• Marion Leal, Balzers
    Eine waschechte Balznerin, die weiss, wie wichtig eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Leben ist: Marion Leal.  (Tatjana Schnalzger)

Orientierung und Perspektiven geben

Für Marion Leal, Leiterin der Krebshilfe Liechtenstein, ist Humor ein Arbeitsmittel. Und: Sie bringt die Dinge gerne auf den Punkt.

Zurzeit erledigen die 50-Jäh­rige und ihr Mann Pedro Einkäufe für ein pensioniertes Ehepaar. «Ja, die Nachbarschaftshilfe funktioniert bei uns in Balzers noch. Wir haben sehr guten und herzlichen Kontakt zu einigen Nachbarn, den wir sehr schätzen. Ohne grosses Wenn und Aber kann man gegenseitig aufeinander zählen.» Das Aufwachsen in der südlichsten Gemeinde Liechtensteins hat Marion Leal, geborene Frick, im positiven Sinn geprägt, die Erinnerungen daran erfüllen sie mit Freude und Dankbarkeit. «Im Herzen bin ich tief mit Balzers verwurzelt, durfte hier eine wilde, erlebnisreiche und wundervolle Jugendzeit verbringen – sei es im Elternhaus, in der Schule, im Freundeskreis oder in den Vereinen. Diesbezüglich bietet Balzers auch heute noch sehr viele Möglichkeiten.»

Direkte Art und gesunder Menschenverstand

Gerne auch sportlich unterwegs – viele Jahre war sie aktives Mitglied beim Balzner Turnverein –, schätzt sie die Nähe zur Natur. «Die Balzner Alpmäh, Anell, Hettabörgle, Hölzle und natürlich die Burg Gutenberg sind meine Lieblingsorte.» Auch den «ältesten Balzner», den Föhn, möchte sie als «richtiges Pföhkind» nicht missen. Mit einer guten Portion Humor und gesundem Menschenverstand ausgestattet, sind Zufriedenheit und Dankbarkeit Lebenskomponenten, die sie begleiten. «Mit meiner direkten Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen, kann nicht jeder umgehen – und manchmal bin ich wohl etwas zu entschleunigt unterwegs», lacht sie. Auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, ist nicht ihr Ding. Schon oft gab es Anfragen hinsichtlich einer politischen Tätigkeit in der Gemeinde. «Da muss ich enttäuschen: Mit der Krebshilfe habe ich eine herausfordernde und erfüllende Aufgabe inne, bilde mich in diesem Bereich ständig weiter. Dankbar, einen so erfüllenden Beruf ausüben zu dürfen, sehe ich keine Möglichkeit, mich auch noch politisch zu engagieren.» Die Balznerin achtet auch auf gute Selbstfürsorge. «Ich schätze mein Privatleben sehr und geniesse dort meine Spontanität und Freiheit.»

Fundiert ausgebildet für Krebskranke tätig

Im Jahr 2005 nahm Marion Leal ihre Tätigkeit bei der Krebshilfe Liechtenstein auf. Eine kaufmännische Grundausbildung, Weiterbildungen im Bereich Projektmanagement, zur Personalassistentin, Systemischen Beraterin, Notfallpsychologin, Körper- und Atemtherapeutin und ein Psychoonkologie-Studium gingen voraus. Derzeit ist der Master in Psychoonkologie in Arbeit. Bei ihrem Einsatz für die Krebspatienten und ihre Angehörigen ist die Work-Life-Balance unabdingbar. Ihre starke Persönlichkeit beruht auf «positiver Grundkonstellation, überwundenen Lebenshürden und persönlicher Entwicklung, bei der es Hinschauen auf das Ich und Bereitschaft zur Veränderung braucht. In der Begleitung von Krebskranken sind Pragmatismus und Einfühlsamkeit gleichsam gefragt. Eine Kombination, die einiges abverlangt. «Ich sehe es als grosse Herausforderung, aber auch als besondere Aufgabe, diese Menschen mit ihrer eigenen Geschichte und ihren eigenen Möglichkeiten zu erkennen, zu achten, ihnen Zeit und Raum zu geben und sie ein Stück zu begleiten. Ich versuche, ihnen Halt, Orientierung, Hoffnung und Perspektiven für einen Lebensweg zu geben», so die Psychoonkologin. «Natürlich berühren solche Situationen, keine Frage», sagt sie. «Gleichzeitig erfüllt mich aber auch die Dankbarkeit, welche mir die Patienten in diesen Momenten schenken.» Auch sie sei dankbar, den Weg mit ihren Patienten begleitend gehen zu dürfen.

Die Krebshilfe gibt es bereits seit 32 Jahren. Als Marion Leal im Alter von 35 Jahren dort einstieg, war diese kaum bekannt. «Die Aufbau- und Vernetzungsarbeit war interessant und spannend.» Heute zählt die Krebshilfe über 500 Patienten, wöchentlich kommen Neuer­kran­kun­gen hinzu. In dieser Zeit hat die Balznerin all die Entwicklungen in den verschiedenen Bereichen der Forschung (Grundlagen, Klinischen, Psychosozialen und Epidemiologischen) miterlebt. Vieles habe sich in Sachen Therapien und Möglichkeiten verbessert. Die häufigsten Krebsarten in der Schweiz sind (hierzu zählen auch die Betroffenen aus Liechtenstein) Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs und Dickdarmkrebs. Jährlich erkranken in der Schweiz ca. 41 700 Menschen an Krebs, 16 900 davon sterben. Die Überlebensrate  fünf Jahre nach Diagnose liegt bei 64 Prozent. Ein besonderes Augenmerk gilt der Unterstützung von patientennaher Forschung, d. h., dass deren Resultate den Patientinnen und Patienten möglichst direkten Nutzen bringen. Oft werfen die gefundenen Antworten neue Fragen auf. «Je mehr das Wissen um Krebs wächst, desto komplexer wird das Bild, das wir uns davon machen müssen. Inzwischen umfasst der Sammelbegriff mehr als 200 unterschiedliche Erkrankungen. Bei vielen hat die Medizin wichtige Fortschritte errungen. Das ist auch das Ziel, das alle Forschungsprojekte vereint», weiss die Leiterin der Krebshilfe.

Ökonomisierung nicht überall notwendig

Zurück zu Balzers. Welche Verbesserungsanstösse hat sie in petto? «Die Vielfältigkeit bei den Gastronomiebetrieben fehlt und die Belebung der Burg Gutenberg sollte endlich umgesetzt werden. Viele kleine Läden fielen dem Wandel der Zeit zum Opfer, mussten aufgeben oder haben mit der Existenz zu kämpfen. Gerade jetzt erleben wir, wie wertvoll kleine Lebensmittelläden, Hofläden, Getränkeläden, Elektrowarenläden etc. sind oder eben wären. Die stete Entwicklung hin zur Abhängigkeit von Grosskonzernen in vielen Lebensbereichen stelle ich in Frage. Nicht überall ist eine Ökonomisierung notwendig. Wir sollten vermehrt versuchen, gesunden Menschenverstand, Einfachheit und Wertschätzung in unseren Alltag zu integrieren und bedenken, dass es nicht nur im Grossen, sondern auch im Kleinen funktionieren soll.» (ge)

01. Mai 2020 / 19:40
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