• Günther Kranz, Eschen
    «Wir wollen noch einige Dinge erfolgreich abschliessen», erklärt Günther Kranz  (Tatjana Schnalzger)

«Der Sprung zum Vorsteher war gewaltig»

Nach fast acht Jahren als Vorsteher von Eschen-Nendeln wird Günther Kranz nicht mehr kandidieren. Im Gespräch zieht er Bilanz über seine Arbeit, geht auf den Ruf der Gemeinde ein und erklärt, was er nach seiner Arbeit als Vorsteher ins Auge fasst.

Herr Kranz, Ihre Amtsperiode als Vorsteher neigt sich dem Ende zu, der Wahlkampf nimmt langsam Fahrt auf. Realisieren Sie bereits, dass die Zeit als Vorsteher bald vorbei sein wird?

Günther Kranz: In der täglichen Arbeit merkt man praktisch gar nichts. Aber klar, man weiss, dass das Ablaufdatum langsam näher kommt. Es ist ja nur noch ein halbes Jahr, da läuft der Zeitraffer im Kopf natürlich schon. Ich möchte meinem Nachfolger alles so geordnet wie nur möglich übergeben können. Dazu gehört auch, dass man einige Dinge noch erfolgreich abschliesst, bevor das Mandat zu Ende ist.

Gibt es auch die Momente, in denen man sich zurücklehnt und denkt: Das muss nicht mehr sein, das kann dann mein Nachfolger erledigen?

Klar gibt es immer wieder den Gedanken, wie man dies oder jenes lösen würde, doch Priorität hat sicher der andere Gedanke: Wir haben so viel angepackt, das wollen wir nun noch einem guten Abschluss zuführen. Der neue Vorsteher und der neue Gemeinderat sollen frisch starten können.

Sie werden Ihr Amt nach acht Jahren an der Spitze der Gemeinde Eschen-Nendeln abgeben. Welches Resümee ziehen Sie?

Ich ziehe für mich ein sehr positives Resümee. Das soll nicht überheblich klingen. Wenn wir aber betrachten, wie die Gemeinde vor acht Jahren war und was wir in der Zwischenzeit alles umsetzen konnten, dann stimmt unter dem Strich die Bilanz. Dabei möchte ich nicht nur an den Hochbauten gemessen werden, sondern auch in anderen Bereichen, zum Beispiel bei  der Familienpolitik oder der Renaturierung, die mir sehr am Herzen liegt.

Haben Sie da ein Beispiel?

Was sich beim Erlenbach mit den Amphibien und der Tierwelt im Allgemeinen abspielt, ist wirklich erstaunlich. Ich denke aber auch an den Sägaweiherweg oder den Sinnespfad. Auch im Riet gab es kleinere Renaturierungen, die wir zusammen mit den Fischereiverein umsetzen konnten. Dort siedeln sich beispielsweise bereits wieder erste Krebse an.

Und in der Familienpolitik?

Hier haben wir verschiedenste Massnahmen umgesetzt. In Nendeln konnten wir die Turnhalle bauen, in Eschen wird gerade der Spielplatz beim St. Martin-Platz gebaut, um nur zwei Dinge zu nennen.

Sie sprechen von den vielen umgesetzten Projekten. Dabei hat Eschen-Nendeln teilweise den Ruf, dass hier nichts vorangehe. Wie erklären Sie sich das?

Ich habe schon oft darüber nachgedacht und mich ausgetauscht. Wir sind elf Gemeinderäte und niemand kann es sich wirklich erklären. Wir konnten zusammen extrem viel umsetzen, auch im wirtschaftlichen Bereich. Die Anstrengungen quer über alle Bereiche tragen langsam Früchte. Ich hoffe, spätestens dann wird sich auch dieser ungerechtfertigte Ruf wieder verabschieden.

Kommen die Misstöne vielleicht auch aus dem Verhältnis zwischen Bürger und Verwaltung?

Das kann ich nicht so einfach beurteilen. Mir ist wichtig, dass wir alle Leute, die zu uns kommen, nach besten Wissen und Gewissen beraten. Dass es die Verwaltung nicht allen recht machen kann, ist trotzdem eine Tatsache. Es ist aber noch nie jemand zu mir gekommen und hat konkret gesagt: «Das und das passt mir nicht.» Anders verhält es sich in Sachfragen, zum Beispiel bei Bauvorhaben. Da können wir nicht allen Wünschen oder Forderungen nachkommen. Das liegt in der Natur der Sache.

Wenn man beispielsweise höher bauen will als man darf.

Das ist ein Beispiel. Einige Leute glauben, wir können das Baugesetz nach Gutdünken auslegen oder fordern Ausnahmen für alles Mögliche. Aber noch mal: Bei den normalen Bürgern gibt es meines Wissens diese negative Stimmung nicht.

Sie waren vor Ihrer Zeit als Vorsteher zwanzig Jahre lang Gemeindekassier. Wussten Sie also, was als Vorsteher alles auf Sie zukommen würde?

Ich bin froh, dass ich bereits vor meinem Amt als Vorsteher Einsicht in die Verwaltung hatte. Ich kannte auch das ganze Personal und hatte einen tiefen Einblick in die Geschäfte der Gemeinde. Doch der Sprung war dann doch gewaltig, als ich Vorsteher wurde. Die Führung der Verwaltung, des Gemeinderates – da kam einiges dazu.

Was unterschätzt man als «normaler» Bürger an einem Vorsteheramt?

Wenn man Vorsteher ist, dann ist man das sieben Tage die Woche. Man kann sich nicht einfach zurückziehen. Klar gibt es hie und da Rückzugsorte oder -stunden, doch man ist immer erreichbar, das Handy ist stets dabei. Eine andere Herausforderung ist der laufende Austausch mit der Bevölkerung. Das ist natürlich hochinteressant, aber auch intensiv. Und das läuft alles nebem dem operativen Geschäft der Gemeinde, welche man ja auch strategisch in eine gute Zukunft führen möchte. Man ist Vordenker und muss wissen, wohin man mit der Gemeinde will. Das muss man aber auch mit dem Land abstimmen.

Inwiefern?

Bei gewissen Sachen hat das Land die Oberaufsicht. Hier ist ein gutes Zusammenspiel entscheidend. Aber natürlich mahlen gewisse Mühlen auch etwas langsamer, als man es gerne hätte. Will man ein Ziel verfolgen, so muss ein Vorsteher auch die treibende Kraft sein.

An welchen Aufgaben eines Vorstehers haben Sie rückblickend am meisten Freude gehabt?

Sicher an der Zusammenarbeit mit all den verschiedenen Menschen. Wichtig war mir ausserdem, dass wir die Finanzen im Lot haben. Es waren aber auch viele kleine Dinge, bei denen wir unseren Bürgerinnen und Bürgern helfen konnten.

Und worauf hätten Sie lieber verzichtet?

Das sind sicher Vorurteile und Gerüchte, die durch die Gemeinde schwirren, meist faktisch falsch. Da wäre es mir viel lieber gewesen, man würde sich zuerst bei den entsprechenden Stellen informieren.

Solche Gerüchte bekommen auch schnell eine ganz eigene Dynamik und sind nur noch schwer aus der Welt zu schaffen. Fühlt man sich da bisweilen machtlos?

Ja, das kann einen hie und da ärgern. Jemand lässt etwas raus und das multipliziert sich dann. Es gibt Leute, die besonders anfällig auf negative Nachrichten sind. Das ist schade, gehört aber wohl leider einfach dazu.

Was erhoffen Sie sich vom neuen Vorsteher?

Ratschläge werde ich keine geben. Ich hoffe aber, dass er geerdet und ruhig ist, um sich nach bestem Wissen und Gewissen für die Gemeinde einzusetzen. Dabei sollte er sich nicht zu fest von äusseren Einflüssen lenken lassen, sondern zusammen mit dem Gemeinderat einen eigenen, authentischen Weg geht. Ausserdem hoffe ich, dass er die Früchte anerkennt, die er ernten kann. Es werden einige Projekte in der nächsten Legislatur abgeschlossen, die bereits heute aufgegleist sind.

Denken Sie da beispielsweise an die riesige Baustelle gleich neben dem Gemeindehaus?

Ja, unter anderem. Das Kreuz-Areal ist eines der grössten Projekte, welches in den nächsten Jahren abgeschlossen wird. Etwas anderes ist der bereits angesprochen St. Martin-Platz. Dieser ist in breiter Absprache mit der Bevölkerung entstanden und ein Beispiel dafür, wie gute Ideen gemeinsam entstehen können.

Was machen Sie ab dem 1. Mai 2019?

Das ist noch offen. Derzeit lastet mich meine heutige Aufgabe noch voll aus. Natürlich habe ich mir dazu schon Gedanken gemacht, die ich aber noch nicht verraten möchte. Nur so viel: Zuerst geht es einmal vierzehn Tage in die Ferien. (lacht)

Und wie sieht es mit der Politik aus? Sie waren Landtagsabgeordneter und Vorsteher. Gibt es hier noch Ambitionen?

Ich glaube nicht, dass es der Wunsch der Leute ist, dass ein altgedienter Politiker herkommt und ihnen erklärt, wie es zu laufen hat. Aber Politik ist eine hochspannende Sache und ich kann nur jedem empfehlen, aktiv zu werden. Man kann sich für das Land und seine Menschen einsetzen. Dafür muss man zwar einiges investieren, kriegt aber extrem viel zurück.

Das Interview führte Stephan Agnolazza-Hoop

 

27. Nov 2018 / 14:48
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