• Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Cornelia Wolf, Aylin Erdogan, Flurina Seger und Stephan Gstöhl.
    Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Cornelia Wolf, Aylin Erdogan, Flurina Seger und Stephan Gstöhl.

«Jeder Kassenbon ist ein Stimmzettel»

Vaduz will die erste «Fair Trade Town» in Liechtenstein werden. Eine Arbeitsgruppe hat nun ein Detailkonzept erarbeitet.

Viele der globalen sozialen und ökologischen Herausforderungen sind eng mit dem Konsumverhalten verknüpft. «Durch einen nachhaltigen, fairen Konsum können wir positive Veränderungen in Gang setzen», ist Cornelia Wolf überzeugt. Sie ist die Initiatorin und treibende Kraft hinter der Idee, aus Vaduz eine «Fair Trade Town» zu machen. Der Gemeinderat hat sich schnell dafür begeistern können und hat im September einstimmig beschlossen, das Label anzustreben. Neben dem Budget für das Label selbst stellt die Gemeinde auch eines für eine Sensibilisierungskampagne zur Verfügung. Und dies nicht nur für ein, sondern für drei Jahre. 

Lokaler und fairer Handel
«Fair Trade Town» ist eine Auszeichnung für Städte und Gemeinden, die sich für den fairen Handel engagieren. «Das Label schafft Vernetzung, da die Auszeichnung unausweichlich zu einer engen Interaktion zwischen der öffentlichen Verwaltung, dem lokalen Gewerbe und der Bevölkerung führt», ist Flurina Seger überzeugt. Der Gemeinderat hat eine Kernarbeitsgruppe eingesetzt, zu der die Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde, Flurina Seger, gehört. Ebenfalls dabei ist Gemeinderatsmitglied Stephan Gstöhl sowie Aylin Erdogan und Cornelia Wolf. «Bei unseren beiden bisherigen Treffen entstand ein Detailkonzept für das erste Jahr sowie eine Gesamtidee, wie wir das Ganze angehen möchten», erklärt Cornelia Wolf. Sie ist im Vorstand des Vereins Standort­marketing Vaduz und betreibt selbst den Hoi-Laden im Städtle. Ausserdem will die Gruppe noch weitere Akteure in einer erweiterten Arbeitsgruppe dazuzugewinnen. «Seien es Personen aus den Bereichen Schule, Gastronomie oder einfach jene, die sich schon viel länger als wir mit dem Thema fairer Handel auseinandersetzten», erklärt Flurina Seger. Für Vaduz legen sie ihr Konzept so aus, dass lokaler und fairer Handel eng verknüpft sein sollen. Die Gemeinde möchte mit dem Gedanken besonders auch den lokalen Handel und die regionale Produktion fördern und sichtbar machen. Diese Idee stösst bei den Betrieben und Geschäften des Landes auf fruchtbaren Boden. Bereits dabei sind zum Beispiel alle Betriebe der Adler-Gastronomie von Walter Hagen, der Bio-Laden Querbeet, die Drogerie Walter Meier sowie die Coop-Supermärkte im Städtle und Mühleholz. 

Eine Inspiration zum Umdenken
Das wichtigste Ziel ist es, so viele Geschäfte an Bord zu holen, um das Label zu erhalten. Für die Grösse von Vaduz bedeutet dies in Zahlen: zwei Detailhandelsgeschäfte mit mindestens fünf Produkten, vier Gastro- und Hotelleriebetriebe mit mindestens drei Produkten, drei Institutionen und drei Unternehmen sowie die Gemeindeverwaltung – jeweils mit mindestens drei Produkten aus ausgewiesenem fairem Handel. Doch selbstverständlich solle mehr passieren, als nur diese grundlegenden Kriterien des Labels zu erfüllen. «Wir wünschen uns, dass Akteure, welche sich bereits mit diesem Thema befassen, eine Plattform finden, um sich auszutauschen», sagt Seger. Und sie hofft, dass es andere inspiriert, umzudenken. Somit liege die Vision vor allem darin, einen Dialog und Austausch zu schaffen. Wunderbar wäre laut Seger, wenn sich andere Gemeinden im Land anschliessen möchten. Denn der Konsument hat eine grosse Macht. «Jeder Kassenbon ist ein Stimmzettel – dieser Satz hat sich bei mir eingeprägt», betont Cornelia Wolf. Selbstverständlich wirke diese Maxime auch bei ihr einmal stärker und einmal schwächer. «Doch wir alle tragen als Konsumenten eine Verantwortung.»

Vieles sei so global geworden, vor allem auch der Handel. «Somit ist es möglich, dass wir mit unserem Verhalten auf dieser Seite der Erde ein Problem verursachen, welches sich auf der anderen Seite auswirkt», betont Wolf. Aus diesem Grund lässt sie die Produkte für den Hoi-Laden in der Region und in Europa herstellen. Selbstverständlich sei eine europäische Produktion nicht gleichzeitig ein Garant für eine faire Produktion. «Immerhin habe ich aber die Möglichkeit, diese Betriebsstätten persönlich mit einem überschaubaren Aufwand zu besuchen.» Und die Herstellung erfolge in geringer Stückzahl und zu fairen Preisen. Jeder Einkauf trage so laut Cornelia Wolf im Kleinen dazu bei, dass in der Region und in Europa Arbeitsplätze erhalten bleiben, die Familien von den Löhnen leben und die Kinder eine Lehre bei diesen Betrieben machen können. 

«Wir möchten unseren Teil zur Gemeinwohl-Ökonomie beitragen», sagt sie. Es ist gleichzeitig ein Beitrag auf Gemeindeebene auch in Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele des Landes.  Ein Bericht der Regierung zeigt auf, dass Liechtenstein die Nachhaltigkeitsziele bzw. die «Sustainable Development Goals» (SDGs) bereits heute gut umsetzt. In einigen Bereichen wurde aber Handlungsbedarf identifiziert. So müsste das Land nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen. Auch die Gemeinden sind dabei gefordert, die SDG-Ziele zu unterstützen und zu fördern.  

Mit fairem Handel werde ein Nachhaltigkeitsprozess ausgelöst, der sich positiv auf Menschen auf der ganzen Welt auswirke: «Verantwortungsvolle Konsumenten verbessern die Arbeitsbedingungen von Produzenten in Entwicklungs- und Schwellenländern», sagt Wolf. «Die Gemeinde sowie alle beteiligten Akteure profitieren zudem davon, dass ihr Engagement sichtbar gemacht wird, dass neue Netzwerke geschaffen und der Kundenstamm ausgeweitet werden kann», ergänzt Flurina Seger. 

29. Nov 2019 / 15:00
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