• Rofenberg-Kapelle  Kapelle Kapele Rofenberg Eschen 140701
    Die Heiligkreuz-Kapelle auf Rofenberg.  (Daniel Ospelt)

Historische Denkmäler

In der #näherdran-Reihe wird hier der «Liechtenstein-Weg» in Eschen-Nendeln skizziert.

Auf dem 75 Kilometer langen Liechtenstein-Weg, der anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums re­alisiert wurde und durch alle Gemeinden führt, können auf der App «LIstory» (Liechtenstein History) 147 sogenannte Erlebnisstationen erkundet wer­den. An den Stationen, dessen Inhalte vom Liechtenstein-Institut im Auftrag von Liechtenstein Marketing erstellt wur­den, können zahlreiche Infor­mationen zur Liechtensteiner Geschichte abgerufen werden. Bisher wurde die App schon über 7500-mal heruntergeladen. Die Rückmeldungen seien äusserst positiv, denn nicht nur der Weg, sondern auch die App komme sowohl bei Einheimischen wie auch bei Touristen sehr gut an.

Einer der grössten Gewerbebetriebe

Von Planken her erreicht man den Start des Nendler Wegabschnitts bei der römischen Villa oberhalb der Primarschule. «Rund 400 Jahre lang gehörte das Liechtensteiner Staatsgebiet zum Römischen Reich», erklärt Martin Knöpfel, Projektleiter von Liechtenstein Marketing. In der Römerzeit stand hier im Nendler Oberdorf ein landwirtschaftlicher Gutshof, der ungefähr 250 Jahre lang genutzt wurde. Er wurde Anfang des 2. Jahrhunderts nach Christus erbaut und im 4. Jahrhundert wieder aufgegeben. Bei der Schule vorbei führt der Weg zum Hoffmannschen Ringofen, eine ehemalige fürstliche Ziegelei von 1740, die seit Kurzem wieder begehbar ist. Etwas unterhalb der historischen Ziegelei siedelte sich die Keramik Schädler AG an, die 1836 von Albert Philipp Schädler ge­gründet wurde. «Die Keramik Schädler war im 19. Jahrhun­dert einer der grössten Gewerbebetriebe des Landes», erklärt Knöpfel. Quer durch das Nendler Oberdorf geht der Weg weiter zur Kapelle St. Sebas­tian, wo die Franzoseneinfälle von 1799 und 1800 thema­tisiert werden. «1799 drangen während des Koalitionskriegs rund 18 000 französische Soldaten bei Balzers und Bendern ein und besetzten das Land für drei Wochen», so Martin Knöpfel. Im Juli 1800 wurde das Land nochmals für zwei Wochen von den Franzosen besetzt. 72 Jahre später wurde die Bahnlinie von Feldkirch nach Buchs eröffnet, in dessen Zuge auch der Bahnhof in Nendeln entstand, wo sich die nächste Station befindet. Nach der Einführung der Bahnlinie fuhren 1922 erstmals landesübergreifende Busse von Balzers nach Eschen.

Liechtenstein

als Kirchenstaat?

Nach einem kurzen Abstecher durch das Eschner Riet erreicht man nach wenigen Hundert Metern das Papstdenkmal beim Sportplatz, das an den Papstbesuch von 1985 erinnert. «Am 8. September 1985 wurde dort eine Messe mit 35 000 Besuchern gefeiert», erzählt Martin Knöpfel. In diesem Jahr wurde Maria Geburt zum offiziellen Feiertag erklärt. Bei dieser Station wird auch die Geschichte aufgegriffen, als Liechtenstein 1916 beinahe zum Kirchenstaat erklärt wurde. «Der Papst hatte kein eigenstaatliches Territo­rium mehr und so gab es einen Geheimplan, dass das Land dem Papst hätte geschenkt werden sollen», so Knöpfel. Der Papst hätte diesen Plan begrüsst, bei der fürstlichen Fa­milie sei er aber auf Ablehnung gestossen. Von der Kirchengeschichte geht es weiter zur Industriegeschichte des Landes, zum Standort der Thyssenkrupp Presta, die mit 2500 Mitarbeitern der grösste Arbeitgeber des Landes ist. «An diesem Beispiel sieht man die starke Exportorientierung der hei­mischen Unternehmen des Industriesektors», so Knöpfel. Von diesem Exkurs her geht es zu einem weiteren kirchen­geschichtlichen Thema; den Pfrundbauten und der Pfarrei Eschen. Während Jahrhunderten gehörten die Pfrundbauten dem Kloster Pfäfers und dienten dem Eschner Pfarrer als Wohnsitz. Aus dieser Zeit stammt auch die Taube auf dem Eschner Wappen, die an die starke Verbindung zu Pfäfers erinnert. Erst ab 1863 ­besollte die Gemeinde den Pfarrer und stellte ihm auch ein Pfarrhaus zur Verfügung. Nachdem die Pfrundbauten einige Jahre leer waren und kurz vor dem Abriss standen, setzten sich einige Eschner Bürger für deren Erhalt ein, worauf die Pfrundbauten unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Die Anfänge der Geschichtsschreibung

Gleich neben den Pfrund­bauten steht ein Denkmal zu Ehren Johann Gregor Helberts. Helbert hielt von 1770 bis 1813 verschiedene Ereignisse wie das Wetter, die Preise, Seuchen, Krankheiten wie auch das religiöse und gesellschaftliche Leben in seinem Buch fest, das heute als die Helbert-Chronik bekannt ist. Diese kann als Vorläufer der Geschichtsschreibung des Landes betrachtet werden, die 1847 mit Peter Kaiser begann.

«Peter Kaisers Nieder­schrift ist bis heute die erste und einzige umfassende Gesamtdarstellung der liechtensteinischen Geschichte», so Knöpfel. Einen wesentlichen Fortschritt brachte 1901 die Gründung des historischen Vereins. In dessen Jahrbuch erscheinen seither regelmässig historische Arbeiten. Von der Gemeinde führt der Weg weiter zum alten Schulhaus, wo das Schulwesen des Landes thematisiert wird. Die Schulpflicht wurde 1805 eingeführt. Jedoch sahen die Klassen damals noch ganz anders aus: «Zu Beginn unterrichtete ein Lehrer ungefähr 100 Schüler», so Knöpfel. Bis 1930 war Lehrer ein reiner Männerberuf, heute sind un­gefähr zwei Drittel der Lehrer weiblich. Bei einem Abstecher zur Alten Mühle geht es um Begriffe wie den Eschner Kolpa. Dieser Übername führt daher, dass es in Eschen früher einen intensiven Maisanbau gab. «Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war der Mais zusammen mit Kartoffeln die Ernährungsgrundlage der Bevölkerung.» Nach diesem Abstecher geht es weiter zur 1983 gegründeten Eschner Gemeinde- und Schulbibliothek, bei der die früheren Lesevereine als Vorgänger der heutigen Bibliotheken im Zentrum stehen. Diese Vereine, die Bücher und Zeitschriften kauften und diese in den Wirtshäusern auflegten, sind in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. An dieser Stelle verlässt der Weg das Zentrum und führt hinauf zum ehemaligen Wasserwerk. Das 1997 abgebrochene Gebäude diente den Muslimen Liechtensteins in den 1980er- und 1990er-Jahren als Vereins- und Gebetsraum. Wie die Statistik zeigt, hat die Anzahl Muslime in den vergangenen Jahrzehnten markant zugenommen: Während es 1970 acht Muslime im Land gab, machten die Muslime 2015 schon rund sechs Prozent der Einwohner des Landes aus.

Galgen- und Gerichtsplatz

Weiter führt der Weg den Hügel hinauf zu Güediga, wo der Galgen der Herrschaft Schellenberg stand. Dort wurden bis 1785 zum Tode verurteilte Verbrecher hingerichtet. «Die letzte Hinrichtung traf Barbara Erni – auch goldene Boos genannt, die wegen Prostitution und Diebstahl geköpft wurde», so Knöpfel. Die Todesstrafe jedoch wurde in Liechtenstein erst 1989 abgeschafft. Über Aspen führt der Weg weiter zur letzten Station bei der Kapelle Heiligkreuz, auf dessen Vorplatz das Gericht der Herrschaft Schellenberg tagte. Dort fanden jährlich zwei öffentliche Gerichtsverhandlungen statt, bis 1809 die Gerichtsgemeinden Vaduz und Schellenberg abgeschafft wurden. Um einen Einblick zu erhalten, wie eine solche Tagung vor sich ging, kann bei diesem Punkt in der App eine Gerichtsverhandlung virtuell mitverfolgt werden. Dank Augmented Reality sieht man, wie die Personen anno dazumal auf dem Platz vor dem «Rofaberg-Kappile» diskutierten. Um das Erlebnis möglichst realistisch zu gestalten, stammt der Dialog aus dem Originalskript einer früheren Verhandlung. Nach diesem Höhepunkt zum Schluss führt der Weg weiter nach Bendern zum Kirchhügel.

Rund 500 Richtungsweiser auf elf Routen

Bereits Anfang Jahr wurden die rund 500 Richtungsweiser auf den elf Streckenabschnitten ­angebracht. Informationstafeln wird es auf dem ganzen Weg keine geben. Stattdessen gibt es die App LIstory, die dafür sorgt, dass man sich die Texte nicht nur anhören kann, sondern dass die Stationen auch laufend aktualisiert werden können. «Der Weg soll etwas sein, das es auch in fünf und mehr Jahren noch gibt.» (mk)

24. Sep 2019 / 20:11
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