• Es gab ein gemeinsames Sterbebild.

Ein ganzes Dorf in Trauer

Ein Badeunfall im Jahr 1955 ist den Balznern heute noch in Erinnerung.

Es ist eine Geschichte, an die sich die ältere Generation in Balzers heute noch gut erinnert. Eine Geschichte, die sie auch heute noch erzählt, sodass auch die jüngeren Generationen wissen, was am 1. August 1955 geschehen ist. Es geht um den tragischen Badeunfall von Pfarrer Arnold Waser und den beiden Jugendlichen Georg Vogt (17 Jahre) und Hans Kaufmann (8 Jahre).

Beim Versuch zu helfen, ertranken alle

Pfarrer Arnold Waser war mit rund 20 Balzner Knaben in einem Ferienlager in Vira am Lago Maggiore. Einer der Buben versank im Wasser, ein anderer wollte ihm helfen und versank ebenfalls. Beim Versuch des Pfarrers, beide zu retten, geriet auch er in Schwierigkeiten, sodass alle drei ertranken. Altvorsteher Mane Vogt hat das Unglück als Gemeinderat erlebt und erzählt davon im Buch «Mier z Balzers – Lebensart». Er habe sich damals verpflichtet gefühlt, spontan zu helfen und die verschiedenen Massnahmen und Formalitäten in die Wege zu leiten. Dabei sei er sich wie selten zuvor und danach fast völlig allein gelassen vorgekommen und habe die Entscheidungen selber treffen müssen. Nach der Unglücksmeldung waren der Vorsteher Fidel Brunhart, Leh­rer Willi Marxer und der Messmer Karl Vogt sofort mit einem Autobus ins Tessin gefahren. «Wir erfuhren dann nach Mitternacht, dass sie die Toten und die Kinder gegen Morgen heimbringen würden. Doch wussten wir nicht, ob sie über Trübbach oder die Luziensteig fahren würden», erzählte Mane Vogt. Weil er unbedingt habe vermeiden wollen, dass man die Toten direkt in die Wohnhäuser bringt, sei er mit dem Kaplan und dem Vizevorsteher zwischen der Rheinbrücke und dem «Züüghüüsle» hin- und hergefahren, um den Bus abzufangen. «Wir trafen ihn dann in Mäls und erfuhren, dass die Toten in Begleitung von Vorsteher Fidel Brunhart mit einem Leichenauto nach Balzers gebracht würden.» Nun habe es also gegolten, das Leichenauto ausfindig zu machen und aufzuhalten, was beim Gasthaus Engel gelungen sei. «Ich schlug dem Vorsteher vor, die Toten nicht nach Hause zu bringen, sondern sie im Chor der Kirche aufzubahren. Dies sei dann auch geschehen, die Verunglückten seien direkt in die Kirche gebracht worden, während alle Glocken geläutet haben.

Rüge von kirchlicher Seite

Wegen der Art der Aufbahrung hat der Altvorsteher und damalige Gemeinderat Mane Vogt von kirchlicher Seite allerdings eine Rüge erhalten. «Meiner Meinung nach aber habe ich richtig gehandelt. Gerne hätte ich alle drei in einem gemeinsamen Grab beisetzen lassen. Leider drang ich hier nicht durch.»

Die ganze Gemeinde Balzers hat unter diesem schweren Unglücksfall gelitten, die Anteilnahme war entsprechend gross. Es gab eine Beerdigung, an der praktisch das ganze Dorf und viele Auswärtige teilnahmen. (dv)

Quelle: «Mier z Balzers – Lebensart»

01. Mai 2020 / 20:38
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