• 20191114 näherdran Mauren-Schaanwald: Bild von der Therapeutischen Wohngemeinschaft im Guler
    In der therapeutischen Wohngemeinschaft stehen zehn Einzelzimmer zur Verfügung.  (Nils Vollmar)

Den Leidensdruck nehmen

Die therapeutische Wohngemeinschaft im Guler ist seit 30 Jahren eine wertvolle Anlaufstelle für Personen in Notlagen.

Seit 30 Jahren betreut und behandelt der Verein für Betreutes Wohnen Menschen mit psychischen Erkrankungen und in Notlagen. Mittlerweile unterstützt der Verein über 400 Personen aus Liechtenstein und beschäftigt rund 60 Mitarbeitende. Zum Angebot der ersten Stunde gehört die Therapeutische Wohngemeinschaft (TWG). 

Zehn Einzelzimmer stehen im Guler in Mauren für Personen ab 18 Jahren bereit, die psychisch erkrankt sind, Verhaltensauffälligkeiten zeigen oder mit Problemen innerhalb der Familie oder des Arbeitsplatzes überfordert sind – sich also in Lebenskrisen befinden. Diese Menschen sind oft von einem schweren Leidensdruck betroffen und benötigen psychologisch geleitete und milieuangepasste Hilfe. Ziel der TWG ist es, diesen Menschen ausser-halb einer psychiatrischen oder sozialpädagogischen Einrichtung ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Im Mittelpunkt steht in der Wohngemeinschaft dabei die therapeutische Behandlung des ganzen Menschen in seinen körperlichen, geistigen und seelischen Dimensionen. Der Aufenthalt der Klienten ist jeweils von unterschiedlicher Dauer, wie Christine Thöny, Leiterin des sozialtherapeutischen Diensts, erklärt: «Er kann von wenigen Wochen bis zu Monaten andauern, in manchen Fälle aber auch zwei oder drei Jahre dauern.» Allerdings, betont Thöny weiter, sei die TWG kein Dauerwohnheim. «Unser Gedanke ist, die Rehabilitation und den Weg zurück in den Alltag und ins Berufsleben zu ermöglichen», erklärt sie. 

«Die Menschen müssen therapiemotiviert sein»
Die Nachfrage ist gross. «Tendenz steigend», führt Thöny an. So sei es auch schon vorgekommen, dass man Personen eine Absage habe erteilen müssen. Manchmal fehlte der Platz, in anderen Fällen erfüllte der Klient schlicht die Aufnahmevoraussetzungen nicht. Die TWG stellt nämlich gewisse Anforderungen an ihre Aufnahmebewerber und führt eine Liste an Ausschlusskriterien. Beispielsweise können Menschen mit einer schweren Suchterkrankung nicht im Rahmen der TWG behandelt werden, beziehungsweise erst nach erlangter Abstinenz. Die therapeutische Wohngemeinschaft soll eine passende Wohnform und Anschlusslösung sein. Alkohol und Drogen sind tabu. Wobei cannabis- und alkoholkranke Menschen innerhalb des therapeutischen Rahmens der TWG durchaus behandelt werden. Ausserdem müssen die Menschen therapiemotiviert sein. «Und eine Fremd- oder Selbstgefährdung muss ausgeschlossen werden können», ergänzt die Leiterin des sozialtherapeutischen Diensts. 

Der Alltag richtet sich nach einem individuellem Plan
Die TWG zählt insgesamt 20 Mitarbeitende. Im Team befinden sich unter anderem Psychologinnen, Psychotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen und Sozialarbeiterinnen. Sie sind während 24 Stunden täglich vor Ort und betreuen die Bewohner auf zwei Ebenen. Einerseits ist dies die Alltagsebene – eine stationäre Betreuung durch eine Bezugsperson. Dabei werden praktische Fähigkeiten erlernt und Ressourcen gefördert. «Des Weiteren werden soziale Kompetenzen, Verantwortungsübernahme und die Teamfähigkeit im Alltag trainiert», erklärt Thöny. Andererseits gibt es die psychotherapeutische Ebene. Dabei handelt es sich um das Angebot einer tragfähigen, vom Alltag entlastenden, therapeutischen Beziehung. Sie beinhaltet eine ausführliche Diagnostik sowie die Durchführung einer Psychotherapie. Während dieser Prozesse arbeitet die TWG jeweils eng mit den zuweisenden Ärzten und Systempartnern zusammen. Den Alltag in der therapeutischen Wohngemeinschaft kann man sich so vorstellen, dass die Bewohner täglich entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen unterstützt und nach ebenfalls individuellem Plan behandelt werden. Zudem gibt es in der Institution Sport-, Achtsamkeits- und kognitive Gruppen. «Welche davon für wen geeignet ist, wird mit dem Klienten jeweils im Detail besprochen», sagt die Leiterin des sozialtherapeutischen Diensts. Dasselbe gilt für Therapien im Einzel- und/oder Mehrpersonensetting. 

Die Rehabilitation erfolgt stufenweise. Ist eine ganztägige Betreuung nicht mehr gefordert, existieren betreute Aussenwohngruppen. Auch ambulante und tagesklinische Angebote sind Bestandteil des TWG-Unterstützungsangebotes. Ziel sei es immer, dass eine geeignete Anschlusslösung gefunden wird, meint Christine Thöny. (jka)

16. Nov 2019 / 09:00
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