• Peter Klaunzer
    Ständig auf Achse: Auch wenn in den vergangenen Wochen insbesondere Sportveranstaltungen ausgefallen sind, hat Keystone-Fotograf Peter Klaunzer jede Menge zu tun.

Kein bisschen Stillstand in Sicht

Für den Keystone-Fotografen ist mit der Corona-Krise kein Stillstand eingetreten – im Gegenteil.

Einen Interviewtermin mit ihm zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Nicht weil er sich dafür keine Zeit nehmen möchte. «Ich bin gerade noch daran, Bilder zu bearbeiten», erklärt er und fragt, ob es möglich sei, das Telefongespräch um eine Stunde zu verschieben. Vom Wort, das derzeit in aller Munde ist, bekommt der Keystone-Fotograf derzeit nicht viel mit: Stillstand. Im Gegenteil: Peter Klaunzer ist damit beschäftigt, die Corona-Krise fotografisch zu begleiten und zu dokumentieren. In den vergangenen Wochen ist es für ihn darum gegangen, den Einfluss der Krise auf die Gesellschaft, das Privatleben, Firmen und auf vieles mehr bildhaft festzuhalten.

So hat er beispielsweise geschlossene Läden, Restaurants und Bars festgehalten. Oder er fotografierte auf Baustellen, um zu zeigen, wie unter den gegebenen Umständen auf dem Bau trotzdem mit Hochdruck gearbeitet wird. Er begleitete die Politik in Bern mit seiner Kamera oder besuchte Sportvereine und nahm auf, wie diese während dieser Krise trainieren. Auch hat Peter Klaunzer Altersheime besucht und hat fotografisch festgehalten, wie die Menschen dort mit Covid-19 umgehen. «Besonders eindrücklich sind die speziell eingerichteten und ausgestatteten Besucherboxen gewesen», sagt Peter Klaunzer. Was ihm ausserdem speziell in Erinnerung geblieben ist: Der Besuch bei einer Profitänzerin, deren Aufgabe es nun ist, sich in einer Ein-Zimmer-Wohnung fit zu halten und auf engstem Raum täglich zu trainieren. Die Wohnung habe er, wie mit ihr zuvor abgesprochen, mit einer Schutzmaske sowie Gummihandschuhen betreten. Und natürlich gelten auch für einen Fotografen die Abstandsregeln. Er versuche natürlich, alles so gut wie möglich einzuhalten, sagt Peter Klaunzer. 

Prägende Gespräche unter speziellen Vorzeichen
Während andere gelangweilt im Homeoffice sitzen oder Freiberufliche sich sogar um ihre Existenz Sorgen machen, geniesst Peter Klaunzer derzeit «einen sehr spannenden Job», wie er es nennt. Wer ihn kennt weiss, dass er nicht zu dieser Sorte Fotografen gehört, die einfach stumm ihr Bild schiessen. Für den Liechtensteiner ist es genauso wichtig, mit den Menschen in den Dialog zu treten. So seien insbesondere in den vergangenen Wochen unter diesen speziellen Vorzeichen prägende Gespräche entstanden. «Vor allem die wirtschaftlichen Sorgen sind schon sehr deutlich spürbar», sagt er. Und zwar deutlich stärker als die Angst, sich mit dem Virus anzustecken. «Der Gedanke, während dieser Zeit den Job zu verlieren, setzt den Menschen derzeit sehr zu.» Umso dankbarer sei er, täglich zur Arbeit gehen zu können. Gerade kürzlich habe er mit einem freischaffenden Kollegen gesprochen. «All seine Aufträge wurden abgesagt oder verschoben.» Seine Situation habe er selbst als «haarsträubend» beschrieben. 

Neue Facetten der Arbeit kennengelernt
So bedrückend die Corona-Krise derzeit auch ist, so spannend empfindet Peter Klaunzer derzeit auch seine Arbeit. «Ich habe in den den letzten Wochen eine ganz andere und vor allem noch nie dagewesene Facette meiner Arbeit kennengelernt.» Langsam gehe es nun in Richtung Massnahmenlockerung und damit um die Wiedereröffnung von Geschäften, Restaurants und Bars. «Auch da kommt für mich als Fotograf eine sehr spannende Zeit auf mich zu.» Nur spannend findet Peter Klaunzer die momentane Lage allerdings nicht. «Denn ich bin überzeugt, dass die Krise auch auf die Nachrichtenagentur Auswirkungen haben wird – wenn auch verzögert.» Allerdings könne er dies nicht beeinflussen. «Zurück bleibt einfach ein ungutes Gefühl.» Nie und nimmer hätte er gedacht, dass so etwas jemals tatsächlich passieren könnte. Kurz nach dem Lockdown vor ein paar Wochen sei er an einem Wochenende in der Innenstadt zum Fotografieren gewesen. «Weit und breit war kaum eine Menschenseele zu sehen – das war schon ziemlich gespenstisch.»

Ausstellung im Küefer-Martis-Huus verlängert
«Die Menschen in Bern gehen mit der Situation sehr diszipliniert um», sagt Peter Klaunzer. Grundsätzlich würden sich alle an die Regeln halten. Bei schönem Wetter ziehe es die Menschen schon nach draussen und hie und da müsse dann die Polizei auf sämtliche Regeln aufmerksam machen. 
Einkaufen gehört derzeit nicht zu Peter Klaunzers Lieblingsbeschäftigungen. In den grossen Läden habe es teilweise schon sehr viele Leute. «Kürzlich habe ich erlebt, wie eine Frau total ausgerastet ist, weil ihr jemand zu nahe gekommen ist.» 

Peter Klaunzers Lebensmittelpunkt ist in Bern – ab und an besucht er auch gerne  seine Familie und Freunde in Liechtenstein, wo er auch künstlerisch aktiv ist: Ende Januar durfte er im Küefer-Martis-Huus in Ruggell seine Ausstellung «Verdingkinder» eröffnen. Ein volles Haus zeugte von grossem Interesse. Doch mittlerweile ist auch diese Ausstellung nicht mehr zugänglich. «Das ist natürlich schade, aber ich freue mich, dass die Ausstellung unter diesen Umständen verlängert wurde und sie danach wieder weitergeht.» 

Glaubt, nach Liechtenstein zurückzukehren
Schon 16 Jahre ist es her, dass der Ruggeller Liechtenstein verlassen hat. Für seinen Job als Fotograf ist er erst nach Luzern gezogen, dann für eine kurze Zeit nach Zürich und seit 2007 lebt er nun in Bern. Solange er für Keystone arbeite, wolle er dort auch bleiben. «Ich habe aber schon das Gefühl, dass ich irgendwann wieder nach Liechtenstein zurückkehre», sagt er. «Zurück zu meinen Wurzeln – dorthin, wo ich die Menschen kenne und wo ich mich pudelwohl fühle.» (bfs)

11. Mai 2020 / 23:00
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