• Ruggell
    Der Richtplan soll zeigen, wohin sich der Ruggeller Verkehr bewegt.  (Tatjana Schnalzger)

Leitfaden für künftige Ruggeller Mobilität

Der Verkehrsrichtplan sieht unter anderem einen Industriekreisel, eine zusätzliche Buslinie und eine neue Langsamverkehrsbrücke vor.

In den vergangenen Jahren hat die Gemeinde Ruggell einen massiven Verkehrszuwachs erlebt. 2019 fuhren pro Tag gemäss Amt für Bau und Infrastruktur durchschnittlich 
8000 Fahrzeuge über die Rheinbrücke, was innerhalb von fünf Jahren einem Zuwachs von 25 Prozent entspricht. Eine Ursache hierfür: Viele Pendler weichen zu Stosszeiten der Rheinbrücke in Bendern, die an ihre Kapazitätsgrenzen stösst, über diesen Umweg aus, um schneller an den Arbeitsplatz, auf die Autobahn oder durch den Zoll zu gelangen. Das florierende Ruggeller Industriegebiet, wovon über 1000 Parkplätze vor Ort zeugen, sorgt für weitere verkehrstechnische Herausforderungen, denen sich die Gemeinde stellt. Seit 2018 wird an einem Verkehrsrichtplan gearbeitet. Dieser soll als übergeordneter Leitfaden für zukünftige Massnahmen dienen.

Wie Vorsteherin Maria Kaiser-Eberle betont, wurden die rund 2300 Einwohner von Anfang an in die Planung miteinbezogen. So fanden zwei öffentliche Workshops zu diesem Thema statt. Ausserdem gab es mehrere Projekte mit Kindern und Jugendlichen, um ihre Meinung zu hören. Denn die Schulwegsicherheit ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts. Im Februar fasste Alexander Kuhn vom Büro Verkehrsingenieure Eschen an einer Informationsveranstaltung der Gemeinde Ruggell zusammen: «Es geht um Massnahmen, die über das Auto hinausgehen und die Aufmerksamkeit auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer lenken.» Das Auto soll nicht verboten, sondern die Alternativen stattdessen durch direkte Wege attraktiver gestaltet werden.

Nordumfahrung könnte Siedlungen entlasten
Wie soll die Mobilität in Ruggell nun konkret verbessert respektive sicherer gestaltet werden? Zwecks eines langsameren Verkehrs sind Begegnungszonen in der Nellengasse im Bereich der Schule und in der Giessenstasse beim Küefer-Martis-Huus vorgesehen. Ausserdem sollen Tempo-30-Zonen in den Siedlungen eingeführt und Mobilitätskorridore definiert werden. Für die Verkehrssituation beim REC wird im Richtplan nach einer Verbesserung gesucht. Längerfristig wird eine Nordumfahrung über das Industriegebiet in Betracht gezogen, um das Zentrum zu entlasten. «Dies ist eine langfristige Massnahme und abhängig von der weiteren Verkehrsentwicklung», so die Gemeinde. 
Erste Bewegungen kündigen sich mit dem Industriekreisel an, welcher vor der Rheinbrücke geplant ist. Noch laufen einzelne Verhandlungen zwischen der Gemeinde und den Bodeneigentümern. Vorsteherin Maria Kaiser-Eberle ist zuversichtlich, dass diese bis Ende Jahr abgeschlossen werden. Ein Baustart im kommenden Jahr wäre also möglich. In diesem Fall sei der Industriekreisel gegenüber den weiteren Arbeiten an der Landstrasse zu bevorzugen. Aufgrund der erwarteten Verkehrsbelastung können die beiden Bauprojekte nicht gleichzeitig durchgeführt werden. Daher müsste die zweite Sanierungsphase der fast 50 Jahre alten Landstrasse dann laut Amt für Bau und Infrastruktur um ein Jahr nach hinten verschoben werden; die erste soll nach den Sommerferien 2020 starten. 

Grenzüberschreitende Buslinie von West nach Ost
In Sachen öffentlicher Verkehr schlägt der Verkehrsrichtplan ebenfalls einige Massnahmen vor. Grundsätzlich eine Optimierung des Angebots, wozu mehr Anschlüsse und kürzere Takte gehören. Verglichen zum Oberland könne man in Ruggell nicht einfach vor die Tür gehen und ein Bus fahre vor, meint Kaiser-Eberle: «Dies ist wahrscheinlich der Punkt, welcher vielen den Umstieg auf den ÖV erschwert.» Auch in diesem Bereich bewegt sich derzeit einiges, zum Beispiel durch die Petition von Reinhard Braun, Geschäftsführer des Technologieunternehmens Pantec. Über 500 Personen, davon 44 Prozent aus Liechtenstein, setzen sich für eine «direkte und schnelle Busverbindung» vom Bahnhof Feldkirch über die Industriegebiete Ruggell und Sennwald bis zum Bahnhof Salez ein. Von Feldkirch aus wäre der ÖV damit rund 30 Minuten, von Salez aus 45 Minuten schneller in der Ruggeller Industrie.

Dass eine West-Ost-Verbindung mit Anschluss an den internationalen Langstreckenverkehr der Nachbarländer notwendig ist, bestätigte der Landtag im März. Damals überwies er die Petition einstimmig an die Regierung. Auch bei Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch findet das Anliegen Gehör, da es dem Mobilitätskonzept 2030 Rückenwind verleihe. Eine solche Buslinie könne allerdings «allerfrühestens» 2022 umgesetzt werden, erklärte Jürgen Frick, Geschäftsführer von Liemobil, auf Anfrage. Er geht davon aus, dass die Nachfrage in einem «ungünstigen Verhältnis» zu den Kosten stehen würde.
Teilnehmer des Langsamverkehrs dürfen unweit der bestehenden Rheinbrücke auf eine neue Fuss- und Radwegbrücke in die Schweiz hoffen. Das Bauprojekt wurde bereits in das Agglomerationsprogramm Werdenberg-Liechtenstein aufgenommen. Gleichzeitig sollen vorhandene Wege ausgebaut und das Netz erweitert werden. Auch von diesen Massnahmen erhofft sich die Gemeinde Ruggell, der Zunahme im motorisierten Individualverkehr entgegenzuwirken. (gk)

Der Verkehrsrichtplan steckt in der finalen Phase
Zum Zeitpunkt der Informationsveranstaltung im Februar stand der Verkehrsrichtplan Ruggell laut Alexander Kuhn vom Büro Verkehrsingenieure Eschen «kurz vor der Fertigstellung». Inzwischen liegt das Dokument zur Vorprüfung beim Amt für Bau und Infrastruktur. Eine Abstimmung mit den Nachbargemeinden, auch über der Grenze (Sennwald und Feldkirch), sollte vor den Sommerferien stattfinden. Diese habe sich aufgrund er Corona-Pandemie verzögert. «Mir ist es ein Anliegen, dass die Abstimmungen physisch am gemeinsamen Tisch erfolgen. Das wäre bei solch wichtigen Projekten wesentlich einfacher», erklärt Vorsteherin Maria Kaiser-Eberle. Ein allfälliger Termin hängt somit von einer Öffnung der Grenzen ab. Sollten diese bis in den Herbst geschlossen bleiben, werde eine schriftliche Vernehmlassung durchgeführt.
Als nächster Schritt folgt eine öffentliche Auflage des Verkehrsrichtplans. Während 14 Tagen sollen zu bestimmten Zeiten Fachleute und Vertreter der Gemeinde den Einwohnern für Fragen zur Verfügung stehen. Anschliessend wird das Dokument der Regierung zur Genehmigung vorgelegt. Sobald diese erfolgt, könnten einige der Massnahmen gemäss der Vorsteherin relativ zügig umgesetzt werden.  (gk)

 

13. Mai 2020 / 19:47
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