• «Je älter ich wurde, desto gelassener wurde ich, stotterte immer weniger», sagt der heute 41-jährige Christian Seger aus Schaan.  (zvg)

Wie man eine Sprachstörung in den Griff bekommt

Verständnis und Akzeptanz wird für Betroffene am heutigen Welttag des Stotterns gefordert. Der Liechtensteiner Christian Seger erzählt seine persönliche Geschichte.

Eine Sprachstörung begleitete Christian Seger aus Schaan von Kindesbeinen an. Der heute 41-Jährige rät Betroffenen, nicht den Kopf hängen zu lassen und diese aktiv anzugehen. Mit Logopädie und einem Intensivkurs an der Sprachheilschule in St. Gallen hat er sein Sprachproblem in den Griff bekommen.

Er war ein sogenannter «Konsonanten-Stotterer»
Ob das Stottern schon im Kindergarten begonnen hat, daran erinnert sich Christian Seger nicht mehr. Richtig stark geäussert habe es sich dann aber in der Primarschule: «Besonders wenn ich nervös war und zum Beispiel etwas vorlesen musste.» Wurde er als Kind gehänselt? «Klar, teilweise schon, aber ich hatte auch Schulfreunde, die mir halfen», erzählt der Schaaner. Er sei ein sogenannter «Konsonanten-Stotterer» gewesen. «Das bedeutet, dass ich automatisch schwierige Wörter mit harten Buchstaben wie K, T und P vermieden oder auch Wörter vorgesetzt habe, damit ich den Satz flüssiger sprechen konnte.»

Gute Noten liessen Selbstbewusstsein wachsen
Er bedauert, dass er in der Sekundarschule oft vom Lehrer «geschont» wurde, indem er nicht vorlesen musste. «Das war aber falsch», weiss er heute. Die Folge waren Sprechängste, welche die Situationen im Nachhinein noch schwerer machten. «Denn wenn du weisst, du wirst stottern, macht dich das erst recht nervös. Es ist ein Teufelskreis», so der Schaaner. Während damals noch Rücksicht auf ihn genommen wurde, kam das in der Berufsschule nicht mehr vor. Er musste wie alle anderen vorlesen und Vorträge halten. Mit der Zeit erkannter Christian Seger, dass ihm das Sprechen leichter fiel, wenn er offen und selbstsicher war. «So schaute ich, dass ich beispielsweise bei Vorträgen immer früh an der Reihe war, sodass sich Aufregung und Nervosität nicht steigerten.»

Mit der Zeit wusste er genau, mit welchen Wörtern und Buchstaben – vor allem eben Konsonanten – er Mühe hatte. Er versuchte, diese zu umgehen oder benutzte Füllwörter wie «oder». Zudem merkte er, dass er, wenn er sich gut vorbereitete, nicht stotterte. So hielt er Vorträge, bei denen er Noten von 5,5 und 6 erhielt, was sein Selbstbewusstsein noch mehr wachsen liess.

Nach einen Intensivkurs «symptomfrei»
Gelegentlich wurde er auch auf sein Sprachproblem angesprochen. Vor allem dann, wenn er etwas sagte und das Gegenüber es nicht verstand. «Ich habe demjenigen dann erklärt, dass ich ein Sprachproblem habe.» Es sei vergleichbar mit ande-ren Beeinträchtigungen: «Viele wissen einfach nicht, wie sie damit umgehen sollen.» Er sei der Überzeugung, ganz «normal», indem man Stotterer einfach ausreden lasse und versuchen solle, die Situationen damit zu beruhigen.

Um etwas gegen das Stottern zu unternehmen, besuchte Christian Seger zwar bereits in der Primarschule und gelegentlich auch noch in der Sekundarschule die Logopädie. Aber erst nach seiner Lehre kam der Zeitpunkt, wo er sich wünschte, das Stottern «wegzuhaben». Er besuchte einen Intensivkurs an der Sprachheilschule in St. Gallen und sprach dann «symptomfrei». «Zwar stotterte ich danach noch ab und zu, aber je älter ich wurde, desto gelassener wurde ich auch. Das Stottern wird immer weniger», so der 41-Jährige. (bc)

22. Okt 2019 / 05:00
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