•  (Tatjana Schnalzger)

Ein Loch kann auch ein Wald sein

Flurnamen Wer mit dem Bus durch das Land fährt, fragt sich bei manchen Haltestellen, wieso sie so heissen, wie sie eben heissen. In der Serie #näherdran erklären wir einige davon.

Loch ist nicht gleich Loch. Jedenfalls bei Flurnamen. So zum Beispiel bei der Bushaltestelle «Loch» in Schellenberg, die auf der gleichnamigen Strasse liegt. Ursprünglich hiess die Flur wohl «Verlora Loch», das verlorene Loch. Wobei mit «Loch»  nicht etwa als Synonym für Leck, Öffnung, Gefängnis oder gar Darmausgang verwendet wird. Gemeint war wohl der Wald. Denn «Lo» oder «Loh» bedeuteten im Althochdeutschen Wald; auch im Mittelhochdeutschen war «Loch» gleichbedeutend mit  Gehölz, Wald oder Gebüsch. 

Verloren gegangene Wälder und Tannen
Eine Deutung zur Flur «Loch» in Schellenberg geht von einem Wald aus, der wohl schon früher nicht mehr stand, weshalb man die Gegend mit «Verlorenes Loch» bezeichnete. Verloren, weil man den Wald nicht mehr findet. Auch heute findet man bei der Haltestelle keinen Wald mehr. Aber immerhin eine Art Mulde oder Vertiefung, was ja unserem heutigem Gebrauch des Wortes «Loch» nahe kommt. 

Fährt man von Schellenberg in Richtung Ruggell, sieht man denn auch bei der Haltestelle Loch tatsächlich eine Art Mulde, bevor dann weiter hinten ein Wald auftaucht. Vielleicht der Rest des verlorenen Waldes, wer weiss? 

Vielleicht gibt es in vielen Jahren in Schellenberg noch einen weiteren verlorenen Wald. Bei der Bushaltestelle «Tannwald» in Schellenberg gibt es in unmittelbarer Nähe auch keinen Tannenwald mehr. Der ging wohl mit der zunehmenden Besiedelung auch verloren. 

Scherzkekse vergeben Flurnamen
Zum «Verlora Loch» gibt es auch andere Deutungen. «Das Partizip verloren hat auch die Bedeutung von hoffnungslos, unnütz, verdorben; ferner auch: aus den Augen gelassen», heisst es im Liechtensteiner Namenbuch, Band 4,  von Toni Banzer, Herbert Hilbe und Hans Stricker. Bei Ortsnamen stehe das Wort «verloren» für abgelegen, oder für die Nutzung verloren oder erschwert. Es sei anzunehmen, dass die Lage des Ortes zu dieser vielleicht scherzhaft gemeinten Bezeichnung Anlass gegeben haben könnte. 

«Loch» über Sommer nicht bedient
An der Bushaltestelle wartet man übrigens bald vergebens. Denn ab nächstem Montag wird die Haltestelle «Loch» vorübergehend nicht bedient. Das gilt voraussichtlich bis Ende September. Grund dafür sind Bauarbeiten zwischen Ruggell und Schellenberg. Über den Sommer verkehrt die Buslinie 32 der Liemobil deshalb nur ab bzw. bis Ruggell. Auch die Haltestelle «Widum» in Schellenberg ist betroffen. Ersatz bietet die Linie 35 ab Haltestelle «Tannwald», welche Reisende nach Bendern bringt, wo sie Richtung Ruggell umsteigen können. (jeb)

16. Mai 2019 / 21:07
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