•  (Gemeinde Ruggell)

Einmal rund um Ruggell

Im Rahmen der #näherdran-Serie wird hier der Liechtenstein-Weg in Ruggell skizziert.

Auf dem 75 Kilometer langen Liechtenstein-Weg, der anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums realisiert wurde und durch alle Gemeinden führt, können 147 sogenannte Erlebnisstationen erkundet werden. «Mittlerwei­le haben schon mehrere Einheimische wie auch Touristen entweder den ganzen Weg oder auch Teile davon absolviert», erzählt Martin Knöpfel von Liechtenstein Marketing. Die App «LIstory» (Liechtenstein History) wurde bisher schon über 7000 Mal heruntergeladen. An den insgesamt 147 Stationen können zahlreiche interessante Informationen zur Liechtensteiner Geschichte abgerufen werden. Die Rückmeldungen seien äusserst positiv, denn nicht nur der Weg, sondern auch die App komme sowohl bei Einheimischen wie auch Touristen sehr gut an. In Ruggell gäbe es zahlenmässig zwar nicht sehr viele Stationen, dafür umso spannendere Themen. Auch eigne sich die flache Strecke sehr gut für Leute, die nicht so gut zu Fuss sind.

Auswanderer und Einwanderer

Von Gampriner Kratzerawald kommend beginnt der Ruggeller Abschnitt des Liechtenstein-Wegs beim Täle-Wald. Die erste Station ist dem Thema Migration gewidmet. Doch anders, als sich manche denken würden, geht es dabei nicht um Einwanderer und Flüchtlinge, sondern vorwiegend um Liechtensteiner Auswanderer, die im 19. und 20. Jahrhundert auf der Suche nach Arbeit nach Amerika reisten. «Bis 1929 wanderten 1500 Liechtensteiner nach Amerika aus», erklärt Martin Knöpfel. Daher befindet sich diese erste Station auch bei einem Auswanderer, nämlich bei Hugo Büchel, der 1923 nach Amerika emigrierte. Erst in einem zweiten Schritt wird auch die Zuwanderung nach Liechtenstein thematisiert, die im 13. Jahrhundert mit den Walsern begann. Ab den 1860er-Jahren kamen Arbeiter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Arbeit in die Textilfabriken nach Liechtenstein. Danach stieg der Bedarf nach ausländischen Arbeitskräften erst wieder in den 1950er-Jahren an, wo erstmals auch Saisonniers aus Italien ins Land kamen.

Weiter geht der Weg Richtung Zentrum, vorbei am Haus von Schwester Leoni Hasler, wo die liechtensteinischen Missionare in der Welt thematisiert werden. Die Ruggeller Ordensschwester war vor allem in den 70er- und 80er-Jahren in Krankenhäusern in Brasilien und Afrika tätig. Damit zusammenhängend werden auch die Liechtensteiner Wohltätigkeitsorganisationen porträtiert, wie zum Beispiel der Liechtensteiner Entwicklungsdienst (LED), das Fastenopfer sowie die Stiftung Welt und Heimat, die alle in den 1960er-Jahren gegründet wurden. Wenige Meter davon entfernt findet sich beim Schulhaus in Ruggell die nächste Station, wo es um dessen Geschichte wie auch die Staatsbürgerschaft als Einnahmequelle geht. «Ruggell wollte in den 30er-Jahren ein Schulhaus bauen, hatte aber kein Geld. Deshalb begannen das Land und die Gemeinde, mit dem Verkauf von Staatsbürgerschaften Einnahmen zu generieren», erklärt Martin Knöpfel. Durch diese Einnahmen konnte die Gemeinde 1939 ihr Schulhaus verwirklichen. «1937 machten die Einbürgerungstaxen 12 Prozent der Staatseinnahmen aus», so Knöpfel. 1955 wurde diese Praxis durch den internationalen Gerichtshof beendet. 

Der letzte Berufsfischer des Landes

Die vierte Station befindet sich beim 2002 eröffneten Ruggeller Kulturzentrum, dem Küefer-Martis-Huus aus dem Jahr 1730, das nach einem kurzen Marsch Richtung Rheindamm erreicht wird. Dort geht es um das Thema Kulturgut und die Kulturgütersammlungen der Gemeinden. Während mittlerweile fast jedes Dorf über ein Ortsmuseum verfügt, nahmen die Triesenberger eine Vorreiterrolle ein, als sie 1961 das erste grössere Ortsmuseum im Land, das Walsermuseum, eröffneten. Dem Binnendamm entlang erreicht man nach wenigen Gehminuten die Fischstation des Fischereiverbandes. Dort geht es unter anderem darum, wer wann und wo fischen darf. Auch wird die Geschichte des letzten Berufsfischers erzählt: Andreas Büchel aus Ruggell ging bis Mitte des 20. Jahrhunderts täglich auf Fischfang und verkaufte seine Ausbeute an Restaurants und Geschäfte. In der App gibt es ein Video von 1992, das den Berufsfischer beim Fischen zeigt. 1953 wurde der Fischereiverein gegründet, der sich seitdem um die Zucht von Jungfischen kümmert. 

Dem Torfstecher bei der Arbeit helfen

«Für mich ist das Highlight in Ruggell eindeutig das Riet, wo man Tiere beobachten oder in die besondere Morgenstimmung eintauchen kann», schwärmt Knöpfel. Auf dem Weg Richtung Bangshof sind Naturschutz, Fauna und Flora Thema. «Im Ruggeller Riet wurden 700 Pflanzen und 1600 Tierarten nachgewiesen», so Knöpfel. 1976 wurde das Ruggeller Riet vom WWF als Gebiet von internationaler Bedeutung anerkannt und unter Schutz gestellt. Seit den 1980er-Jahren hat Liechtenstein zahlreiche Naturschutzabkommen unterzeichnet, um die heimische Fauna und Flora zu schützen. Auf dem Weg Richtung Grenze zeigen auch heute noch mehrere Torfstecherhütten, wie man das Riet früher genutzt hat. Beim «Augmented Reality-Punkt» der App kann man einen Torfstecher vor sich her projizieren, der einem von seiner Arbeit erzählt und den Besucher um Mithilfe bittet. Weiter führt der Weg zur letzten Station beim Zoll in Ruggell, wo es um Grenzgänger geht. Dort ist vor allem die Entwicklung der Grenzgänger interessant. «1950 war der Anteil Grenzgänger bei 4 Prozent, 2017 schon bei über 50 Prozent.» In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es nicht einmal für die heimische Bevölkerung genug Arbeit. Doch seit dem grossen Wirtschaftswachstum in den 50ern kann der hiesige Arbeitsmarkt nur noch mit Grenzgängern gefüllt werden. Am Fusse von Schellenberg endet der flache, neun Kilometer lange Ruggell-Abschnitt, bevor es steil zur unteren Burg nach Schellenberg hochgeht.

Rund 500 Richtungsweiser auf elf Routen

Bereits Anfang Jahr wurden die rund 500 Richtungsweiser auf den elf Streckenabschnitten angebracht. Informationstafeln wird es auf dem ganzen Weg keine geben. Stattdessen gibt es die App, die dafür sorgt, dass man sich die Texte nicht nur anhören kann, sondern dass die Stationen auch laufend aktualisiert werden können. «Der Weg soll etwas sein, das es auch in fünf und mehr Jahren noch gibt.»  (mk)

27. Aug 2019 / 13:43
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