• Treff am Lindarank, Schaan
    Seit August stricken die Senioren fleissig für das Hilfsprojekt «Friends of Larguta».  (Tatjana Schnalzger)

Ein zweites Zuhause für Senioren

Im Schaaner Treff am Lindarank ist immer etwas los. Die Senioren spielen Karten, stricken oder unternehmen gemeinsam Ausflüge.
Schaan. 

Von aussen ist er eher unscheinbar, der Treff am Lindarank an der Landstrasse 15 in Schaan. Doch hat man erst einmal die Türschwelle überschritten, wird einem bewusst, dass hier etwas ganz Wunderbares vor sich geht. Es ist dieses Gefühl des Ankommens und des sich Wohlfühlens, das die Besucher wie in eine warme Decke hüllt. Von allen Seiten ist ein «Hallo» oder «Herzlich Willkommen» zu hören. Manche der Senioren, die an den Tischen sitzen und stricken oder in ein Kartenspiel vertieft sind, heben die Hand grüssend. Ein Blick in den Raum zeigt, dass er liebevoll dekoriert wurde. An den Wänden hängen Bilder, auf den Tischen stehen Gestecke, die mit bunten Blättern und Tannenzapfen verziert sind. 
Vor gut neun Jahren hatte der Raum noch ganz anders ausgesehen. Er war zwar schön möbliert und gross, allerdings aber noch sehr kühl. Doch Rita Rüdisser, die Leiterin des Seniorentreffs, hat gemeinsam mit Freiwilligen alles aus ihm herausgeholt, was nur möglich war. Heute ist er ein beliebter Treffpunkt für Senioren, in dem sie einfach da sein können, gute Gespräche führen, Witze reissen und gemeinsam bei Kaffee und Kuchen Spiele spielen oder stricken. Es ist ein Ort, an dem Menschen, die sich sonst oft allein fühlen, aufblühen und jemanden haben, der sich um sie sorgt.

Die Senioren haben die Zügel in der Hand
Die Türen des Treffs stehen jeweils von Mittwoch bis Freitag ab 14.30 Uhr offen. Mittlerweile sind es, sagt Rita Rüdisser, bestimmt immer an die 15 Senioren, die dort einen kurzweiligen Nachmittag verbringen. An ein Programm gebunden sind sie nicht. «Jeder kann das tun, was ihm gerade passt.» Und es bestehe auch kein Konsumzwang, betont sie. Ausserdem gibt es eine Liste, in die sich die Senioren zum Kuchenbacken eintragen können. In der Küche steht zudem eine Kaffeemaschine und auf den Tischen jeweils ein grosser Krug mit «Schaaner Wasser». Die Getränke werden den Besuchern serviert und bei Gesprächen am «Seniorentreff-Stammtisch» können die Gäste neue Ideen und Impulse geben, die Rita Rüdisser im Anschluss mit den freiwilligen Helferinnen koordiniert und umsetzt. Denn die Senioren stehen im Treff im Zentrum – sie haben quasi die Zügel in der Hand und können die einzelnen Nachmittage wie auch das Jahresprogramm, das von einer Programmgruppe Anfang des Jahres festgelegt wird, mitgestalten. 

Beispielsweise wird mit den Einnahmen aus dem Kuchenverkauf jährlich eine Reise organisiert. Die letzte führte rund 40 Senioren nach Konstanz. «Es war wirklich ein sehr schöner Tag», erinnert sich die Treff-Leiterin zurück. Die Kuchenbäckerinnen werden zudem jeweils im Januar zu einem «Zvieri» eingeladen, an dem sich Rita Rüdisser und die Freiwilligen noch einmal für ihr Engagement bedanken. Auch haben die Senioren beschlossen, in diesem Jahr für das Jugendprojekt «Friends of Larguta», das von Armut betroffene Kinder und Familien in Rumänien unterstützt, zu stricken und Kleider zu sammeln. Seit August sind sie dabei, Mützen, Socken und Schals zu fertigen. «Mit dieser Aktion können wir Gutes tun, den Senioren gleichzeitig aber auch eine Aufgabe geben. Sie werden gebraucht.» Einige der Sachen werden schliesslich am letzten Schaaner Wochenmarkt des Jahres, der am 12. November stattfindet, verkauft. 

Aufeinander achtgeben und zuhören
Für Rita Rüdisser ist die Arbeit im Treff am Lindarank sehr erfüllend. «Hierfür muss man Menschen lieben, denn es ist ein Geben und ein Nehmen. Der Treff ist wie für mich gemacht», sagt sie. Obwohl sich die meisten Senioren zu Beginn nicht kannten, ist eine enge Beziehung untereinander so wie zu Rita Rüdisser und den Freiwilligen entstanden. Sie geben aufeinander acht und interessieren sich für den anderen. «Wenn jemand beispielsweise im Krankenhaus ist, gehen manche der Senioren diese Person besuchen. Sie fragen auch, was los ist, wenn einer der Senioren schon länger nicht mehr erschienen ist.» Die Senioren feiern auch gemeinsam Geburtstage im Treff am Lindarank oder organisieren sich während der vierwöchigen Treff-Pause selbst. «Sie leihen vorab Spiele aus und treffen sich dann jeden Mittwoch im Seniorenwohnheim», erklärt die Treff-Leiterin. Die Senioren verabreden sich mittags manchmal auch zum Essen oder gehen gemeinsam wandern. «Die Dynamik, die sich entwickelt hat, ist wirklich grossartig», schwärmt sie. 

Nebst den wöchentlichen Öffnungszeiten organisiert der Schaaner Seniorentreff Konzerte, Referate oder Ausstellungsbesuche. Diesen Sonntag zum Beispiel gibt es eine Führung durch die Ausstellung «food waste» im Domus. Am 6., 20. und 24. November wird wiederum Lotto gespielt. Zusätzlich gibt es fixe Bestandteile im Programm. Hierzu gehören das Grillfest im Juni, das Herbstfest im September sowie der schmutzige Donnerstag. Auch werden Künstlertreffs angeboten, und jeden zweiten und letzten Sonntag des Monats hat der Treff an Lindarank zusätzlich geöffnet. Jeweils am letzten Donnerstag im Monat gehen drei Frauen mit den Senioren spazieren. Es ist ein Angebot für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind. Daher sind es auch nur kurze Laufrunden. Nach Bedarf werden die Senioren auch zu Hause abgeholt.

Gemeinde liess von Anfang an viel Spielraum
Möglich sei dies dank der Offenheit der Gemeinde Schaan, etwas Neues auszuprobieren, betont Rita Rüdisser. «Die Gemeinde hat mir von Anfang an freie Hand gelassen, und so konnte ich den Treff gemeinsam mit den Senioren und Freiwilligen Stück für Stück weiterentwickeln.» Mittlerweile laufe es wirklich gut. Senioren aus ganz Liechtenstein fänden den Weg nach Schaan. Der Treff habe sich bewährt und der ständige Zuwachs an Besuchern zeige, dass die Nachfrage in Liechtenstein vorhanden sei. «Bisher gab es kaum einen Besucher, der nicht wiedergekommen ist.» Auch andere Gemeinden haben sich das Konzept angeschaut und sind davon begeistert gewesen, erklärt Rita Rüdisser. 

Allerdings, betont die Treff-Leiterin auch, wäre es ohne die Hilfe ihrer rund 20 Freiwilligen nicht möglich. Denn obwohl die Senioren sehr selbstständig sind, bedarf es doch an Zeit, ein Jahresprogramm auf die Beine zu stellen. Und auch an Anlässen mit 20 bis 50 Senioren sind helfende Hände immer gefragt. (jka)

26. Okt 2019 / 16:20
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