• Adolf Heeb war 2003 der letzte OK-Präsident der traditionellen Schellenberg-Rundfahrt.

Die Erinnerungen rücken in die Ferne

Im Jahre 1953 ist der VC Unterland gegründet worden – fünf Jahre später wechselte der Name zum VC Ruggell. Neben der Schellenberg-Rundfahrt fanden Etappenankünfte der Tour de Suisse, der Ostschweizer Rundfahrt und des Grand Prix Wilhelm statt.
Ruggell. 

Nicht von ungefähr entwickelte sich die Gemeinde Ruggell deshalb zur Hochburg des Liechtensteiner Radsports. Vor fünf Jahren feierte der VC Ruggell sein 60-jähriges Vereinsjubiläum.

Ob die traditionelle Schellenberg-Rundfahrt, die von Ruggell über Schellenberg und Gamprin nach Ruggell führte, die zahlreichen Etappenankünfte der Tour de Suisse, die in Ruggell halt machten, oder die Radmarathons, die früher einen Boom ausgelöst hatten (ab 1974) – der Radsport ist in der Gemeinde seit über 60 Jahren verankert und war hierzulande sogar ein Markenzeichen. Ein eingespieltes Organisationskomi-tee, dem Otto Büchel †, Donat Bü-
chel †, Silvan Eberle und Werner Malin angehörten, bewährte sich als Rennjury und ist in der Ostschweiz von vielen Veranstaltern gebucht worden. Ansonsten zählten auch Louis Oehri, Adolf Heeb, Paul Kind und Hannes Clavadetscher zum Organisationskomitee, das 2003 die Schweizer Meisterschaften im Rahmen der letzten Schellenberg-Rundfahrt durchgeführt hatten. Nach 38 Austragungen war letztlich Schluss. Jahr für Jahr war die Schellenberg- Rundfahrt zuvor ein Radsportfest, das vor allem in den Siebziger- und Achtzigerjahren auch gesellschaftlich für Aufsehen gesorgt hatte: Ein Volksfest reihte sich ans andere. Bis 2007 führte der VC Ruggell noch das Radkriterium durch. Schliesslich geriet die Hochburg des Radsports in den letzten 15 Jahren arg ins Wanken, weshalb sich in den vergangenen Jahren die Verhältnisse in der Gemeinde zu Ungunsten des Radsports verändert haben.

Adolf Heeb äussert sich zu den Doping-Praktiken

Gemeinsame Ausfahrten im Verein sowie ein Schülerrennen werden jährlich noch durchgeführt. «Der VC Schaan stellt eine gute Jugendförderung und ist früh auf den Bikesport umgestiegen. Das haben wir verpasst. Wir führen jährlich noch den Schüler-Cup (Bike) durch», präzisiert VCR-Präsident Paul Kind und ergänzt: «Jene jungen Ruggeller, die Potenzial besitzen, gehen nach Schaan. Wegen zwei, drei Talenten bauen wir keine eigene Nachwuchsgruppe auf. Wir müssten einen eigenen Trainer anstellen. So schicken wir die Talente sinnvollerweise nach Schaan. Bei Bedarf wäre das rasch aktiviert, denn schliesslich existieren wir noch», gibt Paul Kind keineswegs klein bei.

Liechtensteins Aushängeschild im Radsport war Adolf Heeb, der 1962 die Gesamt-Bergpreiswertung der Tour de l’Avenir gewann und drei Etappen auf Rang zwei beendete. Mit diesen Leistungen zog er das Interesse der Profirennteams auf sich und erhielt 1963 einen Profivertrag bei Garcia Urago. Doch die Machenschaften, sprich der Dopingmissbrauch schon zur damaligen Zeit, führten zum Rücktritt nach nur einem Jahr. «Jeden Abend wollte mir der Masseur nach den Etappen Spritzen verabreichen, doch ich lehnte ab. Schliesslich übergab er mir Pillen und Ampullen zum Trinken. Ich wusste nicht, worum es sich handelt. Deshalb lehnte ich ab und sammelte sie in meinem Koffer. Ende der Saison übergab ich sie dann dem damaligen Masseur der Radsportgruppe und zog meine Konsequenzen», blendet Adolf Heeb 55 Jahre zurück. «Aufgrund meiner Ablehnungen kam es im Team zu Differenzen – vor allem an der Tour de Suisse in Les Diablerets», so Heeb.
Sein Animator und Förderer Alois Lampert aus Mauren (Olympia-Teilnehmer 1952 im finnischen Helsinki) hatte ihn gewarnt. «Ich habe viele Trainingsfahrten mit Lampert unternommen und von ihm mein erstes Rennvelo gekauft. Er nahm Dopingmittel ein, hat mir aber davon abgeraten. Es sei der grösste Scheiss in seinem Leben gewesen, erklärte er mir», so Heeb. (eh)

 

16. Mai 2018 / 11:08
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