•  (Tatjana Schnalzger)

Biobauer aus Leidenschaft

Sieben Landwirtschaftsbetriebe produzieren in Ruggell Milch. Einer von ihnen ist der Neugrütthof von Willi Büchel, der zu Jahresbeginn mit einem Bio-Label ausgezeichnet wurde. Er hat vor zwei Jahren begonnen, seinen Betrieb auf Bio umzustellen.

Liechtenstein ist Bio-Weltmeister. In keinem anderen Land ist der Bio-Anteil der landwirtschaftlichen Fläche höher: Er liegt hierzulande bei 37 Prozent. Während Bio vor einiger Zeit noch als Hirngespinst von Öko-Träumern abgetan wurde, wächst die Biobranche schon seit Jahren. Bio ist für die Konsumenten zum Alltag, zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Produkte haben es längst aus dem Reformhaus geschafft und sind heute bei den Grossverteilern nicht wegzudenken.

Weil die Nachfrage nach Bio steigt, scheint Ruggell die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und setzt darauf: Zwei von sieben Betriebe haben der konventionellen Landwirtschaft den Rücken gekehrt. Dazu gehört auch Willi Büchel vom Neugrütthof.

«Tierwohl ist uns wichtig»

Willi Büchel erklärt, dass er auch die konventionelle Landwirtschaft schätze. Er habe einfach für sich selbst entschieden, dass Bio grössere Zukunftschancen eröffne. Zudem ging es ihm und seiner Frau Rojane auch um das Tierwohl. Denn mit Bio sind höhere Anforderungen an die Tierhaltung gefragt. Zwar haben die zwei darauf schon immer Wert gelegt, als sie zum Beispiel einen Laufstall vor 12 Jahren bauten, in dem sich die Kühe frei nach draussen bewegen können. Und auch Teilbereiche waren bereits bio-konform auf dem Hof. «Aber nur die Nähe zu einem Label nützte uns nicht viel», sagt Willi Büchel. Seit Jahresbeginn sind sie nach einer zweijährigen Umstellungszeit mit dem Biolabel «Knospe» ausgezeichnet worden. Die Knospe ist die Marke von über 6423 Schweizer Landwirtschafts- und Gartenbaubetrieben, die nach den Richtlinien von Bio Suisse produzieren. Das bedeutet für den Familienbetrieb auch mehr Arbeit: Unkraut muss zum Beispiel mechanisch bekämpft werden. Der Einsatz von handelsüblichen Pestiziden oder sogar vom umstrittenen Glyphosat ist natürlich nicht erlaubt. Es gelten zudem strenge Fütterungsvorschriften. Auf seinen 50 Hektar an Futterfläche läuft alles streng nach den Vorschriften von Bio-Suisse. Auch wenn der Fokus des Betriebes mit seinen 75 Kühen auf Milchwirtschaft liegt, so baut der Bauer auch Spinat an. Seine Frau hat zudem 90 Hühner, deren Eier unter anderem ab Hof verkauft werden und «in Ruggell auf rege Nachfrage stossen», wie Rojane Büchel erzählt. Auch 70 Aren Dinkel und zwei Hektar Weizen bauen sie neuerdings an, um daraus Biobrot machen zu können.

Aus innerer Überzeugung

«Es braucht beim Einzelnen einfach die innere Überzeugung, dass Biolandbau die richtige Landwirtschaftsform für ihn ist», sagt Willi Büchel.Er ist im innersten überzeugt, dass sein Familienbetrieb damit die Weichen gestellt hat für eine gute Zukunft. Die nächste Generation steht dabei bereits in den Startlöchern: Sein 16-Jähriger Sohn möchte eine landwirtschaftliche Ausbildung anfangen.Die Söhne Lukas und Rafael haben beide Interesse  an der Landwirtschaft.

So schön das alles klingt, so gibt es doch Themen, die dem Biobauer aus Leidenschaft Sorgen bereiten. Die Agrarpolitik hat sich in den letzten 25 Jahren verändert. Erzielte der Landwirt vor allem über die Produkterlöse sein Einkommen, so sind es heute auch durch Bewirtschaftungsbeiträge zum Beispiel für Magerwiesen und Hanglagen.

«Dies sind nicht irgendwelche Subventionen, sondern Leistungen gegenüber der öffentlichen Hand», erklärt Büchel. Vor dieser Wende der Agrarpolitik lag der Milchpreis noch knapp über einen Franken. Inzwischen haben sie sich an ein EU-Niveau angeglichen und verharren heute bei 56 oder 57 Rappen pro Liter – für konventionelle Milch. Dass dies auch seine Konsequenzen hat, das zeigt sich in Ruggell besonders gut: Als Willi Büchel 1980 von der Schule kam, gab es noch 30 Milchbetriebe in Ruggell. Davon sind heute noch sieben übrig geblieben. Er selbst hat seinen Hof im Jahr 2005 von seinem Vater übernommen, der heute noch viel im Familienbetrieb mithilft.

Der Umgang mit natürlichen Ressourcen im Land macht Büchel ebenfalls Sorgen: «Ich hoffe, dass Ruggell seinen ländlichen Charakter behält und es für kommende Generationen auch noch einige Grünflächen gibt.» Als Bauer beschäftigt ihn zudem auch der Biber in Ruggell, der auch auf seinen Grünflächen bereits einige Schäden angerichtet hat:Einige Felder wurden meterlang durchlöchert  und in Folge dessen ausgeschwemmt. Auf kleinem Raum bieten auch andere Wildtiere wie Wolf und Wildschwein Konfliktpotenzial.

«Die Sanierungen werden extrem teuer»

Den Aufschrei im Land, als man Biber zum Abschuss freigab, hat er nicht ganz verstanden. «Immerhin werden andere Wildtierbestände wie Hirsche und Rehe auch per Jagd geregelt  – zumal es keinen natürlichen Feind gibt, kann der Bestand nur so geregelt werden», ist Büchel überzeugt. Die Schäden der Biber werden in ganz Ruggell sichtbar – zum Beispiel am Möhlebach – und die Sanierungen sind laut Büchel extrem teuer. Die Frage sei daher, wer das zahlt.

Willi und Rojane Büchel steht trotz solcher Schwierigkeiten eine spannende Zeit bevor mit neuen Chancen: Die Hälfte der Konsumenten in der Schweiz und in Liechtenstein kauft täglich oder mehrmals wöchentlich Bio-Produkte ein. Vor allem die junge Bevölkerung hat den Trend für sich entdeckt, zeigt sich der Biobauer Willi Büchel aus Ruggell sicher über die Entwicklung. (dal)

16. Mai 2018 / 22:21
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