• Marius Simiganovschi
    Das sogenannte Auslandsstudienjahr verbrachte Marius Simiganovschi in Rom, wo er am Campo Santo Teutonico im Vatikan wohnte. Das Bild zeigt in zusammen mit Papst Franziskus.  (pd)

«Ich werde mir ein Fahrrad anschaffen»

Im August wird Marius Simiganovschi, der ehemalige Kaplan von Triesen, seine Stelle als neuer Pfarrer in Ruggell antreten.

Interview: Nicole Öhri-Elkuch

Als ehemaliger Kaplan der Gemeinde Triesen hat sich Marius Simiganovschi in Liechtenstein bereits einen Namen gemacht. Denn seit er am 17. April 2010 in Vaduz zum Priester geweiht und die vier darauffolgenden Jahre als Pfarrvikar (Kaplan) tätig war, lernten ihn die Gläubigen zu schätzen. Seit 2014 ist der 38-Jährige aus Villingen, Deutschland, als Bischöflicher Zeremoniar und Dombenefiziat in Chur tätig. In dieser Funktion hält er regelmässig die Heilige Messe in der Schlosskapelle ­Vaduz ab. Ab dem 1. August 2020 wird er Pfarrer der Pfarrei St. Fridolin in Ruggell sein. 
Das sogenannte Auslandsstudienjahr verbrachte Marius Simiganovschi in Rom, wo er am Campo Santo Teutonico im Vatikan wohnte. 

Was hat Sie dazu bewegt, sich für die freie Stelle in Ruggell zu bewerben?
Marius Simiganovschi: Am Donnerstag, den 27. Februar, hatte ich um 8 Uhr die Gottesdienst-Aushilfe in Ruggell. Nach dem Gottesdienst kam Generalvikar Markus Walser in die Sakristei und lud mich anschliessend zum Kaffee ein ins Restaurant Rössle. Und noch bevor der bestellte Kaffee kam, hat er mir nach Rücksprache mit Erzbischof Wolfgang Haas die Frage gestellt, ob ich mir vorstellen kann, die Pfarrstelle in Ruggell anzutreten. Walser hat beim besagten Kaffee keine Mühen gescheut, die Pfarrei Ruggell von ihrer besten Seite zu umschreiben. Alle Vorzüge und Vorteile hat er im Rössle auf den Tisch gelegt. Und ich sollte mich bald mal entscheiden.

Fiel Ihnen die Entscheidung leicht?
Natürlich fühlt man sich sehr geehrt, dass sowohl der Erzbischof als auch der Generalvikar dieses Vertrauen in mich hegen, die Pfarrei Ruggell als Pfarrer zu betreuen. Die Verantwortung als Pfarrer, vor Ort alle anvertrauten Schäfchen nicht nur ins Trockene, sondern auch in den Himmel zu bringen, liess mich lange und mit sehr viel Respekt nachdenken. Am 16. März teilte ich dem Erzbistum mit, dass ich es mit der Pfarrei Ruggell versuche und sie hoffentlich auch mit mir. Das Vorstellungsgespräch mit der Gemeindevorsteherin Maria Kaiser-Eberle und dem Vizevorsteher Jürgen Hasler war am 23. April; ihre herzliche und offene Art hat mir sehr Mut gemacht, diese neue Stelle nun anzugehen. Schlicht und ergreifend.

Haben Sie bereits einen Lieblingsort in Ruggell?
In Ruggell habe ich einige Male in den Gottesdiensten ausgeholfen. Ich muss jedoch gestehen, dass ich die Gemeinde Ruggell – bis auf ihre sehr schöne Pfarrkirche – nicht sehr gut kenne. Und so unvoreingenommen möchte ich auch nach Ruggell kommen. Ich habe gehört, dass es in Ruggell das Naturschutzgebiet Riet gibt. Es wäre ein herrliches Naturerlebnis und zusätzlich hat man mir für Ruggell geraten, ein Fahrrad anzuschaffen. Das werde ich tun. Aber wenn ich humpelnd und mit Schrammen am Altar versuche mich aufrecht zu halten, dann sollen die Ruggellerinnen und Ruggeller wissen, dass ich mich seit über 20 Jahren nicht mehr versucht habe, mich auf einem Fahrrad zu halten. Ob ich das Fahrrad beherrscht habe oder das Fahrrad mich, werden wir noch sehen …

Wie sieht es mit dem Lampenfieber aus?
Ja, der Countdown läuft. Die Aufregung ist gross. Ich habe zwar keine Zweifel, aber es sind eine Menge an neuen Herausforderungen. In den letzten sechs Jahren als Zeremoniar habe ich in Chur nicht die Möglichkeit gehabt, den «normalen» seelsorgerlichen Tätigkeiten nachzukommen. Vielmehr war es meine Aufgabe, den Bischof Huonder von Chur und jetzt den Apostolischen Administrator Bürcher im Bistum zu begleiten, liturgische Abläufe für die bischöflichen Messen in den jeweiligen Pfarreien zu koordinieren und mit den Verantwortlichen vor Ort zu besprechen. Visitationen, Firmungen, liturgische Beauftragungen, Altar- und Kirchweihen, Diakonen- und Priesterweihen und das Einüben des Gottesdienstes, also das Einüben des liturgischen Handwerks mit den neu zu weihenden Diakonen und Priestern, standen auf meiner Agenda.

Und nun als Pfarrer?
Es ist nun eine andere Situation als Pfarrer. Wie weit wird der Pfarrer idealisiert? Wie tief sind die Vorurteile oder Meinungen? Wie schaffe ich es durch mein Verhalten, das Bild der Kirche nicht zu verzerren? And last but not least: Wie bekomme ich die Ruggellerinnen und Ruggeller in den Himmel? Vor zehn Jahren habe ich mir Jesaja 43,1 als Primiz- und Leitspruch für mein priesterliches Leben ausgesucht: «Fürchte dich nicht. Ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir.» Lampenfieber ja, aber keine Furcht.

Wenn Sie nicht Pfarrer hätten werden können, welcher Beruf wäre es geworden?
Ich war mit Freunden in Potsdam im Kino, als der Film «Spectre» lief. Im Film wurde James Bond gefragt: «Was in Anbetracht aller verfügbaren Optionen bewegt einen Mann dazu, Geheimagent zu werden?» Und James Bond antwortet: «Na ja, das oder Priester werden.» Wir haben alle herzlich gelacht und ich bin froh, Priester geworden zu sein.

13. Mai 2020 / 10:15
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