• Neun Buben und sieben Mädchen aus Serbien waren drei Wochen lang zu Besuch im Kinderheim Gamander. Bild: dv

Glückliche Tage bei «Bani Baci»

Derzeit sind 16 Kinder aus Serbien im Kinderheim Gamander zu Besuch. Nach drei unvergesslichen Wochen reisen sie heute wieder ab.
Schaan. 

Es ist seltsam ruhig an diesem Freitagmorgen im Kinderheim Gamander in Schaan. Und ein Blick in die Aufenthaltsräume zeigt auch, warum. Die neun Buben und sieben Mädchen im Alter zwischen acht und neun Jahren sitzen um diese Uhrzeit mit ihren Begleitpersonen aus Serbien am Tisch und erhalten  Schulunterricht. Auch das muss sein. Zumindest ein wenig. Den Rest des Tages verbringen sie allerdings damit, wofür sie gekommen sind: Spielen. Liechtenstein entdecken. Und einfach nur Spass haben.

Kinder glücklich machen – das ist alles, was zählt

Es ist die 291. Gruppe an Kindern, die im Kinderheim Gamander in Schaan Ferien machen darf. Dafür, dass dieser Aufenthalt unvergesslich wird, sorgen neben Leiter Alban «Bani» Banzer zwei weitere Mitarbeiterinnen, ein Praktikant sowie Fachreferatsleiterin Ginny Voigt. Sie unternehmen Ausflüge mit den Kindern, basteln, turnen und schwimmen mit ihnen. Sie unterstützen die Kinder auch bei gesundheitlichen Problemen und sorgen wenn nötig dafür, dass sie z. B. eine passende Brille erhalten.

Ginny Voigt tritt mit einem Mädchen zur Tür herein und hebt den Daumen hoch. Das Mädchen an ihrer Seite strahlt. Nachdem seine Brille seit Jahren nicht mehr angepasst wurde und ihm inzwischen viel zu klein ist, darf es sich nun über eine neue Sehhilfe freuen. Bani Banzer strahlt zurück und winkt. Wieder ein Kind glücklich gemacht. Und das ist alles, was hier zählt.

«Für die Kinder ist das wie Weihnachten»

«Die Kinder stammen alle aus ärmlichen Verhältnissen», erklärt Bani Banzer, der für die Kinder der Heim-Papa ist. «Bani Baci», also «Onkel Bani», nennen sie ihn liebevoll und geniessen die Aufmerksamkeit, die ihnen in diesem Heim zuteil wird. Und auch wenn der «Onkel» die Sprache der Kinder nicht richtig beherrscht, ein paar Worte Rumänisch, Ungarisch oder Serbisch hat er in seinen 23 Jahren als Heimleiter allemal aufgeschnappt. «Und sonst verständigen wir uns mit Händen und Füssen», lacht er. «Wir sind sehr kreativ. Aber in Notfällen ist natürlich eine Übersetzerin da.»

Wenn die Kinder bei ihrer Anreise von «Bani Baci» am Bahnhof abgeholt werden, werden sie im Kinderheim als erstes «ausgemessen». Dann wird eine Liste mit ihren Grössen erstellt und dem Hilfswerk zugestellt. Bereits am nächsten Tag werden die Kinder dann reich beschenkt. Sie sind mit nichts gekommen – und dürfen nun viel mit nach Hause nehmen. Das Hilfswerk stellt Sporttaschen und Rucksäcke zusammen, in denen sich jede Menge Kleider und Schuhe für die Kinder befinden. Nicht fehlen darf auch ein Kuscheltier. Ausserdem ist das Kinderheim selbst mit weiteren Kleidern ausgestattet, von denen sich die Kinder bedienen dürfen. Für sich selbst. Oder ihre Geschwister. «Sie erhalten alles, was sie möchten. Und sie dürfen mitnehmen, was in ihre Tasche passt», sagt Bani Banzer. Dazu gehören auch die im Kinderheim zur Verfügung stehenden Spielsachen und Kuscheltiere. «Für die Kinder ist das wie Weihnachten.»

Zusammenarbeit mit dem Malteser Hilfsdienst

Entstanden ist das Kinderheim übrigens im Jahr 1956: Damals hat das Liechtensteinische Rote Kreuz in einem kleinen Einfamilienhaus in Triesen ein Heim für Kinder eröffnet, die aus irgendwelchen Gründen für kürzere oder längere Zeit nicht in ihren Familien leben konnten. 1965 zog das Kinderheim nach Schaan und bot mehr Platz. Im Jahr 1992 entstand schliesslich das Projekt «LRK Kinderheim Gamander» in der heutigen Form. Fortan sollte das Heim Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten für einen rund einmonatigen Ferienaufenthalt zur Verfügung stehen. 

Die Idee dazu entstand übrigens anlässlich einer Rotkreuz-Generalversammlung in Budapest im Jahre 1991, als Fürstin Marie und die Auslandsdelegierte Marianne Marxer in Ungarn und Rumänien einige Flüchtlingslager besuchten. Dabei entstand der Gedanke, in Zusammenarbeit mit dem Malteser Hilfsdienst von Ungarn, Kinder und Jugendliche aus den hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslagern nach Liechtenstein zu holen und sie hier zu betreuen. Und seitdem reist zehnmal jährlich eine neue Gruppe von Kindern an. Die Kinderheim-Crew hat dazwischen nur zehn Tage «Pause», um sich auf die neuen Kinder vorzubereiten und das Haus wieder auf Vordermann zu bringen.

«Bei mir sass sogar eine Prinzessin auf dem Bett»

Den Feriengästen gefällt es im Kinderheim Gamander sichtlich gut. Inzwischen haben sie sich im ganzen Haus verteilt, spielen, toben und lachen. Dass sie schon nach nur wenigen Tagen Aufenthalt in Liechtenstein rosige Wangen bekommen, ist aber nicht nur dem abwechslungsreichen Ferienprogramm zu verdanken, sondern auch dem guten Essen, das von «Bani» Banzer selbst zubereitet wird. Er achtet darauf, dass die Mahlzeiten mindestens so abwechslungsreich wie das Ferienprogramm sind, und sorgt dafür, dass die Kinder auch Obst und Gemüse zu sich nehmen – denn das können sich die Familien in iher Heimat aufgrund der finanziellen Lage oft nicht leisten. «Es ist immer wieder schön, zu sehen, wie sie nicht nur psychisch, sondern eben auch physisch aufblühen.»

Rote Wangen bekommen die Kinder aber auch, wenn die Erbprinzessin sie dann im Heim besucht. Mit grosser Ehrfurcht, aber auch mit viel Neugierde empfangen sie den fürstlichen Besuch, zeigen stolz ihre Zimmer und die Geschenke und können es kaum erwarten, zu Hause zu erzählen: «Bei mir sass sogar eine richtige Prinzessin auf dem Bett.» Denn wer kann das schon von sich behaupten?

Leiter, Gärnter, Koch und Seelsorger in Einem

Alban «Bani» Banzer leitet das Kinderheim Gamander bereits seit 23 Jahren – und betreut nun mit den Kindern aus Serbien seine 245. Gruppe. Kein Wunder, verfügt er inzwischen über viel Erfahrung und gerät auch nicht mehr so schnell in Panik, wenn beispielsweise ein Kind auf der Suche nach einer Kugel mit dem Arm tief in ein Eckloch des Billardtisches greift und steckenbleibt. «Dann wird halt gesägt», sagt er lachend und zeigt auf die unübersehbaren Spuren des damaligen Vorfalls. «Glücklicherweise gibt es aber immer wieder Menschen, die uns Gutes tun wollen und uns unendlich viel geben. So konnte auch schon ein Sponsor für einen neuen Billardtisch gefunden werden», freut sich Banzer.

«Bani» Banzer ist im Kinderheim der Mann für Alles. Er ist nicht nur Leiter, sondern auch Gärtner, Koch, Heimwerker und Seelsorger. Kein Wunder, dass ihm die Herzen der kleinen Bewohner nur so zufliegen. Die Verbindungen bleiben oft ein Leben lang bestehen. So kann es durchaus vorkommen, dass plötzlich ein junger Erwachsener vor den Türen des Kinderheims steht, der einst als Kind hier zu Besuch war, in Erinnerungen schwelgen möchte und vor allem nach einer Person fragt: «Bani Baci»! (dv)

23. Okt 2019 / 22:50
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