• SOL Haus des Pferdes, Mauren
    Die Bereiterin Julia Thut (l.) und Esther Gonzenbach (r.) bringen den Pferden auch Zirkuslektionen bei.  (Tatjana Schnalzger)

Neues Leben kehrt in die Stallungen ein

Seit diesem August wird die Reitanlage in der Sportfeldstrasse in Mauren wieder von Pferd und Reiter belebt.

Die ehemalige Rhetaca in Mauren ist definitiv Geschichte. Nicht nur, dass der Besitzer wechselte und sie einen neuen Namen (SOL Haus des Pferdes) trägt, auch bezüglich der Philosophie in der Pferdehaltung und Reiterei weht ein neuer Wind in den Mauern der Reitanlage. Das Gebäude in Mauren gehört der SOL Reitsportanstalt mit rechtlichem Sitz in Vaduz, die am 7. Juni 2018 ins Handelsregister eingetragen wurde. Zeichnungsberechtigte sind Norbert Seeger und Esther Gonzenbach. 

Von der ehemaligen Rhetaca bleibt nur noch die Hülle. Der Umbau ist noch in vollem Gange, doch durften die ersten Pferde bereits im August in ihre grosszügigen Auslaufboxen ziehen. Die Wände, der Boden, Mistkanal, Wasserleitungen und jegliche Installationen sind neu. Die offenen Boxen und das helle Holz bringen Licht in den Stalltrakt mit den zehn Auslaufboxen und den fünf Innenboxen, zu denen zusätzlich ein Allwetterpaddock gehört. Ein zweiter, etwas kleinerer Stalltrakt mit sechs Boxen befindet sich noch in der Bauphase. Auch die Wohnungen, die zur Liegenschaft gehören, wurden renoviert. Die Halle wie auch das Büro und das ehemalige Restaurant werden in einer späteren Bauphase erneuert. 

Soziale Kontakte pflegen und Auslauf geniessen
Esther Gonzenbach leitet die Reitanlage und legt Wert darauf, dass die Pferde die Möglichkeit haben, hinauszugehen und ihre sozialen Kontakte zu pflegen. Auch setzt sie auf ein stabiles Umfeld der Tiere. «Die Auslaufboxen werden von Pferden belegt, die langfristig bleiben. Die Hengste mögen keine ständigen Wechsel», erläutert die zierliche Reiterin. Die SOL spezialisiert sich deshalb auf die Haltung von Hengsten und Wallachen. Zwei ihrer Hengste sind gekört und für die Zucht zugelassen. «Es ist einfach ruhiger. Sobald bei den Stuten die Rosse eintritt, werden die Hengste nervös», erläutert Esther Gonzenbach. Lange genug war sie selbst Pensionärin und hat schon einiges mitgemacht. «Es wird einfach keine Rücksicht genommen und die Besitzer liessen die rossige Stute vor dem Hengst stehen. Das provoziert ihn natürlich.» 

Eine Stärke liegt in der Freiheitsdressur
Da sie früher oft nach Spanien und Portugal reiste, um zu reiten, hat sie an den dortigen Pferderassen PRE (Pura Raza Española) und Lusitano (Portugal) einen Narren gefressen. Da diese Rassen einen kompakten Körperbau aufweisen, sind sie besonders für die klassische Reitkunst wie Lektionen der Hohen Schule geeignet. Nebst Reiten liegen die Stärken von Esther Gonzenbach in der Freiheitsdressur sowie der Arbeit an der Hand. «Die Tiere werden vielseitig beschäftigt. Beim Reiten werden sie gelöst und locker gearbeitet. Zusätzlich bringen wir ihnen Zirzensik (Kunststücke) bei, gehen mit ihnen ins Gelände, arbeiten sie an der Hand oder in der Freiheitsdressur. Es gibt so viele Möglichkeiten. Jedes Pferd wird nach seinem Talent gefördert», erzählt die Pferdeliebhaberin über ihre Ansicht der Arbeit mit den Vierbeinern. Wenn sie sich mit ihnen beschäftigt, widmet sie ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit. «Die Pferde sind so fein, sie spüren jede Ablenkung wie auch unsere Energie und wie wir atmen – dementsprechend reagieren sie», erläutert Esther Gonzenbach. «Man muss sich selbst im Griff haben, ihnen kann man nichts vormachen. Ich verlange ihre volle Aufmerksamkeit, also werden sie diese auch von mir bekommen. Es ist ein unglaubliches Fühlen.» Unterstützt wird sie fünf Mal in der Woche von der freiberuflichen Bereiterin Julia Thut. Die Reitweise der beiden Frauen nennt sich Doma Classica, die aus der klassischen Reitkunst und der spanischen Gebrauchsreiterei Doma Vaquera entspringt. Diese basiert auf einer feinen Einwirkung des Reiters, hauptsächlich durch Gewichtsverlagerungen. Zusätzlich bieten sie Trainings in der Disziplin Working Equitation an, in der ein Trail mit Toren, Brü­cken, Slalom und weiteren Hindernissen absolviert wird. Julia Thut ist sogar Mitglied des Schweizer Kaders. Der Parcour in Mauren befindet sich noch im Aufbau. Diese Disziplin eignet sich für jede Pferderasse.  

Qualitativ hochwertiges Futter für die Tiere
Ein eigener Stall war stets ein Traum von Esther Gonzenbach. Denn sie sagt von sich selbst, dass sie hohe Ansprüche an die Haltung der Tiere habe. So verfüttert sie ihren Pferden ausschliesslich biologische Futtermittel und gibt ihnen Kräuter als Zusatz, die sie benö­ti­gen, und versucht, Krank­heiten und Unwohlsein anhand von Mitteln auf natürlicher Basis zu behandeln. Dass die Rhetaca von Herbert Batliner und sei­ner Frau Rita zum Verkauf stand, wusste sie. Trotzdem zögerte sie, da die Anlage ihr eine Nummer zu gross erschien. «Bis dann Norbert Seeger, mein Lebenspartner, zu mir gesagt hat, dass wir sie uns wenigstens mal anschauen sollen», berichtet sie. «Die Anlage war bereits etwas heruntergekommen. Daher war uns bewusst, dass wir investieren müssen.» Und so starteten am 15. Januar 2019 die Umbauarbeiten. 
Derzeit packen alle mit an. Das ehemalige Restaurant ist nun das Nähatelier für die Vorhänge, die von Esther Gonzenbachs Schwester für die Wohnungen angepasst werden. Später soll dort ein Reiterstübli entstehen. Ihr pensionierter Schwager packt handwerklich mit an. Eine Pferdepflegerin ist zu 100 Prozent angestellt, und ab und zu hilft ein Rentner auf Stundenbasis aus. Später, wenn alles einmal fertig ist, werden es wahrscheinlich noch mehr Mitarbeiter. 

Einen familiären Charakter beibehalten
Esther Gonzenbach möchte in der SOL eine Gemeinschaft bilden, die ihre Liebe zu den spanischen wie portugiesischen Pferden teilt. So möchte sie auch Pferdebesitzer unterstützen, die Schwierigkeiten mit ihrem Tier haben oder Hilfe in der Ausbildung benötigen. Darauf setzt sie ihren Schwerpunkt. «Die Pensionäre werden den geringeren Anteil ausmachen. Sie müssen nicht unbedingt ein spanisches oder portugiesisches Pferd besitzen, sondern einfach hierher pas­sen. Es soll ein Miteinander sein.» Den derzeitigen familiären Charakter der Anlage möchte sie behalten. «Weniger ist mehr», meint Esther Gonzenbach.
Zudem betont die Reiterin, dass ein Beritt nicht nur zwei Wochen dauere, sondern sich über einige Monate hinziehen könne. «Wir nehmen uns für ein Tier jeweils die Zeit, die es braucht. Ein Pferd, das ge­stresst ist, kann nicht lernen.» Ebenfalls einen kleinen Teil werden die Verkaufspferde aus Spanien oder Portugal aus­machen – ohne gross einen Handel zu betreiben. Esther Gonzenbach fügt ihren Schilderungen hinzu: «Die noch anstehenden Pläne sind nicht fix in Stein gemeisselt, sondern entwickeln sich je nach dem auch anders.» (ms)

15. Nov 2019 / 18:16
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