• Destillerie Steinauer in Eschen
    Seit Oktober betreibt Andreas Steinauer die Destillerie im Zentrum von Eschen.  (Daniel Schwendener)

Vom Käse zu den Edelbränden

Wo früher Milch zu Käse verarbeitet wurde, brennt Andreas Steinauer seit einigen Monaten Schnäpse und Liköre. Mittlerweile ist er der einzige Brenner in Liechtenstein, und sein Unternehmen wächst immer weiter an.
Destillerie. 

Über zehn Jahre stand die Sennerei im Zentrum von Eschen, am St. Martins-Ring, leer. Mit dem ­alten Haus verbindet Andreas Steinauer viele Kindheitserinnerungen und Geschichten. «Mein Vater war von 1961 bis 1972 Senn hier in der Sennerei und auch meine Mutter half oft mit. Deswegen habe ich die ersten Jahre meines Lebens viel Zeit hier verbracht», erinnert sich Steinauer. Für ihn ist es eine Art «Zurückkommen».

Seit etwa fünf Jahren stellt der Hobbybrenner Destillate her. Bis Anfang diesen Jahres hatte er das Equipment dazu in seinem Privathaus eingerichtet. «Ich habe die Garagen belegt, aber auch im Keller und Gästezimmer habe ich mich ausgebreitet. Für meine Familie war das nicht immer leicht. Besonders, wenn sie im Winter ihre Autos nicht hineinfahren konnten», weiss Andreas Steinauer. Und irgendwann hat der Platz einfach nicht mehr gereicht. «Ich musste mich entscheiden. Entweder nehme ich keine weiteren Aufträge an oder ich muss mich räumlich ausbreiten»: Vor dieser Entscheidung stand er. Daraufhin ist er auf die Gemeinde zugegangen und hat ihnen den Vorschlag mit der leer stehenden alten Sennerei unterbreitet. Die Gemeinde hat ihn ohne langes Zögern in seinem Vorhaben unterstützt und die Arbeiten haben begonnen. «Da das Haus unter Denkmalschutz steht, mussten viele Dinge berücksichtigt werden. Aber es ist alles schnell ins Rollen gekommen, es wurde zielgerichtet renoviert und ich konnte mich beim gesamten Prozess mit einbringen und meine Ideen kundtun», freut sich Steinauer. Für alle Herausforderungen wurden konstruktive und pragmatische Lösungen gefunden und so konnte die Destillerie schliesslich im vergangenen Oktober eingeweiht werden.

Aus Leidenschaft wurde Passion
In Liechtenstein und auch der Schweiz sind die Brennlizenzen limitiert. Je nach Bevölkerung, der Anzahl an landwirtschaftlichen Betrieben und Ertrag werden eine gewisse Anzahl an Lizenzen verteilt. Für Liechtenstein wäre eigentlich nur eine vorgesehen. Aber damit kein Monopol entsteht, vergibt das Amt zwei Lizenzen in Liechtenstein. «Vor einigen Jahren war gerade eine Lizenz frei. Ich habe immer schon gerne gute Brände getrunken und die Herstellung hat mich auch sehr interessiert. So habe ich mich dafür entschieden, diese freie Lizenz zu beantragen», erklärt Steinauer. Nach einem ersten Kurs zusammen mit der Frau im Tirol hat ihn der Brennvirus gepackt und es folgte eine Ausbildung in der Landwirtschaftsschule des Kantons Zug. Danach hat er eine Anlage angeschafft und begonnen, seine eigenen Schnäpse herzustellen. Sein erster Brand war ein Birnenschnaps – diese hat er bis heute am liebsten. Anschliessend kamen immer mehr dazu, teilweise aus eigenem Antrieb, teilweise durch Input von Freunden oder Familie. «Jede Frucht hat für mich ihren Reiz, ich probiere gerne aus. Auf den Gin hat mich aber ein Freund gebracht, die Idee zum Haselnusslikör kam von meinem Sohn», erläutert der Wahleschner.

Ein aufwendiges Hobby
In seinem eigentlichen Beruf als Informatiker arbeitet Andreas Steinauer 80 Prozent. Die restliche Zeit und teilweise auch mehr investiert er in das Projekt «Destillerie Steinauer». «Es war ein gutes Früchtejahr und im Moment bin ich der einzige Brenner im Land.» Das bedeutet viel Arbeit für den Brenner, aber er wird auch tatkräftig von seiner Familie, besonders von seiner Frau, unterstützt. «Sie hilft oft mit und unterstützt mich. Aber auch meine Tochter und mein Sohn packen mit an, was mich sehr freut», berichtet Andreas Steinauer.

Neben der Laufkundschaft und der Belieferung diverser Restaurants, Läden und Betrieben veranstaltet die Destillerie Steinauer auch Degustationen und spezielle Events. Ab Januar stehen beispielsweise auch klassische Winzeressen auf dem Programm. «Beim Treberwurstessen gare ich die Würste im Brennhafen über Traubentrester. Das verleiht der Wurst einen ganz besonderen Geschmack», weiss Steinauer.

Sein Sortiment umfasst im Moment etwa 20 Brände und das reicht auch erst einmal, wie er erklärt: «Ich will die Auswahl eigentlich nicht weiter erweitern. Vielleicht nehme ich irgendwann einmal etwas Neues auf, lasse dafür aber einen anderen wegfallen.» Das Wichtigste für den Brenner ist die Leidenschaft zum Destillieren. Es muss ihm Spass machen und er lerne auch immer wieder Neues dazu. Schliesslich bezeichnet sich Steinauer mit seinen fünf Jahren Erfahrung noch als Anfänger. «Es macht Spass, mich weiterzuentwickeln. Es ist zeitintensiv, aber Zeitdruck gibt es in diesem Beruf nicht. Beim Brennen kann man vieles machen, aber nichts überstürzen oder übereilen. Ein guter Schnaps braucht einfach seine Zeit.» (lat)

28. Nov 2018 / 10:05
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