• Die Lernbegleiter im Kindergarten Fuchsbau: Elias Kindle, Christine Büchel, Helene Kind-Thoeny und Désirée Gassner.

«Die Initiative wurde seitens der Eltern ergriffen»

Nach zwei erfolgreichen Jahren zieht das Team rund um den Privatkindergarten Fuchsbau Bilanz.
Eschen. 

Der Privatkindergarten Fuchsbau in Eschen kann bereits auf zwei erfolgreiche Schuljahre zurückblicken. Eltern und Kinder sind begeistert. Das Ziel, auch eine Schule anzubieten, konnte noch nicht erreicht werden. Doch mit einem Privatunterricht in den Räumlichkeiten des Kindergartens ist der Verein für Lernorte diesem Ziel einen Schritt näher gekommen. Das Fuchsbau-Team Christine Büchel, Helene Kind-Thoeny, Désirée Gassner und Elias Kindle berichten, wie sich dieser Unterricht gestaltet.


Der Privatkindergarten Fuchsbau ist bereits ins dritte Jahr gestartet. Nun wird in diesem Schuljahr auch Privatunterricht angeboten. Wie kam es dazu?
Christine Büchel: Die Initiative wurde seitens einiger Eltern ergriffen. Es ist ihnen sehr wichtig, dass sich die Kinder so lange wie möglich in dieser familiären Lernatmosphäre weiterentwickeln können. Die Eltern sind begeistert von der Art und Weise der Lernbegleitung, dem bewussten Umgang mit den kindlichen Bedürfnissen des Spielens, Entdeckens und Erforschens. Sie schätzen es sehr, dass die intrinsische Motivation der Kinder berücksichtigt wird. Lebensnahe Lerninhalte und Erfahrungen werden, ähnlich einem Schwamm, aufgesaugt und gespeichert. Die Kinder lernen ihren Interessen, ihrer Entwicklung und ihrem Lerntempo entsprechend. Dem Bewegungsdrang der Kinder wird durch viele Aktivitäten in freier Natur entsprochen und somit werden laut diverser Neurowissenschaftler auch die Gehirnaktivität und die Verarbeitung des Gelernten gefördert. Da die physische und psychische Gesundheit der Kinder eine sehr wichtige Säule des Lernens darstellt, haben die Natur, der achtsame Umgang mit ihr und die Kultur des Miteinanders einen sehr hohen Stellenwert im Fuchsbau. 

Wie muss man sich den Privatunterricht vorstellen?
Désirée Gassner: Das liechtensteinische Schulamt bewilligte den Privatunterricht für dieses Schuljahr 2019/20. Während der Unterrichtszeiten wird mit den Kindern der 1. Klasse der Schulstoff gemäss liechtensteinischem Lehrplan bearbeitet. Hierbei dürfen aber auch alle anderen Fuchsbau-Kinder dabei sein, mitmachen oder einfach nur zuhören. Es zeigt sich, dass die kleineren Kinder je nach Interesse immer wieder für kurze Sequenzen dazustossen und einiges davon aufschnappen. 

Wie viele Kinder nehmen am Privatunterricht teil?
Christine Büchel: Der Privatunterricht wurde bisher für zwei Kinder vom liechtensteinischen Schulamt bewilligt. Bei jedem weiteren Kind, das in diesem Jahr dazukommen möchte, wird vom Schulamt neu geprüft.
Und wie viele Kinder besuchen insgesamt den Kindergarten Fuchsbau in diesem Schuljahr?
Helene Kind-Thoeny: Es sind insgesamt zwölf Kindergartenkinder, drei Waldkinder, die jeweils mittwochs den Waldtag besuchen, und zwei Schulkinder.

Die Kinder können wählen, ob sie drinnen oder draussen spielen möchten. Ausserdem soll jedes einzelne Kind als Individium wahrgenommen werden. Wie viele Lehrpersonen arbeiten für das Projekt?
Elias Kindle: Es arbeiten insgesamt vier Lernbegleiter im Fuchsbau, wobei immer zwei davon anwesend sind. Zwei Lernbegleiterinnen sind ausgebildete Lehrpersonen mit der Zusatzausbildung in Montessori-Pädagogik und beide haben langjährige Erfahrungen an den öffentlichen Schulen in Liechtenstein und der Schweiz. Dies als Kindergärtnerin/Oberstufenlehrerin und als Primarlehrerin/schulische Heilpädagogin (MAS). Einen ganz wichtigen Part im Fuchsbau übernimmt die Naturpädagogin/Kräuterfachfrau und Waldspielgruppenleiterin, der vierte Lernbegleiter rundet als Projektleiter nachhaltiger Entwicklung das Quartett ab. 

Wenn ihr vom Fuchsbau-Team drei Wünsche offen hättet, wie würden diese lauten?
Elias Kindle: Wir wünschen jedem Kind, dass die natürliche Lernfreude und Offenheit erhalten bleibt, das Kind kreativ sein darf, es den Lernort besuchen kann und dort lernen darf, wo es sich wohlfühlt und gesehen wird.
Helene Kind-Thoeny: Wir wünschen jedem Kind, dass es mit Achtung, Respekt und Wertschätzung durch seine Kinder- und Jugendjahre begleitet wird. Damit sich der Selbstwert und das Selbstbewusstsein der Kinder gesund entwickelt, das selbstständige Denken gestärkt wird und sie alle Lebewesen und die Natur achten, schätzen und ihren Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen.
Christine Büchel: Wir wünschen uns vielfältige Lernorte, welche allen Kindern unentgeltlich zur Verfügung stehen. Unterschiedliche Kinder brauchen unterschiedliche Rahmenbedingungen, um sich gesund entwickeln zu können. Um die Wahl der Lernorte zu gewährleisten, braucht es mutige Neuerungen in der Bildungspolitik wie beispielsweise Bildungsgutscheine für Kinder statt Subventionen der öffentlichen Schulen, wie sie Fürst Hans-Adam II. wiederholt empfohlen hatte. Dies ist ein Schritt in Richtung Chancengleichheit. Erst wenn die Bildung jedes einzelnen Kindes dem Staat gleich viel wert ist, kann jedes Kind den optimalen Lernort besuchen – unabhängig von den finanziellen Mitteln der Eltern. 


Interview*: manu

*Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

23. Sep 2019 / 07:00
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