• Walchs Harfen-Tag, kurz WalHaTa, ist ein Genuss für Seele und Gehör.  (zvg)

Eine kleine Tiroler Harfe, die bewegt

Es war ein Geschenk, das für Ernst Walch kaum überraschender hätte sein können. Ebenso wie ein Geschenk, das ihn seit nunmehr 37 Jahren durchs Leben begleitet: die Sapl-Harfe seiner Grosstante. Sie war der Anfang einer berührenden Geschichte.
Glücksmomente. 

«Ich kann mich noch gut erinnern», sagt Ernst Walch. Onkel Viktor – oder Pater Paul, wie er von seinem Franziskanerorden genannt wurde – kam aus dem Tirol nach Planken auf Besuch. «Ich habe ihn gebeten, meine älteste Tochter Katharina zu taufen.» Pater Paul sei ein stattlicher Mann gewesen, noch gut könne er sich an das Bild erinnern, wie sein grosser Onkel in dem kleinen Cinquecento sass. Damals, es war im Jahr 1982, kam der Pater aber nicht mit seinem Fiat angereist – sondern mit dem Zug. «Mein Vater holte ihn am Bahnhof in Feldkirch ab.» Irgendwie sei es ihm schon komisch vorgekommen. «Noch komischer war, als er nach Hause kam, an mir wortlos vorbeisteuerte, in der Stube die Harfe von «Tant’ Kathi» auspackte und zwei-, dreimal an ihr zupfte.» Dann habe er gesagt: «Gschpült hani, taufen tuamer, glogen hani ned – griass di, Ernschtl.» Ernst Walch hat die Welt nicht mehr verstanden. Später habe sein Onkel ihm erzählt, dass die Harfe ab sofort ihm gehöre. Vermacht von seiner Grosstante Kathi Thaler. Sie hatte keine Kinder und testamentarisch festgehalten, dass diese wertvolle Sapl-Harfe, erbaut im Jahre 1893, nach ihrem Ableben Ernst Walch gehören soll. Mit der Anmerkung im Testament: Sie sei überzeugt, dass er diese Familientradition am besten weiterführe.
Warum sich der Pater beim Ankommen so komisch verhalten hatte, hat Ernst Walch dann auch noch erfahren: An der Grenze habe der Zöllner gefragt, wohin die beiden Männer wollten und ob sie etwas mitführten. Im Don-Camillo-Stil sagte der Pater dann ganz heilig: «Taufen gemmer und a bissel Harfe spieln.» Um nicht gelogen zu haben, zupfte er dann auch, kaum in Planken angekommen, an zwei, drei Saiten.

Harfenszene in Liechtenstein aufgebaut
So also kam die erste Harfe nach Liechtenstein. Und somit war Ernst Walch hierzulande der erste Harfenbesitzer. Er hatte in Kathis Testament die Auflage erhalten, die Harfe auch zu spielen. Allerdings gab es zu jener Zeit weder in Liechtenstein noch in der Region das Angebot von Harfenunterricht. Erst 1984 lehrte erstmals Annelies Brandstätter am Konservatorium in Feldkirch das Harfenspiel. «Ich nahm Privatunterricht – und war fasziniert von diesem unglaublich schönen Klang», erzählt Ernst Walch.
Nach und nach lernte er nicht nur Harfe zu spielen, Ernst Walch lebte sich auch immer mehr in der internationalen Harfenszene ein und baute in Liechtenstein eine auf. Schliesslich wurde er in den weltweiten Harfenkongress, eine amerikanische gemeinnützige Gesellschaft, berufen, in der er heute noch wirkt.

WalHaTa in Planken
Vor genau 25 Jahren hatte Ernst Walch eine Idee: Einmal jährlich Harfenspieler aus der ganzen Welt zu sich nach Planken einzuladen, sich gemütlich auszutauschen, gemeinsam zu essen und natürlich zusammen Harfe zu spielen. Dieser Anlass, beziehungsweise der Tag sollte auch einen Namen tragen: WalHaTa. Will heissen: Walchs Harfen-Tag. So treffen sich jährlich rund 100 Harfenspieler aus Liechtenstein, der Region, Zürich, München, Texas und von überall her in Planken zum WalHaTa. Am 1. September ist es wieder so weit mit dem grossen Harfenspieler-Treffen im kleinen Planken.

Unvergesslich berührende Momente
Einen Wermutstropfen hat die eigentlich bezaubernde Geschichte: Während die Harfenszene blüht und wächst, liegt die Sapl-Harfe von Ernst Walchs Grosstante in Schutt und Asche. Ein Blitzeinschlag setzte vor zwei Jahren sein Haus in Planken in Flammen. Ernst Walch raffte sich dennoch auf, nur fünf Tage nach dem Unglück nach Hongkong an den Weltharfenkongress zu reisen. Mit doppelt schwerem Herzen: Zum einen trauerte er seiner wertvollen Harfe nach, zum anderen belastete ihn der Tod einer jungen Harfenistin, die mit 30 Jahren an Brustkrebs starb. Ernst Walch pflegte eine besondere Beziehung zu ihr – zum einen war sie im genau gleichen Alter wie seine dritte Tochter Johanna. Zum anderen teilten Ashley und seine Tochter mit der Diagnose dasselbe Schicksal. Nur, dass seine Tochter den Kampf gegen den aggressiven Krebs gewann.
Zum Gedenken an Ashley trat an diesem Weltharfenkongress ihre Professorin mit ihrem Ensemble auf. Ernst Walch hielt dies mit einer Filmaufnahme fest und schickte diese Ashleys Mutter. Mit dem zusätzlichen Bemerken, dass nun nach Ashley auch seine geliebte Sapl-Harfe nach einem Hausbrand im Harfenhimmel sei. Kaum geschickt, kontaktierte ihn diese sogleich. Nicht nur, um sich für die rührende Aufnahme zu bedanken. «Jetzt weiss ich, was mit Ashleys Harfe passiert», habe sie gesagt.
Heute steht sie bei Ernst Walch zu Hause. «Damit Ashleys Geist immer bei dir ist», so die Worte der Mutter der verstorbenen Harfenistin. Nie hätte sich Ernst Walch einst vorstellen können, was diese kleine Tiroler Harfe alles bewegen kann. Und dass eine Harfe nicht nur klingen, sondern unvergesslich berührende Momente bescheren kann. (bfs)

08. Jun 2019 / 06:00
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