• Flandera, Ruggell
     (Tatjana Schnalzger)

Botanik oder Krieg, das ist die Frage

Bei der Erkundung von Flurnamen stösst man manchmal auf Ungereimtheiten.
Fotostrecke: Flurname Ruggell
Flandera, Ruggell
Flandera, Ruggell
Flandera, Ruggell
Flandera, Ruggell
Flandera, Ruggell

Wer mit dem Bus durch das Land fährt, fragt sich bei manchen Haltestellen, wieso sie heissen, wie sie eben heissen.  In der Serie #näherdran erklären wir einige davon. Heute die Haltestelle Flandera in Ruggell. 
Der Klang des Wortes erinnert  an Flandern, eine Region des Königreichs Belgien. Dass der Name vom belgischen Gliedstaat herkommt, ist nicht ganz abwegig, wie im «Liechtensteiner Namenbuch» zu lesen ist. 

Das hat einen geschichtlichen Hintergrund. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zogen die Hohenemser für Spanien gegen die Niederlande in den Krieg. Ruggell gehörte damals zur Grafschaft Hohenems.
In der Geschichte auf der Gemeinde-Website Ruggells ist zu lesen, dass 1629 österreichische und spanische Truppen mehrfach mit dem ganzen Tross in Ruggell lagerten. Sie sollen den Menschen den letzten Bissen Brot weggenommen haben. Zudem hätten sie Krankheiten und Seuchen eingeschleppt.

In dieser Zeit herrschte zwischen Spanien und den Niederlanden der Achtzigjährige Krieg, welcher von 1568 bis 1648 dauerte. Dieser Krieg heisst auf Spanisch «Guerra de Flandes» – Flandernkrieg. Könnte also sein, dass der Name Flandern in dieser Zeit im heutigen Ruggeller Industriegebiet hängen blieb. Klare Nachweise dafür gibt es aber nicht. 

Sah es im Industriegebiet aus wie in der Provence?
Eine andere mögliche Deutung findet man nicht in der Geschichte, dafür in der Botanik. Im Rheintal und im Appen­zellischen wird oder wurde Lavendel auch «Flanderli» oder «Fanderli» genannt. Das könnte laut Liechtensteiner Na­menbuch darauf deuten, dass der Flurname Flandera in etwa «Ort, wo viel Lavendel wächst» bedeutet. Gibt man bei der Google-Bildersuche das Wort «Flanderli» ein, erscheinen zahlreiche Bilder von Lavendel. 

Ein Augenschein vor Ort bei der Bushaltestelle im Ruggeller Industriegebiet direkt beim Werkhof zeigt von Weitem gesehen tatsächlich Pflanzen, die aus Distanz betrachtet lavendelfarbig blühen. Von Nahem zeigt sich jedoch, dass es sich wohl um Wiesensalbei handelt. Irgendwie enttäuschend. Wäre das doch ein perfektes Indiz für die Flurnamendeutung gewesen. 

So bleibt es dabei: Entweder ist der Name ein Überbleibsel aus dem Achtzigjährigen Krieg oder früher blühte in Ruggell Lavendel wie in der Provence, wo heute ein Industriegebiet und ein Casino stehen. Wer weiss. (jeb)

02. Sep 2019 / 09:59
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