• Gerhard Wohlwend in Planken
    Gerhard Wohlwend stellt nicht nur Bier, sondern auch edle Obstbrände her.  (Daniel Schwendener)

Wie das «Fülli» nach Planken kam

Er ist ein grosser Mann mit einer kleinen Brauerei und einem feinen Bier sowie edlen Obstbränden. Der «Wahl»-Plankner Gerhard Wohlwend stellt eindrücklich unter Beweis, was mit Leidenschaft und etwas Ausdauer alles möglich ist.

Kann man zuhause selber Bier brauen? Diese Frage hat sich Gerhard Wohlwend vor vielen Jahren gestellt und den Beweis erbracht:  Man kann! Und nicht nur das, man kann es sogar so erfolgreich, dass die Leute einem die «Bude» einrennen. Mit dem Erfolg des «Fülli»-Bier – übrigens benannt nach einer Plankner Sage – hat Gerhard Wohlwend wohl selbst nicht gerechnet. Doch das Bierbrauen ist sein Hobby. Und das soll es auch bleiben. Ausbauen will er seinen Ein-Mann-Betrieb auf keinen Fall – denn er will brauen, wie er Lust hat. Kommt hinzu, dass er neben dem Bierbrauen eine weitere Leidenschaft gefunden hat: Die Herstellung von Obstbränden.

«Immer wieder etwas Neues versuchen»
Der gebürtige Schellenberger  «residiert» seit 12 Jahren in Planken und hat sich mit seiner Frau ein wunderschönes Zuhause mit Blick über das gesamte Land geschaffen. Es ist heute nicht mehr auszumachen, ob dieser Ausblick seine Phantasie beflügelt und ihn dazu animiert hat, ein Hobby der besonderen Art auszuüben, oder ob es einfach seine Leidenschaft dafür ist, im Leben immer wieder etwas Neues zu versuchen. Vermutlich eine Kombination von Beidem. Sicher ist: Langeweile war nicht der Grund. Beruflich ausgelastet engagiert sich Wohlwend in seiner Freizeit sowohl in  der Hilti-Betriebsfeuerwehr wie auch bei der Feuerwehr Planken. 

Vom Anfänger zum Profi
«Durst wird durch Bier erst schön!», prangt gleich auf mehreren Schildern im Hause Wohlwend in Planken. Natürlich auch im Keller, wo er die für das Bierbrauen und die Herstellung von Obstbränden alle notwendigen Utensilien gelagert hat. Ebenfalls an der Wand prangt die Gewerbebewilligung zum Vertrieb seines «Fülli»-Bieres – natürlich registriert von der eidgenössischen Zollverwaltung. 
Angefangen hat alles mit reinger Neugierde. Dann kam ein Kurs dazu, ausserdem zahlreiche Bücher. Und schliesslich legte ein Anfänger-Bierbrau-Set den Grundstein für den heutigen Erfolg. «Ich habe es einfach mal ausprobiert und mir die nötigen Utensilien besorgt», erinnert sich Wohlwend an die Anfänge zurück. «Es war ein langwieriges Unterfangen – aber am Ende wurde es gut.» Damit meint er nicht nur das Unterfangen, sondern auch das Bier. Und wie gut es wurde. Nach und nach haben auch seine Freunde Wind davon bekommen. Und schliesslich die Freunde der Freunde. Die Nachfrage wurde gross und die Warteliste so lang, dass Gerhard Wohlwend im Jahr über 400 Liter Bier gebraut hat – und dafür stand er nahezu Tag für Tag im Keller und investierte bis zu 20 Stunden in der Woche. Es galt ja schliesslich nicht nur, Bier zu brauen. Die Mehrwegflaschen musssten gesäubert, aufgefüllt und etikettiert werden.

«Bier ist nicht gleich Bier»
In der Zwischenzeit hat sich der grösste Ansturm auf sein «Fülli»-Bier zwar gelegt, doch darüber ist Gerhard Wohlwend überhaupt nicht böse. «Ich kann endlich wieder brauen, wenn ich Zeit und Lust habe. Ich wollte nie, dass es ein Muss wird», sagt er. Natürlich gebe es auch heute noch Anfragen und Bestellungen. «Ich benötige einfach eine gewisse Vorlaufzeit. Und wenn Bier da ist, liefere ich gerne. Wenn nicht, dann eben nicht», sagt er und will sich sein Hobby nicht zum Beruf machen lassen. Schliesslich sei damit nicht nur ein zeitlicher, sondern auch ein grosser finanzieller Aufwand verbunden.
Trotzdem ist und bleibt Bier eine Leidenschaft von Wohlwend. Das er auch selber gerne trinkt. Bier sei aufgrund seiner Inhatsstoffe schliesslich gesund – und eines der saubersten «Lebensmittel» der Welt. Und so sei es kein Wunder, dass es eines der Lieblingsgetränke vieler Menschen sei. Wohlwend würde sich aber auch wünschen, dass die Kunst des Bierbrauens von eben diesen Menschen generell mehr geschätzt würde. «Bier ist nicht gleich Bier.» Es gebe so viele verschiedene Biere, die es verdient hätten, versucht zu werden. Wer einfach nur auf das Billig-Bier im Discounter zurückgreife, dem gehe es wohl weniger um das Bier als solches. «Wüssten sie zudem, wie viel Arbeit hinter dem Bierbrauen steckt, würden sie es wohl auch mehr schätzen.» Das Schöne sei, zu experimentieren. Sowohl beim Brauen selbst – als auch beim Trinken.

Vom reinen Obst zum edlen Brand
Gerhard Wohlwend schätzt Bier. Und das wird auch so bleiben. Auch, wenn er sich seit 2010 immer mehr auf die Herstellung von Obstbränden konzentriert hat. Abgesehen davon, dass es Wohlwend ein Anliegen war, dass das viele Obst, das auf Liechtensteins Bäumen wächst, verwertet wird, war es auch hier die Neugierde, die ihn getrieben hat. Und heute ist sein Keller ist voll mit feinsten Apfel-, Kirsch-, Aprikosen-, Quitten-, Zirben-, Birnen- und Erdbeerbränden. Da jetzt gerade Obstsaison ist, ist Wohlwend nahezu jedes Wochenende unterwegs, um neues Obst zu sammeln. 50 Kilogramm von einer Sorte sind nötig, um den gewünschten «Ertrag» zu erzielen. Anschliessend müssen die Früchte kontrolliert, verlesen und gewaschen werden, um sie dann zu zerkleinern und mit Hefe anzugären. Die Fässer werden schliesslich zur Brennerei Zogg in Grabs gebracht, wo die Schnäpse gebrannt werden. All das wäre nicht machbar ohne die Hilfe von seiner Frau wie auch von guten Freunden und Kollegen, die manches mal Hand mit anlegen und helfen, die aufwändige Arbeit zu erledigen. 

Wie die Sage überhaupt bekannt wurde
Rund um das Bier und seine Obstbrände hat der grösste Braumeister der kleinsten Brauerei in der kleinsten Gemeinde des Landes übrigens einige spannende Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel, als er sich einmal an Bierbrand versucht hat. Nicht weil er wollte, sondern weil ein «Malheur» in dazu gezwungen hat. Oder aber, wie er aus Vogelbeeren Schnaps gebrannt hat. Der Aufwand dafür war derart gross, dass Wohlwend die Flasche, die «unbezahlbar» ist, so gut versteckt hat, dass er sie selber nicht mehr findet.
Übrigens munkelt man in Planken auch, dass die Sage vom «Plankner Fülli» erst richtig bekannt wurde, als ein Schellenberger nach Planken zog und sein Bier braute, dass er eben nach dieser Sage benannte. Und wer die Sage – oder das Bier und die Obstbrände – noch immer nicht kennt, der stattet Wohlwend am besten selbst einen Besuch ab. Zum Beispiel auf dem jährlich in Planken stattfindenden Markt. Dabei kann man dann auch selber feststellen: «Fülli» ist nicht nur Bier – «Fülli» ist eine Marke. (dv)
 

12. Sep 2018 / 18:29
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