• Thomas Meier in Vaduz
    Thomas Meier: «Sind froh, wenn wir ab und zu einen Spitzensportler hervorbringen.»  (Daniel Schwendener)

Vom «Schwimmerpapa» zum Präsidenten

Der Eschner Thomas Meier blickt auf ein «intensives erstes Jahr» als Präsident des Liechtensteiner Schwimmverbands (LSCHV) zurück. Als Geschenk wünscht er sich, dass die Regierung das Sportstättenkonzept vorantreibt.
Eschen. 
 
Morgen feiern Sie Ihr erstes Jahr als Präsident von «Liechtenstein Swimming». Was ist damals Ihre Motivation gewesen?
Thomas Meier: Als «Schwimmerpapa» von Christoph Meier habe ich den Aufschwung des Schwimmsports in Liechtenstein hautnah miterlebt. Mir ist es daher ein Anliegen gewesen, das Geschaffene fortzuführen und, wo nötig, Verbesserungen anzubringen. Ich möchte den Schwimmverband auf eine solide Basis stellen, damit er heranwachsenden Athleten weiterhin gute Rahmenbedingungen bietet. Schlussendlich sind ehrenamtliche Aufgaben nicht so heiss begehrt. Ich hatte also keine Konkurrenz.
 
Welche Lage haben Sie zum Amtsantritt vorgefunden?
Da ich damals Vorstandsmitglied des Schwimmclubs Unterland gewesen bin, hatte ich bereits Kenntnisse über die Arbeit des Schwimmverbands. Meine Vorgänger haben einige gute Projekte aufgegleist, zum Beispiel das Nachwuchskonzept und die Anstellung von zwei professionellen Trainern.
 
Herausforderungen galt es trotzdem anzupacken.
Wie bei so vielen Sportvereinen ist der Schwimmverband bei meinem Amtsantritt in einer finanziell angespannten Lage gewesen. Nachdem sich der neue Vorstand einen Überblick verschafft hat, bestand einer unserer ersten Schritte darin, ein Sponsoring-Konzept auf die Beine zu stellen und einen Hauptsponsor zu suchen. Mit Malbuner wurde ein Partner gefunden, der den Schwimmverband sehr entlastet. Ich möchte Geschäftsführer Alexander Ospelt ein herzliches Dankeschön dafür aussprechen. 
 
Vergangenes Jahr wurde der YPS-Schwimmclub Gamprin nach einem Rechtsstreit in den Verband aufgenommen. Ist nun Frieden unter den Schwimmern des Landes eingekehrt?
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Schwimmsport. Wir wollen unseren Athleten möglichst gute Rahmenbedingungen garantieren. Seit der Aufnahme von YPS ist ein Mitglied von ihnen im Vorstand. Wir arbeiten gut miteinander und blicken nach vorne. 
 
In Ihrem ersten Jahr erlebten Sie einige Höhepunkte. 
Als Präsident habe ich mich riesig darüber gefreut, dass unsere Sportler an den Kleinstaatenspielen in Montenegro mit 13 von insgesamt 20 Medaillen massgeblich zum Liechtensteiner Erfolg beigetragen haben. Ein weiterer Höhepunkt ist die Wahl zum Sportler des Jahres 2018 gewesen, an der sowohl Christoph Meier als auch die Artistic-Schwimmerinnen Marluce Schierscher und Lara Mechnig zum dritten Mal in Folge die Auszeichnung entgegennehmen konnten. An die Schwimm-WM 2019 in Gwanju, Südkorea, konnten wir mit ihnen und Julia Hassler vier Athleten schicken. Für unser kleines Land ist das eine stattliche Teilnehmerzahl gewesen.
 
Welches Fazit ziehen Sie nach einem Jahr?
Es ist ein sehr intensives Jahr für den gesamten Vorstand gewesen. Wir sind praktisch alle neu eingestiegen. Wir konnten schon viele Aufgaben erledigen und eine gewisse Stabilität hineinbringen, aber es gibt noch viel zu tun.
 
Am Wochenende meldeten Sie bei den Internationalen Mehrkampfmeisterschaften im Hallenbad Eschen einen neuen Teilnehmerrekord. 
Mit 43 Podestplätzen, davon 22 erste Ränge, zeigten unsere Athleten eine gute Leistung gegen die ausländische Konkurrenz. Bei 272 Einzelstarts wurden 192 Bestzeiten erreicht. Das zeigt deutlich, dass wir mit unserem Nachwuchskonzept und den Trainerstrukturen auf dem richtigen Weg sind.
 
Während der Veranstaltung erklärte Patrick Vetsch den Rücktritt. Können Sie diesen Schritt nachvollziehen? 
Der Rücktritt von einem Spitzensportler ist für den Verband immer bedauerlich, aber zum Sport gehören sowohl Höhen als auch Tiefen. Damit muss man umgehen können. Wir respektieren Patricks Entscheidung, wünschen ihm viel Erfolg im Studium und hoffen, dass er dem Schwimmsport in irgendeiner Art erhalten bleibt.
 
Auch Julia Hassler spricht offen über ein mögliches Ende nach Tokio 2020. 
Ich weiss diesbezüglich nicht mehr als das, was in den Zeitungen steht. Es gibt allerdings auch einen Rücktritt vom Rücktritt. Je nachdem, wie die Olympischen Spiele laufen, kann sich der Wind drehen. Durch eine gute Leistung kann die Motivation aufkommen, noch etwas weiter zu gehen. Ein Rücktritt ist es erst dann, wenn er wirklich offiziell erklärt wird. 
 
Wie sieht die Situation bei Christoph Meier aus? 
Sein Fokus liegt momentan völlig auf der nächsten Olympiade. Wie es danach weitergeht, entscheidet er zu gegebener Zeit. Man kann nie etwas garantieren, dafür muss sportlich alles stimmen. Es gibt auch Verletzungen und andere Faktoren, die eine Rolle spielen.  
 
Gibt es im Nachwuchs denn Kandidaten, die auf diese Aushängeschilder folgen?
Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass Liechtenstein ein kleines Land ist. Wir sind froh, wenn wir ab und zu einen solchen Spitzensportler hervorbringen. Dazu müssen wir die Strukturen schaffen, damit sie sich richtig entwickeln können. Momentan haben wir elf Sportschüler, so viele wie noch nie. Diese Rekordzahl und die Wettkampfergebnisse im schweizweiten Vergleich stimmen mich sehr zuversichtlich. Sofern die Sportschüler den notwendigen Ehrgeiz und Durchhaltewillen zeigen, kann der eine oder andere bestimmt in die Fussstapfen von unseren Spitzensportlern treten.
 
Die Olympiade 2020 in Tokio steht vor der Tür. Wie weit sind Ihre Athleten? 
Julia Hassler hat bereits die A-Limite und ist damit für alle Wettkämpfe qualifiziert. Christoph Meier hat eine B-Limite und erfüllt damit die nationalen Selektionskriterien, um in einer Disziplin antreten zu können. Weitere potenzielle Kandidaten sind für mich Marluce Schierscher und Lara Mechnig beim Artistic Swimming. Sie haben im Frühjahr noch einen entscheidenden Wettkampf. Sie sind allerdings auf dem besten Weg, sich für die Olympiade zu qualifizieren.
 
Seit Jahren wünscht sich der Schwimmverband bessere Trainingsbedingungen.
Dass wir die Situation für unsere Sportler verbessern, ist sicher unser nächstes Ziel. Trotz der zahlreichen Schwimmbäder im Land haben sie zu wenig Wasserzeiten, um sich optimal auf die Wettkämpfe vorbereiten zu können. Ein weiteres Anliegen sind Frühtrainings vor den Öffnungszeiten der Bäder. Da sind wir im Gespräch mit den zuständigen Stellen und zuversichtlich, dass wir zeitnah zu einer Lösung gelangen. 
 
Trotz des sportlichen Erfolgs hinkt Liechtenstein den anderen Kleinstaaten hinterher.
Uns fehlt im Moment die geeignete Infrastruktur. Schon lange reden wir von einer Langbahn in Liechtenstein, die das ganze Jahr über genutzt werden kann. Jene im Freibad Mühleholz ist nicht optimal, weil die Wassertemperatur oft zu kalt für den Trainingsbetrieb ist. Man kann zwar auf Kurzbahnen trainieren, doch die meisten Wettkämpfe finden auf 50 Metern statt. Um international mithalten zu können, sollten hier dringend Massnahmen getroffen werden. Alle anderen Kleinstaaten sind hier bereits viel weiter als wir, haben 50-Meter-Becken und uneingeschränkte Wasserzeiten zur Verfügung. 
 
Warum ist man noch nicht so weit wie die anderen?
Der Schwimmsport hat sich in Liechtenstein erst in den letzten sieben bis acht Jahren so stark entwickelt. Seitdem unsere Athleten mit der Weltelite schwimmen, ist es natürlich ein Thema geworden. Durch die professionellen Strukturen, die der Verband 2010 aufgebaut hat, ist auch das Anliegen von den Trainern nach besseren Trainingsanlagen entstanden.
Im Moment zieht es die  Schwimmathleten ins Ausland, sobald sie ein gewisses Niveau erreichen.
Das hängt sicher damit zusammen, dass wir hier im Land die Trainingsbedingungen nicht bieten können. Ein weiterer Punkt ist die Kleinheit des Landes. Schwimmen ist grundsätzlich ein Einzelsport, aber für das Training ist eine bestimmte Anzahl an Sportler wichtig, um sich gegenseitig anspornen und helfen zu können. Wenn du allein trainieren musst, macht das nicht so viel Spass. Hinzu kommt das Lebensumfeld der Athleten. Christoph studiert zum Beispiel Interdisziplinäre Naturwissenschaften, was in Liechtenstein derzeit nicht möglich ist. Da ist es naheliegend, dass er in einem Schwimmclub nahe der ETH Zürich trainiert.
 
Sollten Topathleten nicht zu Hause trainieren können?
Selbstverständlich möchten wir unseren Spitzensportlern diese Möglichkeiten geben. Hierbei geht es uns aber vor allem um den Nachwuchs, denn der Schwimmsport fängt nicht erst mit 18 Jahren an. Wir müssen die Mitglieder schon früh an das Niveau heranführen, damit sie später Erfolge nachweisen können. 
 
Sind Projekte geplant, welche für die Athleten bessere Bedingungen ankünden?
Wir treffen derzeit Grundabklärungen, aber da ist noch nichts spruchreif. Eine Sportstätte liegt nicht in unseren finanziellen Möglichkeiten. Für eine langfristige Lösung sind wir darauf angewiesen, dass die Regierung das Sportstättenkonzept vorantreibt.
 
Welche Wünsche haben Sie für das nächste Jahr als Präsident des LSCHV?
Wenn ich mir etwa andere Sportarten anschaue, haben sie vielfach eigene Trainingsanlagen. Beim Schwimmsport ist das noch nicht etabliert. Deshalb wünsche ich mir, dass man den Leistungen der Schwimmsportler im Land Rechnung trägt und uns in Angelegenheiten wie der Infrastruktur unterstützt, damit wir einen Schritt weiterkommen. Wir verlangen keine Luxuslösung, sondern wollen einfach eine Trainingsstätte im Land, in der wir ständig optimal trainieren können. Unseren Athleten wünsche ich viele sportliche Erfolge und Spass beim Ausüben des Schwimmsports.
 
(Interview: gk)
27. Sep 2019 / 09:57
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