• Pablo Hämmerle durfte an der Jugend-Weltmeisterschaft in Antigua dabei sein.
    © Matias Capizzano  (© Matias Capizzano)

«120 Tage bin ich auf dem Wasser»

Ruggell hat mit dem 15-jährigen Pablo Hämmerle ein vielversprechendes Segeltalent. Kürzlich war er an der Jugend-Weltmeisterschaft.

Pablo Hämmerle ist 15 Jahre alt und eine Wasserratte durch und durch – Segeln ist für ihn das Ein und Alles. Der Blondschopf besuchte dafür die Sportschule Collegium Bernardi, Mehrerau in Bregenz, wo er seiner Sportart optimal nachgehen konnte und auch die nötigen freien Tage für Trainings im Ausland oder Wettkämpfe erhielt. Voraussetzung dafür waren gute Schulnoten und die lieferte der grossgewachsene Teenager ohne Probleme. Vor zwei Wochen hat er einen neuen Lebensabschnitt begonnen. In der Firma Raumin AG in Ruggell hat er eine Lehre als Schreiner angefangen. Für seinen Sport sollte er dabei aber immer noch genügend Zeit finden.

Landesmeister
und Bodenseemeister

Erfolge durfte Hämmele auch bereits einige feiern. Mit 12 Jahren kam er zu seinem Sport – eigentlich viel zu spät. «Viele fangen bereits mit sechs Jahren an. Ich musste einiges aufholen», blickt Hämmerle zurück. Trotzdem wurde er 2018 Vorarlberger Landesmeister und 2017 ­sicherte er sich den Titel des Bodenseemeisters in seiner Kategorie. Bis zuletzt war er mit einer Optimisten-Jolle unterwegs – so auch an der Junioren-Weltmeisterschaft in Antigua in der Karibik. Die Optimisten-Jolle (oft Opti genannt, siehe Bild) ist eine kleine und leichte Jolle für Kinder und Jugendliche bis etwa 15 Jahre. Das weltweit in hohen Stückzahlen verbreitete Segelboot führt nur ein Segel und dient neben Freizeitzwecken als Einstiegsklasse für den Regattasport. In Antigua mass sich Hämmerle mit 258 anderen Teilnehmern aus der ganzen Welt. Pro Nation durften maximal fünf Teilnehmer mitmischen – für Liechtenstein war einzig Hämmerle, der Mitglied im Yachtclub Liechtenstein ist, am Start. Der Ruggeller klassierte sich schliesslich auf dem 169. Rang. Zehn Tage lang dauerte die Regatta dort und pro Tag ging es je nach Wind maximal über vier Rennen zu ungefähr 40 bis 50 Minuten aufs Wasser. Betreut wurde Hämmerle von der österreichischen Nationalmannschaft um Teamleiterin Brigitte Flatscher. Sein persönlicher Trainer Timotei Rot war ebenfalls vor Ort und unterstützte den Jungen. Die Eltern waren nicht mit dabei. Sie begleiten Pablo dann und wann zu Wettkämpfen oder Trainings – in der Regel reist der Teenager aber alleine.

Trainings in Slovenien, Italien oder Malta
Dies bringt eine gewisse Selbständigkeit mit sich. Wie es bei Leistungssportlern immer der Fall ist, sind Disziplin, Verantwortung, Durchhaltewillen und Organisation bereits in jungen Jahren ebenfalls keine Fremdwörter. Trainings absolviert der Ruggeller meist weiter weg. «Am Bodensee ist es oft zu wenig windig», erklärt der 15-Jährige. Darum gings zuletzt oft nach Slowenien, an den Gardasee oder auch nach Lanzarote und Malta ins Training. Sein Trainer Timotei Rot, mit dem er seit fast zwei Jahren zusammenarbeitet, ist hier in der Regel dabei. «Letzte Saison war ich rund 120 Tage auf dem Wasser, an Wettkämpfen oder beim Training», blickt Hämmerle zurück.

Umstieg auf die 29er-Jolle
Die WM in Antigua war einer der letzten Wettkämpfe in der kleinen Optimisten-Jolle. Wegen seiner Grösse (1.72 Meter) und des Alters drängt sich nun der Umstieg auf die 29er Jolle auf. Der 29er ist ein Skiff für Erwachsene und Jugendliche. Das Boot ist ein One-Design-Boot, das heisst, alle Boote sind baugleich, vom Segel bis zum Rumpf. Hier wird nicht mehr ­alleine, sondern zu zweit gesegelt. Das ist ein anderes Kaliber wie der «Opti». Mit dem 29er kann man Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 25 Knoten erreichen. Mittelfristig möchte Hämmerle dort durchstarten und nächstes Jahr an der EM teilnehmen. Auch dafür muss er sich, wie schon für die WM in Antigua, qualifizieren. Für die Junioren-WM in der Karibik war die nationale Limite auf eine Top-Ten-Klassierung in der österreichi­schen Besten­liste gefordert. Hämmerle schaffte diesen Sprung als Achter. Angesprochen auf lang­fristige Ziele oder Träume in seinem Sport druckst der Teenager herum. Bescheiden will er keine zu hohen Ziele verraten und meint: «So weit hinaus schaue ich noch nicht».

Auf Medaillenjagd an den KSS in Malta
Auch nicht bis 2023, wenn die Kleinstaatenspiele in Malta stattfinden. Dort wird die Sportart Segeln angeboten, was nicht verwundlicher ist. Die Malteser sind stark in dieser Disziplin. «Der Starter aus Malta wurde an der WM Zweiter und holte Silber», weiss Hämmerle. Ob in vier Jahren auch ein Ruggeller beim Segeln in Malta auf Medaillenjagd geht, steht noch in den Sternen. Dort würde in der Bootsklasse Laser gesegelt. Laser ist eine technisch einfach gehaltene, aber nicht anspruchslose Einhand-Jolle. Sie ist in dieser Klasse weltweit am verbreitetsten. Im Vergleich zur Europe (die zweitbeliebteste Einhandklasse in Deutschland) sind die Trimmmöglichkeiten beschränkter (Unterliek, Baumniederholer und Cunningham), das Segeln ist aber sportlicher. Auch bei wenigen Windstärken kann das Boot schon ins Gleiten kommen. Hämmerle müsste sich für die Kleinstaatenspiele auch in dieser Bootsklasse separat vorbereiten, könnte aber natürlich von seinem Gelernten auf den anderen Klassen profitieren. Bis dahin sind es noch fast vier Jahre. So ehrgeizig, wie der 15-Jährige im Moment den Sport aber betreibt, ist ein Start des Ruggellers sicher möglich.

26. Aug 2019 / 13:55
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