und erhalten bleibt», bemerkt der Jubilar stolz im Gespräch mit Pater Josef Gehrer in «seiner» Schellenberger Kirche. Denn trotz der vielen Kirchen, die er in seinem Leben auf der Welt gebaut oder renoviert hat, ist es diese in Schellenberg, an der sein Herz hängt. 
Aufgewachsen in der Zwingli-Stadt Zürich, in der die katholische Diaspora-Gemeinde rein als Verein geduldet wurde, entwickelte der junge Ladner rasch die Neugier, hinter die Dinge dieser Welt blicken zu wollen und den passenden architektonischen Ausdruck für Kirchenbauten zu finden. Ein Umstand, für den ihn Pater Josef Gehrer sehr schätzt. «Fasziniert hat mich immer schon der liturgische Raum dieser Kirche», sagt Pater Josef im Gespräch mit dem Kirchenbauer. «Und, dass man dann Pfarrer sein kann in einem Raum, in dem die Liturgie wirklich lebt und die Kirche auch mit Leben füllt.» So etwas erlebte der Pfarrer von Schellenberg erst in der von Ladner gebauten Kirche. Obwohl, gebaut habe er eigentlich keine einzige Kirche, sagt Ladner. Aber «ich bin froh und dankbar, im letzten Jahrhundert leben und arbeiten zu dürfen», denn vom Kirchenbau könnte man heute nicht mehr leben, scherzt der Jubilar. 
Der bekennende Katholik Ladner scheute auch nicht davor zurück, sich in die reformierte Kirche hineinzudenken, in deren Bedürfnisse nach Spiritualität und den Unterschied in ihrem Ausdruck. Ganz visionär wurde die Kirche Schellenberg noch vor Beendigung und dennoch ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils gebaut. Auch ganz im Sinne Ladners, der sich stark für die Geschichte unserer Kultur und unseres Glaubens einsetzt und von der Kirche fordert, sich ständig zu erneuern, damit ihre Botschaft auch in Zukunft für die Menschen verständlich bleibt.

«Ich bin nur «göttliches Instrument»
Ob es einen Gott gibt oder nicht, das lässt der 90-jährige Ladner offen. Seine Position dieser Frage gegenüber soll man in seinen Werken ablesen können. Denn alles, was er geschaffen hat, wäre die Gnade eines Umgreifenden gewesen, in und durch dessen Auftrag er handelte. «Für welche Begegnung bauen wir eine Kirche», ist die zentrale Frage des Architekten Ladner: Kirchen zu bauen, deren Ausdruck für die Menschen vor Ort lesbar ist. Während die Baustelle ruhte, zog es den jungen Architekten in die Ferne. Nach Ravenna etwa, dessen runde, romanische Türme in stark beeindruckten und die auch in Schellenberg zur Verwendung kamen. Bis nach Afrika gingen diese Studienreisen, wo Ladner in den 1960ern zwei Kirchen im Auftrag der weissen Väter im heutigen Burkina Faso baute. Getreu seiner Überzeugung, das Passende zu finden und Mass zu halten, verliess der Architekt Ladner für diese Aufgaben gewohnte Pfade und baute mit den dort vorhandenen Latherit-Steinen. Neben diesen und weiteren Aufgaben in der Schweiz und Österreich wird Eduard Ladner in Liechtenstein durch den Bau der Pfarrkirche und Friedhofkapelle Schellenberg sowie die innere Neugestaltung der Pfarrkirche Schaan in Erinnerung bleiben. (pd/red)

 

15. Mai 2019 / 16:07
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Outdoorchef
Zu gewinnen 1x Gaskugel-Grill der Marke Outdoorchef im Wert von 399 Franken
07.05.2019
Facebook
Top