• Caspar Hilti gründete 1876 das «Caspar Hilti Baugeschäft und Cementwaren» in Feldkirch. Bild: zvg

Vom Kriegsveteranen zum Bauunternehmer

Das Unternehmen Gebrüder Hilti AG geht zurück auf Caspar Hilti (1844–1927), der ein bemerkenswertes Leben führte.

Die Geschichte der Gebrüder Hilti AG, die älteste im Handelsregister eingetragene und noch tätige Firma, geht weit zurück. 2016 feierte das Bauunternehmen gar das 140-jährige Jubiläum. Beinahe halb so alt wie Liechtenstein, spiegelt das Unternehmen die Geschichte Liechtensteins und der Region wider. Die Gebäude, welche die Firma in dieser Zeitspanne erbaute, prägen das Land seit Generationen. Der fleissige und humorvolle Caspar Hilti, der ein interessantes Leben vorzuweisen hatte, gründete die Firma 1876 in Feldkirch. 

Die berühmte letzte Schlacht Liechtensteins

Die Geschichte des ältesten Bauunternehmens in Liechtenstein nahm ihren Lauf mit dem Kriegsveteranen Caspar Hilti, der zufälligerweise nicht nur den Namen mit dem jetzigen Baumeister gemeinsam hat, sondern auch am selben Tag – den 24. Februar – Geburtstag feierte. Caspar Hilti erblickte 1844 in Schaan das Licht der Welt und verstarb 1927. In seiner Lebensspanne wandelte sich Liechtenstein und Europa immens. 

1866 war er Zeitzeuge des Zusammenbruchs des Deutschen Bundes und des Kriegsmitwirkens Liechtensteins, wo er als Offiziersbursche dem Vaduzer Peter Rheinberger unterstellt war. Damit zählte er zu den 80 Soldaten, die in die heute berühmte, in die Geschichtsbücher und in die Kulturgeschichte eingegangene letzte Schlacht Liechtensteins zog, von dem das Kontingent verlustlos und «mit einem Mann mehr» zurückkehrte. Auch wenn es diverse unterhaltsame und romantische Gerüchte gibt, wer diese Person gewesen sein soll, ob Häftling oder ein Südtiroler auf Arbeitssuche, handelte es sich dabei um k. & k. Kaiserjäger-Leutnant Radinger, der den Soldaten ein Ehrengeleit gab.

Laut den Nachrichten des Kontingents, welche die «Liechtensteiner Landeszeitung» abdruckte, war die Unternehmung strapaziös, gingen sie doch zu Fuss von Vaduz zum Stilfserjoch: «Staunen muss man, was ein Mensch aushält. Das ist eine gute Schule für unsere Mannschaft, die bisher das Soldatenleben nur von der angenehmen Seite her kannte.» Doch aus persönlichen Berichten eines Soldaten schienen die wenigen Kriegstage doch nicht so schlimm gewesen zu sein: «In allen Stationen werden wir [...] sehr zuvorkommend empfangen und mit Musikbegleitung, «Pöllerschüssen», etc. in die Quartiere geführt. [...] Am Trinken fehlte es auch nicht, besonders nach einem Geldtage, da wurde auf Deutsch und Italienisch gesungen und gelärmt bis tief in die Nacht hinein.» Noch im späten Alter pflegte der gesellige Caspar Hilti gerne von seinen Abenteuern am Stilfserjoch zu erzählen.

Gebäude, die noch heute die Landschaft zieren

1876 gründete der Schaaner das «Caspar Hilti Baugeschäft und Cementwaren» in Feldkirch und bereits zwei Jahre später folgte der zweite Firmensitz in seiner Heimatgemeinde. In einem Archiv der Gebrüder Hilti AG sind neben Kunstgegenständen des Bildhauers Gottfried Hilti in Form von Bauakten wahre Schätze für die Liechtensteiner Geschichtsschreibung abgelegt. Einer der ersten noch vorhandenen Bauakte stammt aus dem Jahr 1898 und betrifft das ehemalige Forstgebäude in Vaduz. Für dieses war die bereits erfolgreiche Firma bloss für die Schreiner- und Glasarbeiten beauftragt, doch zeichnete für die Architektur Gustav von Neumann, der Hofarchitekt des Fürst Johann II., verantwortlich. Nach seinen Plänen sollte die Firma noch öfters die Landschaft gestalten. Zwischen 1903 und 1906 erhielt Caspar Hilti die Möglichkeit, jeweils die Armenhäuser in Eschen und Triesen zu bauen und das in Schaan umzugestalten. Eines der wichtigsten Projekte dieser Zeit war der Bau der «Fürst-Johannes-Jubiläumskirche» in Balzers, für die die Schaaner Firma und der Wiener Hofarchitekt wieder zusammenarbeiteten. Das Richtfest fand 1911 statt. Im darauffolgenden Jahr übergab Caspar Hilti die Firma seinen Söhnen Caspar Hilti jun. und Lorenz Hilti. Der neue Name der Firma lautete nun «Gebr. Hilti».

Von diesem Moment an zog sich Caspar Hilti zurück, ohne jedoch den Überblick über die von ihm gegründete Firma zu verlieren. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg erfolgten Bauten von Klöstern (Dux), Cafés (Real) oder Brücken (Ruggell).

Doch während des Ersten Weltkrieg gingen die Bauaufträge aufgrund der schwachen Wirtschaft und Rohstoffknappheit zurück, in den 1920er-Jahren konnten sich die Gebr. Hilti wieder fangen. 1927 ereignete sich die Rheinkatastrophe in Liechtenstein, wovon vor allem Schaan und das Unterland betroffen waren. Die ungeheure Wassermenge spülte das Magazin der Gebr. Hilti fort. In den darauffolgenden Tagen verstarb Caspar Hilti und man sagte sich in der Familie, dass dies durch den Schock der Rheinüberschwemmung geschehen sei.

Eine Ära ging zu Ende. Bis zu seinem Tod erfreute sich Caspar Hilti dank seines Charakters und seinen Erfolgen einer grossen Beliebtheit. Im Nachruf der «Liechtensteiner Nachrichten, vormals «Oberrheinische Nachrichten», ein Vorläufer des «Liechtensteiner Vaterlands», wurde Caspar Hilti Eigenschaften folgendermassen beschrieben: «Unermüdlicher Arbeitseifer, redlicher Sinn, Nüchternheit und ein guter Humor.» Während der Vertrag zum Bau der Pfälzerhütte noch zu seinen Lebzeiten unterzeichnet wurde, 
erfolgte die Fertigstellung erst im darauffolgenden Jahr. Das war der letzte Bau, bei dem er involviert war. (dab)

23. Okt 2019 / 22:57
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