• Taksim Kebap, Schaan
    Adem Karakus eröffnete im Mai 2018 den Imbiss «Taksim» in der Schaaner Industrie. «Hier in Liechtenstein ist das Leben besser für mich», meint der gelernte Koch.  (Tatjana Schnalzger)

«In der Industrie serviere nur ich Kebap»

Seit eineinhalb Jahren kümmert sich «Taksim»-Inhaber Adem Karakus um die hungrigen Arbeiter in der Schaaner Industrie.
Schaan. 

Hilti, Hilcona und Neutrik sind nur einige der grösseren Namen, die sich neben vielen ­weiteren Unternehmen in der Schaaner Industrie befinden. Alle ihre Mitarbeiter haben mittags Hunger. Seit Mai 2018 bereitet ihnen der Türke Adem Karakus in der Distanz eines «Verdauungsspaziergangs» unter anderem Kebab, Pizzas und Salate zu. Seinen Imbiss hat er «Taksim» getauft. Im gleichnamigen Viertel der Metropole Istanbul, das für seine Fussgängerzone und altmodischen Strassenbahnen bekannt ist, hat er seine ersten Erfahrungen in der Gastronomie gesam­melt. Auf die Frage, ob das Geschäft in der Schaaner Industrie gut laufe, antwortet er mit einem breiten Grinsen. Zur Mittagszeit bedient er zeitgleich zwischen 20 bis 40 Gäste auf einmal, ganz auf sich allein gestellt. «Wenn man sich gut vorbereitet, geht das schon», meint Karakus. Langsam kenne er die Gäste und wisse, was sie essen möchten. Gegen Abend hilft ihm seine Frau Özgül im Lokal und liefert Bestellungen aus. Bis sich der gelernte Koch seinen Traum vom eigenen Lokal erfüllen konnte, war es ein langer Weg, der ihn über einen Umweg nach Schaan führte: «Hier in Liechtenstein ist das Leben besser für mich. Davor war ich immer Mitarbeiter, jetzt bin ich mein eigener Chef.»

Wegen der Liebe nach Liechtenstein gekommen

Nach seiner Ausbildung in der Türkei war Adem Karakus zweieinhalb Jahre in Neuchâtel bei verschiedenen Restaurants angestellt. Es war die Liebe zu  seiner Frau, die ihn nach Liechtenstein geführt hat. Kennengelernt haben sich die beiden zur Jahrtausendwende auf eine Art, die damals aussergewöhnlich war: über das Internet. Inzwischen sind die beiden verheiratet, haben mit Tochter Sila (Jahrgang 2002) sowie Sohn Hüseyin (2003) zwei Kinder.

Sein Einstieg in den Liechtensteiner Arbeitsmarkt verlief hingegen nicht nach Plan. 13 Jahre lang stand Karakus für die Herbert Ospelt Anstalt in Bendern an der Maschine, verpackte Tiernahrung. Nebenbei hielt er stets Ausschau nach einer geeigneten Fläche für seinen eigenen Imbiss. Als das Lebensmittelunternehmen im Mai 2015 bei den rund 450 Mitarbeitern in seiner Sparte auf einen Eurolohn umstellte, wurde sich der Türke wieder seiner wahren Berufung als Koch bewusst. «Ich wollte die Lohnkürzung nicht unterschreiben und habe deshalb mei­ne Kündigung eingereicht», erklärt er.

Vor einem Jahr hat Adem Karakus in der Schaaner Industrie ein Umfeld gefunden, das durch die vielen Arbeiter eine grosse Nachfrage nach einem Imbiss aufweist und dieser wenig entgegenstellt. Die ehemalige Bürofläche hat der Türke selbstständig zu einem Imbiss umgebaut. Seine Standortwahl für das «Taksim» erklärt er wie folgt: «Hier in der Industrie bin ich der Einzige, der Kebab serviert.» Zusätzlich zur Sonderstellung möchte er durch Tempo überzeugen. Denn die Gäste sollen ihre knappen Mittagspausen nicht durch lange Wartezeiten verschwenden. Dank einer guten Vorbereitung brauche er für einen Kebab maxi­mal drei, für eine Pizza maximal fünf Minuten.

Der Wunsch, sich auf mehr Platz zu entfalten

Neben dem Imbiss vor Ort bietet das «Taksim» einen Bestellservice an. Pro Tag werden ungefähr 15 Lieferungen durch­geführt. Dabei hämmern die Kunden lieber in die Tasten, statt das Smartphone ans Ohr zu halten: Rund zwei Drittel dieser Aufträge werden über eine Online-Plattform getätigt. Im Vergleich zum Geschäft vor Ort handelt es sich dabei jedoch nur um ein kleines, zusätzliches Standbein. «Wer uns kennt, kommt gerne. Aber ausserhalb der Industrie sind wir noch relativ unbekannt», berichtet Karakus.

Reklamationen habe es bisher kaum gegeben, vielmehr sorgte der Imbiss für Freude. Bei den Anregungen handle es sich mehr um persönliche Geschmackssachen, so der Koch. Es seien mehr Kleinigkeiten, wie z.B., dass zu wenig Sauce im Kebab ist und manche den Pizzateig lieber dicker mögen.

Gerade jetzt, wenn die Temperaturen sinken und es früher dunkel wird, bestellen viele Gäste ihr Essen lieber zum Mitnehmen. Während der Imbissbetreiber im Sommer auf der Terrasse falls notwendig weitere Tische und Stühle aufstellen kann, rückt das «Taksim» im Winter nämlich an seine Kapazitätsgrenzen. Dann können sich die Gäste nur im überschaubaren Lokal oder Wintergarten setzen. Insofern würde sich der Türke über mehr Spielraum freuen. «Vorläufig reicht der Platz. Sollte ich in der Schaaner Industrie aber etwas Grösseres finden, würde  ich vielleicht umziehen», verrät Karakus. In einer richtigen Küche könnte er ausserdem seine Kochausbildung nutzen. Für die Zukunft plant er eine Ausweitung der Speisekarte auf Pasta, Suppen, Grilladen und Tagesmenüs. Nach einer langen Reise scheint der Koch in Schaan ­seinen Frieden gefunden zu haben. (gk)

20. Okt 2019 / 22:15
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