• Gertrud Kohli
    Gertrud Kohli vor ihrem Werk «Baum Boden Bild».  (zvg)

In der Stille die Ideen reifen lassen und zur Ruhe kommen

Die Künstlerin Gertrud Kohli sieht die Kunst und Musik gerade in Zeiten von Corona als wichtige Trostspender für die Menschen.

Im März besuchte die Ruggeller Künstlerin Gertrud Kohli noch die Ausstellung «Paula Modersohn-Becker. Aufbruch in die Moderne» im Buchheim-Museum in Deutschland. Eine Woche darauf wurden die Grenzen geschlossen. Wie sie sagt, habe sie danach eine noch nie dagewesene Stille erlebt – «im Innen wie auch im Aussen». Diese Ruhe sei allerdings kein Problem für die Künstlerin. Sie brauche sie sogar, um selbst still zu werden und um Ideen reifen zu lassen. 

Von klassischer Musik begleitet der Kunst hingeben
Die Corona-Krise hat einige Einschnitte in das Leben von Gertrud Kohli gebracht. Aufgrund ihres Alters gehört sie zur Risikogruppe. Das erlaubt ihr nur wenig Bewegungsfreiheit. Die täglichen Spaziergänge in der Natur lässt sie sich trotzdem nicht nehmen. Und wie sie sagt, lade das Atelier im Garten zum Arbeiten ein. Ihre Ausstellung zum 40-jährigen Kunst-Schaffen von Gertrud Kohli musste wegen der Pandemie allerdings verschoben werden. Nun nutzt sie die Zeit, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten. «Seit vergangenem Herbst beschäftige ich mich mit dem Sichten, Ordnen und Archivieren von Zeichnungen, Skizzen und Aquarellen, die über die Jahre liegen geblieben sind», erklärt die Künstlerin. Ihr Atelier ist ihre zweite Heimat. Dort habe sie immer schon allein oftmals über Monate hinweg an einem ihrer Projekte gearbeitet und gleichzeitig ein anderes Werk gemalt. Gertrud Kohli mag es ruhig. Nur klassische Musik darf sie bei ihrem Kunstschaffen begleiten. Ihr Lebenselixier, sagt sie, sei aber nach wie vor die Nähe zu ihrer Familie, mit ihren Liebsten ­Gedanken auszutauschen und Freu­den zu teilen. «Das tut gut und ist Erholung», erklärt sie. Ebenso sehr schätzt Gertrud Kohli den Austausch mit Künstlerkolleginnen und -kollegen, Gespräche mit Besuchern und Freunden. Und auf einmal ist das alles nicht mehr möglich. 
«Die kollektive Quarantäne versetzte uns erst einmal in einen Schockzustand», reflektiert Gertrud Kohli. Begegnungen, Umarmungen und Gespräche seien ausgeblieben. «Museen geschlossen, Ausstellungen verschoben, Konzerte gestrichen. Es gab keine Sicherheit mehr.» Ihr und wahrscheinlich vielen anderen auch sei bewusst geworden, dass man nicht vom Brot allein leben könne. «Wir sind abhängig von allem und jedem – und allen voran weist uns die Natur in die Schranken», erklärt die Ruggeller Künstlerin.  

«Kunst und Musik spenden den Menschen Kraft»
Laut Gertrud Kohli reicht es in dieser ungewohnten Situation nicht aus, die Not der Menschen mit der Versorgung von Schutzmasken, Verhaltensmassnahmen sowie mit der Aufforderung, durchzuhalten, abzudecken. «Sie brauchen etwas für die Seele», ist die Ruggellerin überzeugt. Und das ist die Musik und die Kunst. « Ihren Stellenwert spürt man in Notzeiten beim gemeinschaftlichen Singen, Tanzen und Musizieren auf den Balkonen, Terrassen sowie an den Fenstern.» Kunst und Musik würden den Menschen Kraft geben, die sie brauchen, um gestärkt das Leben zu meistern und um zu ­spüren, dass es noch etwas anderes, nicht Greifbares, nicht Käufliches, sondern etwas Schönes und Tröstliches gebe. «Die Kunst und die Musik sind keine Waren, haben aber ihren Preis, weil Künstler von der Kunst leben müssen. Ich hoffe und wünsche mir, dass in Zukunft der Gemeinschaft, dem Miteinander, mehr Bedeutung zukommt», sagt Gertrud Kohli. Die Krise gibt den Kunstschaffenden laut der Ruggellerin aber auch eine neue Chance. Sie geht davon aus, dass sich Kunstschaffende über das Erlebte in dieser Zeit des Stillstandes in ihren Arbeiten äussern. Gertrud Kohli empfinde das zumindest als wichtig: «Gerade jetzt braucht es Künstler, die sich auf das Leben im Positiven beziehen.» Sie selbst möchte zumindest die Zeit für Vorbereitungen nutzen und sie will offen für Neues sein. «Eine Planungssicherheit gibt es nämlich nicht», sagt Gertrud Kohli.  (jka)

Serie - Teil 39
Das Coronavirus legt derzeit alles still – auch das Kulturleben.  Das «Vaterland» hat sich bei liechtensteinischen freischaffenden Kulturschaffenden, die im In- und Ausland tätig sind, erkundigt, wie es ihnen momentan geht und was die derzeitige Krise für sie konkret bedeutet. Heute mit Künstlerin Gertrud Kohli, weitere Kulturschaffende folgen.


 

 

10. Mai 2020 / 22:04
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