• Brauerei Quaderer in Schaan
    In den Gewölben dieses Gebäudes fanden sich 200 Personen für die erste Verfassungsdiskussion ein.  (Daniel Schwendener)

Das Bierbrauen in den Genen

Das alte «Bierhüsle» in Schaan wurde durch Mandy Quaderer wiederbelebt.
Schaan. 

«Wir produzieren zwischen 500 und 700 Liter Bier pro Jahr», erzählt Mandy Quaderer, der das Bierbrauen als Hobby und aus Leidenschaft betreibt. Das Gebräu, welches anhand der stattlichen Menge nicht bloss für den Eigenbedarf bestimmt ist, werde unter Freunden verteilt oder wie in archaischen Zeiten getauscht. «Am Anfang konnten wir bloss 20 Liter pro Tag herstellen, mittlerweile sind es dank der Anschaffung eines zweiten Braukessels 90 Liter», sagt Quaderer. «Wir haben zwei bis drei Privatanlässe im Jahr, damit das Bierhüsli belebt ist», führt der Schaaner fort. Bei diesen handle es sich zum Beispiel um seinen Geburtstag oder um kleine Konzerte, die das Kellergewölbe des Hauses in der Feldkircher Strasse füllen. «Das Gebäude ist momentan nicht dafür geeignet, als öffentliche Lokalität zu dienen, weil es nicht dem aktuellen Brandschutzstandard entspricht und beispielsweise über keinen Fluchtgang verfügt.» Auf dem Schweizer Brauereiverzeichnis ist die «Quaderer Bierbrauerei Schaan» unter der Nummer 878 von beinahe 1500 gelistet, denn selbst kleinere Brauereien sind mittlerweile steuerpflichtig. Aufgrund der Kleinheit der Braustube liegt die Produktion in Familienhänden. Sein Vater helfe ihm beim Brauen, der Sohn beim Abfüllen und seine Ehefrau übernehme das Etikettieren. «Das Bier stammt dadurch zu 95 Prozent von der Familie Quaderer», sagt Quaderer zugleich schmunzelnd und stolz. Letzteres ist er auch in Hinblick auf die Qualität des Bieres: «Es schmeckt hervorragend. Das ist auch dem dreimonatigen Lagerprozess geschuldet, weshalb man im Volksmund auch vom «Lagerbier» spricht. Grössere Brauereien haben diese Zeit nicht.» Obwohl sein Bier von jenen, die davon kosten durften, gelobt würde, sei keine grössere Produktion für die Zukunft geplant. 

Die Braukunst erfordert Liebe und Zeit.

Eine Wirtschaft mit Geschichte
Das Brauen ist – mit einem ­Unterbruch – feste Familientradition, die weit in die Vergangenheit reicht. Johann Baptist Quaderer erhielt in den 1840er-Jahren die Brauerlaubnis von Ferdinand Walser, der als erster Schaaner die Konzession zur Herstellung von Bier hatte. Und bereits Johann Baptist Quaderers Vorfahren waren in Vaduz als Bierbrauer tätig. Sein Sohn Rudolf öffnete das «Bierhüsle» mit hauseigener Brauerei 1880, das sich zügig zu einer gesel­ligen Wirtschaft entwickelte. Nicht ohne Grund erhielt der Gasthof bei der Einführung des Telefonnetzes sodann die Telefonnummer 1. Spätestens mit der ersten Verfassungsdiskus­sion vor dem Ersten Weltkrieg wurde das «Bierhüsle» geschichtsträchtig, die mit 200 Personen in der kleinen Stube erfolgte. «Ehrlich gesagt, weiss ich nicht, wie so viele Leute dort unterkamen», lacht Mandy Quaderer. Bei der Debatte sei auch Prinz Eduard von Liechtenstein zugegen gewesen, der die Ergebnisse an Fürst Johannes II. weitergeleitet haben soll. Das Bierbrauen kam im Zuge des Rohstoffmangels im Ersten Weltkrieg zum Erliegen, somit war Mandy Quaderers Urgrossvater Rudolf der letzte aus seiner Familie, der vor ihm nach einer langer Reihe von Bierbrauern das kühle Gebräu zum allgemeinen Genuss herstellte. (dab)

21. Okt 2019 / 13:44
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