• Der Liechtenstein-Weg in Planken beinhaltet neben Triesenberg eine der wenigen Bergetappen.  (Mirjam Kaiser)

Ein Weg, der durch das ganze Dorf führt

Vor Kurzem wurde der landesweite «Liechtenstein-Weg» eröffnet. Im Rahmen der #näherdran-Reihe werden hier die Stationen in Planken skizziert.

Auf dem 75 Kilometer langen Liechtenstein-Weg, der anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums realisiert wird und durch alle Gemeinden führt, können 147 sogenannte Erlebnisstationen erkundet werden. «Wir haben Orte gesucht, an denen man etwas sieht und wir etwas über die Geschichte erzählen können», erzählt Martin Knöpfel von Liechtenstein Marketing. «In einem ersten Text wird der Bezug zum Ort hergestellt. In einem zweiten und dritten Text geht es um weiterführende Informationen», ergänzt Historikerin Martina Sochin D’Elia vom Liechtenstein-Institut, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Fabian Frommelt die historischen Informationen zu den einzelnen Stationen erarbeitet hat. Pro Station können auf der App «LIstory» (Liechtenstein History) bis zu drei kurze Texte abgerufen werden. Am Ende des Textes werden jeweils weitere Informationsquellen verlinkt, wie beispielsweise das Historische Lexikon des Fürstentums Liechtenstein, in denen es die Möglichkeit zur Vertiefung gibt. Interessante Punkte können auf der App markiert und zu Hause nachgelesen werden. Der Weg ist sowohl für Einheimische als auch für Touristen gedacht. 

Vom Schwabenkrieg und dem Sarojasattel

«Der Liechtenstein-Weg geht in Planken im Gegensatz zu einigen anderen Gemeinden wirklich durch das ganze Dorf hindurch», sagt Martina Sochin D’Elia. Der Weg führt von Schaan her durch den Wald hinauf nach Planken und beginnt am Ortseingang des beschaulichen Bergdorfes mit der ersten Station zum Schwabenkrieg von 1499. Warum sich diese Station gerade in Planken befinde, obwohl es doch die Schlacht bei Triesen gab, werde oft gefragt. «Wir haben uns auf Planken geeinigt, weil es von dort aus eine gute Sicht auf den Sarojasattel gibt und dieser eine militärische Bedeutung hatte», so Sochin D’Elia. Die Freiherren von Brandis standen im Schwabenkrieg auf habsburgisch-schwäbischer Seite. Eidgenössische Truppen versuchten über den Sarojasattel den in Frastanz positionierten schwäbischen Truppen in die Flanke zu fallen. Gemäss der Sage vom Schaaner Uli Mariss habe dieser den eidgenössischen Truppen den Weg über den Sarojasattel gezeigt. Als Uli Mariss seinen Lohn abholen wollte, sei er anstatt entschädigt für seinen Verrat geköpft worden.

Altes Handwerk und Streben nach einer eigenen Pfarrei

Nach dieser doch tragischen Geschichte führt der Weg auf der Hauptstrasse weiter durchs Dorf, wo sich drei Stationen in nächster Nähe befinden: Das Rechenmacherhaus, die Kapelle St. Josef und das Gemeindehaus. Beim Rechenmacherhaus, das aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt und als eines der ältesten Häuser des Landes gilt, dreht sich alles um frühere handwerkliche Arbeiten, die im Laufe der Zeit verloren gingen und auf Video wieder zu Leben erweckt werden. Unter anderem sieht man auch, wie in der Rechenmacher-Werkstätte Holzrechen für den landwirtschaftlichen Gebrauch hergestellt wurden. «Auch heute nicht mehr bekannte Berufe wie Lumpensammler oder Wurzelgraber werden thematisiert», verrät Martina Sochin D’Elia. Die Station bei der Kapelle St. Josef greift die Bestrebungen um eine eigene Pfarrei auf. «Die Plankner Bevölkerung hätte schon im 18. Jahrhundert gerne eine eigene Pfarrei gehabt, die sie jedoch bis heute nicht erhielten», erklärt Sochin D’Elia. Beim Gemeindehaus geht es um die direkte Demokratie und die Tatsache, dass Liechtenstein zu den Staaten mit den   umfassendsten direktdemokratischen Rechten weltweit gehört. 

Die fünfte und letzte Station in Planken befindet sich bei der Saroja-Wiese. Dort wird die Erhebung der beiden Herrschaften zum Reichsfürstentum Liechtenstein 1719 thematisiert und die unmittelbare Zeit danach. Nach der Gründung des Fürstentums Liechtenstein hatte Fürst Anton Florian mit einer Dienstinstruktion Reformen angeordnet. Die Landschaften Vaduz und Schellenberg mit ihren Landamännern und Gerichten wurden aufgelöst und die Rechtssprechung und Verwaltung wurde beim Oberamt in Vaduz zentralisiert. «Durch diese Reformen fühlte sich die Bevölkerung in ihren Rechten beschnitten», so die Historikerin. Nach dieser kurzen Geschichtslektion führt der Weg weiter über den steilen Wanderweg hinunter nach Nendeln. 

Rund 500 Richtungsweiser auf elf Routen
Bereits Anfang Jahr wurden die rund 500 Richtungsweiser auf den elf Streckenabschnitten angebracht. Informationstafeln wird es auf dem ganzen Weg keine geben. «Eine App ist das ideale Medium, um das Thema Geschichte unterwegs auf dem Liechtenstein-Weg spannend zu vermitteln. Wir nutzen dabei gezielt Sensoren, GPS, Kamera und Audio-Funktionen», erklärt Knöpfel. Die App habe den Vorteil, dass man sich die Texte nicht nur anhören kann, sondern dass die Stationen auch laufend aktualisiert werden können. Viele Anknüpfungspunkte würden bis in die Gegenwart reichen, wodurch sich die Informationen verändern könnten. «Der Weg soll etwas sein, das es auch in fünf und mehr Jahren noch gibt.» Wenn jemand kein Smartphone hat, kann die App im Liechtenstein Center in Vaduz getestet werden. Und es sollen auch Führungen auf dem Weg angeboten werden. 

Die App LIstory kann im App Store oder im Google Play Store kostenlos heruntergeladen werden. Eine Panorama-Karte über den gesamten «Liechtenstein-Weg» ist beim Liechtenstein-Center erhältlich. (mk)

04. Jun 2019 / 17:38
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