• Matt Electronic, Mauren
    Andrea Matt und Mutter Roswitha haben mit Matt Electronic noch viel vor.  (Tatjana Schnalzger)

Ein Betrieb im Zeichen der «Matt»-Scheibe

Hinter dem TV-Fachhändler Matt Electronic liegen fast 50 bewegte, nicht immer einfache Jahre Firmengeschichte. Mittlerweile blicken Andrea Matt und ihre Mutter Roswitha, die den Betrieb seit 2015 gemeinsam führen, aber zuversichtlich nach vorn.
Mauren. 

Geht es um den heimischen Fernsehgenuss, darf Matt Electronic getrost als kleine Institution bezeichnet werden. Seit annähernd fünf Jahrzehnten sorgt der Maurer Familienbetrieb durch fachkundige Verkaufsberatung einerseits dafür, dass Kunde und passendes TV-Gerät zuverlässig zusammenfinden und bewirkt durch kompetenten Service andererseits, dass deren Beziehung in aller Regel auch einige Jahre hält.

Schwarz-weiss und ohne Fernbedienung
Das Sprichwort, nach welchem aller Anfang schwer ist, mag zumindest im Fall des Traditionsunternehmens nicht so recht verfangen. Um die breite Akzeptanz in der Bevölkerung mussten die Brüder Fredi und Bruno Matt nach vollzogener Firmengründung Mitte der 1970er-Jahre jedenfalls nicht all zu lange ringen. «Die beiden waren im ganzen Land bekannt und die Geschäfte liefen gut. Zu jener Zeit gab es in der Umgebung natürlich auch nicht so viele Fachgeschäfte», weiss Fredis Tochter Andrea, die seit dessen Tod 2015 für die Firma verantwortlich zeichnet und dabei von Mutter Roswitha unterstützt wird. Noch heute, fährt sie fort, erzählten ihr Kunden voller Stolz, wie ihr Vater ihnen den ersten Fernseher, selbstredend noch mit Schwarz-Weiss-Technologie und ohne Fernbedienung, nach Hause geliefert habe. «Und deren Nachbarn berichten mir wiederum, wie sie sich in den Garten unserer Kunden geschlichen haben, um durch das Fenster Weltereignisse wie die Fussball-WM mitverfolgen zu können.» Auch die getrennten Wege, welche die Brüder nach einigen Jahren einschlugen - Bruno kümmerte sich fortan um die gemeinsam aufgebaute Gemeinschafts-Kabelanlage - , hatten keine negativen Effekte auf das Geschäft an der Peter-Kaiser-Strasse. Auf der Suche nach einemTV-Gerät war Matt Electronic für viele eine der ersten Anlaufstellen. Rauer wurde der Wind erst mit dem Aufkommen der Flachbildschirme. Wie viele andere Fachhändler erlebte auch Matt Electronic Ende der 1990er signifikante Umsatzeinbrüche. In Folge eines sich verändernden Konsumverhaltens seien die Preise immer weiter gefallen, erzählt Andrea Matt. «Die Technik entwickelte sich rasant und Kunden wollten kein Gerät mehr, das 15 Jahre lang hält, sondern lieber alle paar Jahre ein neues.» Und billigeres.

Ein Test von kurzer Dauer
Zu Beginn versuchte das Unternehmen noch, auf der Welle mitzureiten und preiswerte Alternativen ins Angebot zu integrieren. Allerdings sei dies nicht mehr als eine kurze Episode gewesen, sagt Matt. «Wir haben schnell gemerkt, dass von uns eine andere Qualität erwartet wird und wir einen Imageschaden davontragen, wenn die Geräte kurz nach nach Ablauf der Garantie einen Defekt aufweisen – auch wenn der Kunde für das Produkt wesentlich weniger bezahlt hat.» Was folgte, war die konsequente Rückbesinnung auf das, womit man jahrelang so gut gefahren war. Das, was die Identität von Matt Electronic bis anhin ausgemacht hatte: Der Verkauf langlebiger Qualitätsmarken und die gewissenhafte Betreuung der Kunden auch nach Verlassen des Verkaufslokals.

Sich als privatwirtschaftlich agierender Betrieb bewusst gegen den Zeitgeist zu entscheiden, erfordert Mut. Erst recht, wenn dieser von den mächtigen Herstellern zusätzlich befeuert wird. Gerade im Technikbereich, erzählt Matt, sei das sehr ausgeprägt. «Wenn die Produzenten jedes Jahr aufs Neue ein Gerät mit angeblich bahnbrechenden Fortschritten herausbringen, wird auch ein entsprechendes Kaufverhalten gefördert.» Dies im Verbund mit der Etablierung grosser Elektrofachmärkte und dem Siegeszug des Online-Shoppings hat dem Fachhandel fortwährend zugesetzt. Zahlreiche Betriebe, auch solche in Liechtenstein, mussten sich dem ökonomischen Druck beugen und ihre Türen schliessen. Die Stimmung unter den Branchenvertretern sei immer weiter gesunken, so Matt.

Mittlerweile jedoch hat sie, durchaus überraschend, einen atmosphärischen Umschwung festgestellt: «Seit diesem Jahr ist die Bedrücktheit wie weggeblasen.» Es gehe zwar nicht allen Händlern besser, der vorherrschende Geist an Trendmessen sei nun aber ein ganz anderer. Bei Matt Electronic wurde die Stimmungsaufhellung durchaus auch von einer positiven Geschäftsentwicklung begleitet. Ein Umstand, der sicher auch auf die Schliessung anderer Fachgeschäfte zurückzuführen sei, wie Matt glaubt. «Viele Einwohner Liechtensteins, vor allem ältere Generationen, haben ihren Händler des Vertrauens verloren und sind nun auf der Suche nach einer neuen Hilfe.»

«Wir wollen mehr Präsenz zeigen»
Die zuversichtlichere Haltung der Branche und eigene positive Erfahrungen haben Andrea Matt und Mutter Roswitha spürbar Rückenwind verliehen. «Wir wollen mehr Präsenz zeigen, darauf aufmerksam machen, dass es in Liechtenstein noch Fachhändler gibt», sagt die 33-Jährige bestimmt. So wie zuletzt an der Lihga, als die beiden in der Halle der Gastgemeinde Mauren «fleissig Flyer verteilt und zahlreiche interessante Gespräche geführt» haben. Erste Effekte, berichtet Matt, seien bereits wahrnehmbar. Die Kundenkartei wächst.

Freilich ohne, dass jene, die dem Geschäft seit vielen Jahren die Stange halten und seinen Besitzern so durch schwierige Zeiten halfen, dabei in Vergessenheit geraten würden. «Gerade in Mauren, aber auch in anderen Gemeinden, gibt es sehr treue Seelen, die ein Geschäft wie unseres sehr zu schätzen wissen», sagt Andrea Matt. Treue Seelen, von denen Fredi Matt einst so einige mit ihrem allerersten TV-Gerät beglückte. Und ein bisschen auch deren Nachbarn. (bo)

 
25. Okt 2018 / 12:13
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