Ruggeller baut Weinkeller auf Bestellung

Alexander Biedermann aus Ruggell ist der einzige Weinkellerbauer Liechtensteins. Er hat schon Weinkeller mit einer Kapazität von 10 000 Flaschen gebaut.

Wann ist ein Wein eigentlich ein guter Tropfen? Frucht, Tannine, Säure und Alkohol müssen in einem guten Gleichgewicht zueinander stehen. Wer Wein liebt, der weiss um diese Balance Bescheid und sorgt sich um die Lagerung. Das Wichtigste ist eine konstante Raumtemperatur. Starke Temperaturschwankungen, die zum Beispiel durch Tag und Nacht entstehen, wirken sich negativ auf das Aroma des Weines aus. Kein Wunder achten Weinliebhaber darauf, dass sie ihre Flaschen auch richtig lagern. 

Es begann im alten Stall der Grosseltern

Alexander Biedermann war kein grosser Weinkenner als er angefangen hat. «Ich habe mich für Wein interessiert, aber nicht in dem Mass wie heute», erzählt der 46-Jährige. Im alten Stall des stillgelegten Bauernhofes seiner Grosseltern in Ruggell, der schon fast abbruchreif war, fing er bei Null an. Als gelernter Zimmermann beherrschte er zwar das Handwerk. Doch als er mit seiner Geschäftsidee zur Bank ging, um etwas Startkapital zu bekommen, wird er nur belächelt. Eine Hypothek aufnehmen, das wollte er nicht. 
Und so wuchs er langsam, Auftrag um Auftrag. Ganz am Anfang glaubten nicht viele daran, dass er je davon leben kann. Sie täuschten sich. Im Jahr 2003 gründete er seine Einzelfirma.

Mit dem ersten Angestellten zog er später in eine ehemalige Schreinerei in Ruggell und auf ­ 70 Quadratmetern konstruierten, schraubten und sägten sie für ihre Kunden. Als er Jahre später seinen zweiten Mitarbeiter eingestellt hat, vergrösserte er sich erneut und mietete eine Halle mit 400 Quadratmetern – ebenfalls in Ruggell. Um ein Haar hätte er aber einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Nach seiner Zimmermann-Lehre zieht es ihn nach München, um eine Schauspielschule zu besuchen. Er hat einige Jahre in Deutschland gelebt, in Freilichttheatern mitgespielt und sogar selbst Regie geführt. Doch anders als seine Schauspielkollegen, fühlte er sich immer weniger wohl dabei im Mittelpunkt stehen. «Das Schlimmste, was passieren hätte können, wäre berühmt zu werden», sagt er und lacht dabei. Nach seinen Vorstellungen schleichte er sich lieber heimlich von der Bühne, als mit dem Publikum zu sprechen, um das Lob zu geniessen oder im Mittelpunkt zu stehen. Einige seiner Mitschüler von damals auf der Schauspielschule sind heute erfolgreiche und bekannte Künstler, die in grossen TV-Produktionen mitwirken. Gegenüber der Schauspielerei wurde er immer distanzierter. «Der Applaus war keine Genugtuung mehr – es war nichts Handfestes», sagt er. Seine Entscheidung, nach Liechtenstein zurückzugehen, hat er nie be­reut. «Ich habe Liechtenstein nach einigen Jahren vermisst; ich musste aber erst weggehen, um zu merken, wie schön es bei uns ist», erzählt Biedermann. 

Viel Planung, viel Büroarbeit

Heute verarbeitet er etliche Kubikmeter Holz und einige Tonnen Stein im Jahr. Er baute schon Weinkeller mit einer Kapazität von 10 000 Flaschen auf 90 Quadratmetern, übernimmt aber Aufträge jeder Grösse. Meist fertigt Biedermann auf Mass, wobei das Handwerk­liche heute eher zu kurz kommt. Die Planung eines Weinkellers kosten ihn sehr viel Zeit, genauso wie die restliche Arbeit im Büro – die Buchhaltung zum Beispiel. Dennoch ist er auch heute noch vom Handwerk und dem Werkstoff Holz begeistert wie am ersten Tag. «Zuletzt habe ich einen Weinkeller aus antiker Eiche realisiert», erzählt Biedermann begeistert. Und damit beantwortet sich auch die erste Frage: Für Alexander Biedermann aus Ruggell ist ein Wein gut, wenn er gut gelagert ist und schmeckt. «Die Auseinandersetzung mit Wein ist für mich ein niemals endender Prozess und ich glaube, gerade das ist es, was mich an Sache so fasziniert», erzählt der einzige Weinkellerbauer des Landes.

26. Aug 2019 / 09:54
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