• Im Grenzgebiet: Der Felsbandweg führt entlang der Landesgrenze Liechtenstein-Österreich.

Auf den Spuren der Schmuggler

Der Gantenstein ist ein markantes Felsband, das an der Landesgrenze zwischen Liechtenstein und Österreich verläuft. Der Felsbandweg wurde früher von Schmugglern benutzt. Heute ist er vor allem als erlebnisreicher Wanderweg bei Kletterern bekannt.
Schellenberg. 

Von Schellenberg aus ist der Einstieg in den Felsbandweg, der entlang des Gantensteins verläuft, nicht einfach zu finden. Doch die Suche lohnt sich. Von Hinterschellenberg geht es Richtung Fresch. Dort beginnt der Wanderweg, welcher ein besonderes Erlebnis und trotzdem ein in Liechtenstein wenig bekannter Geheimtipp ist. Entlang des schmalen Wegs gibt es einiges zu entdecken: Verwunschene Waldlandschaften, Felsformationen und Höhlen. Auffallend sind auch die blauen Matten, die unter dem Felsen platziert sind. Der Grund: Der Gantenstein ist bei Bouldern und Kletterern beliebt. Über das ganze Felsband verteilt finden sich 130 Kletterrouten – die meisten davon anspruchsvoll und nur für geübte Kletterer geeignet. «Der Bouldersektor mit den Matten ist nur ein Teil davon», weiss Ralph Wohlwend, der am unteren Ende des Felsbandweges wohnt und das Gebiet wie seine eigene Hosentasche kennt. Er selbst klettert auch am Gantenstein und hat auch schon die eine oder andere Route angelegt. «Früher haben dort Cracks wie Beat Kammerlander und Peter Schäffler trainiert», erzählt er. 

Der Felsbandweg ist zwei Kilometer lang und nur bei trockener Witterung empfehlenswert.

Achtung: Pass nicht vergessen
Der rund zwei Kilometer lange Weg verläuft grösstenteils direkt auf der Landesgrenze Liechtenstein-Österreich. Grenzsteine und ein kleines Zollhäuschen zeugen davon. Es ist noch nicht so lange her, da begegneten Wanderer auf dem Weg auch Zöllner, die vom Felsbandweg aus die Grenze überwachten. «Oft waren sie nicht im Zollhäuschen, sondern versteckten sich entlang des Weges», erinnert sich Ralph Wohlwend. Doch seit die Grenzkontrollen aufgrund des Schengen-Abkommens reduziert wurden, sind die Grenzwächter auf dem Wanderweg kaum noch zu sehen. 
Dass der Felsbandweg auch unter dem Namen Schmugglerweg bekannt ist, geht jedoch noch weiter zurück. Denn zu Kriegszeiten wurde der Weg zum Schmuggeln von verschiedensten Waren benutzt. Vor allem nach dem ersten Weltkrieg blühte das Schmugglergeschäft. Liechtenstein litt unter den Folgen des Krieges. Arbeitslosigkeit sowie eine grosse Rohstoff- und Lebensmittelknappheit herrschte im Land. Die Geldentwertung der österreichischen Krone traf auch Liechtenstein hart. Die Menschen suchten nach Möglichkeiten, ihre wirtschaftliche Not zu beseitigen und viele stiegen ins Schmugglergeschäft ein. 

Stacheldrahtzaun – ein Überbleibsel aus dem Krieg
Der verstorbene Schellenberger Autor Rudolf Goop berichtet im dritten Band von «Menschen am Schellenberg» über die Schmugglergeschichten in und um Schellenberg. Auch der Felsbandweg ist ein Teil der Geschichten. So erzählt Frida Goop, wie sie mit ihrem Bruder und ihrer Schwester Ware über den Gantenstein geschmuggelt hatte. «Wir waren praktisch jeden Tag auf dem Schmugglerweg, aber immer zu Fuss. Wir gingen immer über Fresch und dann nach St. Wolfgang und via Tisner Riet oder Breiter Wasen nach Feldkirch. Wir hatten immer doppelte Taschen in den Röcken und unten konnte man noch etwas Sacharin hineingeben», erzählt sie im Buch. Wer heute entlang des Felsbandweges wandert, kann sich in die Schmuggler hineinversetzen. Allerdings hatten sie damals wohl kaum Zeit, die verschiedenen Felsformationen wie den Schlangenkopf zu bestaunen. Bei genauem Hinschauen können Zeitzeugen aus der Weltkriegszeit gesichtet werden. «Es sind noch Stacheldrahtzäune vorhanden, mit denen damals die Grenzen dichtgemacht wurden», erzählt Ralph Wohlwend. Rund eineinhalb Stunden benötigt man für den Felsbandweg. Kommt ganz darauf an, wie lange man sich auf die Ruhebänkchen setzt und die Schönheit der Natur am Weg bestaunt. (manu)

17. Mai 2019 / 19:12
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