• Jürgen Schindler, Eschen
    Historiker Jürgen Schindler vor dem Eschner Gemeindewappen.  (Tatjana Schnalzger)

Ungelösten Geheimnissen auf der Spur

Jürgen Schindler ist nicht nur Archivar und Historiker – Geschichte ist für ihn auch eine Leidenschaft. Schon als Kind schenkte er Geschichten aus früheren Zeiten grosse Aufmerksamkeit. So war klar, dass er auch einen Beruf wählte, der etwas mit Geschichte zu tun hat.

Etwas hat der Historiker mit Inspektor Columbo gemeinsam: Das grosse Interesse an ungelösten Geheimnissen. Nur ist es für Jürgen Schindler nicht ganz so einfach, über diese noch nie beantworteten Fragezeichen aufzuklären. Ein grosses Fragezeichen ist beispielsweise das Kapitel rund um die «Eschiner-Burg». Dass es diese tatsächlich gegeben hat, darauf deutet nicht zuletzt auch der Eschner Flurname «Gaschlun», lateinisch «Castellum»  für Schloss. Ausserdem ist bekannt, dass Mitte des 13. Jahrhunderts das Adelsgeschlecht der«Ritter von Eschen» in der Unterländer Gemeinde Eschen lebte und hauste. Als Zeugen scheinen diese in damals aufgesetzten Urkunden auf. Aber: Weder die kleinsten Überreste eines burgähnlichen Gebäudes noch irgendwelche weiteren Hinweise verraten etwas über deren Existenz. Handelt es sich demnach um eine falsche Überlieferung oder etwa um eine Fantasiegeschichte? «Eher nicht», sagt Jürgen Schindler. «Wenn auch nur spärlich – aber es gibt Hinweise, dass es in Eschen tatsächlich einmal eine Burg oder ein Festes Haus gegeben hat.» 

Keine Fotografie von der alten Eschner Kirche
Nirgends gefunden hat Jürgen Schindler bislang auch ein Foto von der alten Eschner Kirche. Seit 1839 gibt es die Fotografie, die ehemalige Eschner Kirche wurde erst über 50 Jahre später im Jahre 1894 abgerissen. Kaum vorstellbar, dass es in diesen 50 Jahren kein einziges Foto von dieser Kirche gibt. In Archiven, Dokumenten und Schriften hat Jürgen Schindler schon jahrelang gesucht. Einzig auf ein Bild ist er im Zuge seiner Nachforschungen gestossen, gemalt von Künstler Menzinger. Der Fokus liegt auf dem Eschner Berg, die Kirche hat der Künstler malerisch angedeutet. Und auf noch ein Foto ist er gestossen, das aber auch kaum Aufschluss über das historische Gebäude gibt: Ein Schulfoto. «Ein rundes Fenster deuten darauf hin, dass die Schüler vor der alten Kirche stehen», so der Historiker. Mehr als ein Teil der Fassade und zwei Ausschnitte von den Fenstern des Gebäudes ist auf dem Schwarz-Weiss-Foto jedoch nicht zu sehen.  «Gut möglich, dass wirklich Bilder vorhanden sind, aber dass die Eschner Kirche aufgrund der komplett veränderten Umgebung nicht mehr als solche erkannt wird», sagt Jürgen Schindler. 
Der Historiker hat nie aufgehört zu suchen – in der Hoffnung, tatsächlich irgendwann, irgendwo dem Geheimnis ein Stück näher zu kommen. 

Zusammengehörigkeit Pfäfers – Eschen
Warum das Eschner Gemeindewappen von einer Taube geprägt ist, ist längst schon kein  Geheimnis mehr und war auch nie eines. Wie der Historiker erklärt, hat dies mit der früheren Beziehung zwischen der Pfarrei Eschen und dem ehemaligen Kloster in Pfäfers – die heutige Klinik St. Pirminsberg – zu tun. Denn auch das Wappen des Klosters Pfäfers war von einer Taube geprägt. Als Erinnerung an diese über tausendjährige Zusammengehörigkeit hat die Gemeinde Eschen 1942  Jahren die Taube in ihr Wappen übernommen. 
Ein Wahrzeichen von Eschen ist die Rofenberg-Kapelle. Die schmucke Kapelle ist schon 500 Jahre alt. Sie liegt am Jakobsweg, worauf Pilgerzeichen hindeuten, die an den Innenwänden gefunden wurden. Die Kapelle steht an einem besonderen Ort: Hier tagte bis 1808 das Gericht der Herrschaft bzw. Landschaft Schellenberg.
Ein weit über die Region einmaliges Denkmal der Industriegeschichte ist erst seit kurzem in Nendeln für die Öffentlichkeit zugänglich. Unter dem Gebäude der ehemaligen Ziegelei liegt ein «Hoffmannscher Ringofen» aus dem Jahr 1881. In so einem Ofen konnten pro Tag 10 000 bis 15 000 Ziegel gebrannt werden.

Reise in ein fremdes Land
Für Jürgen Schindler sind historische Erzählungen wie eine Reise in ein fremdes Land. «Zwar sind auch auf historischen Bildern die Dreischwestern oder markante Gebäuden wie Kirchen zu sehen, so wie wir sie heute noch kennen, die Leute aber, die sind fremd», sagt Jürgen Schindler. Fremd meint der Historiker nicht im Sinne von unbekannt. Vielmehr spricht er damit Menschen an, deren Leben, Alltag, Moralvorstellungen und Gesellschaftsform in keiner Weise mit dem heutigen Lebensstandard verglichen werden kann. «Was ist in diesen Menschen vorgegangen?» Eine Frage, mit der sich der Historiker gerne beschäftigt. Immer wieder entdeckt er Neues auf seiner Reise in die Vergangenheit – Neues aus alten Zeiten, das sich wie ein Puzzleteil an das nächste fügt und schliesslich ein Stück Identität Gibt. Ein Stück Identität unserer Heimat. (bfs)
 

29. Nov 2018 / 15:17
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