• Schlittenhunde Rennen Sennwald 03
    Vergangenes Jahr führte der Schlittenhundeverein Liechtenstein nach mehreren Jahren Pause wieder ein Wagenrennen durch. Dieses fand allerdings nicht in Balzers, sondern über dem Rhein statt.  (Rudi Schachenhofer)

Vierbeiner haben Freude am Zugsport

In Liechtenstein sind die Schlittenhundesportler nicht im hohen Norden, sondern in der südlichsten Gemeinde zu Hause.

Bei einem Schlittenhundegespann hat man sofort eine idyllische Winterlandschaft vor Augen – weit im Norden, zum Beispiel in Alaska oder Sibirien. Nur das Hecheln der Huskys sowie das Knirschen der Kufen ist zu hören, während sie in gleichmässigem Tempo eine Spur durch den Schnee ziehen. Doch auch hierzulande gibt es sogenannte «Musher» (Lenker), die mit ihren Hunden an Rennen in der Schweiz teilnehmen. «Die Energie, welche die Hunde ausstrahlen. Die Freude und der Laufwille, die sie währenddessen haben. Ihr Fell, das im Schnee glitzert. Das ist mit nichts zu vergleichen», schildert Daniel Hanselmann, Präsident des Schlittenhundevereins Liechtenstein. Ihm zufolge werden je nach Gespanngrösse Geschwindigkeiten von neun bis 25 km/h erreicht.

Gegründet wurde der Ve-rein im Jahr 1999, der erste Präsident war Walter Frei aus Balzers. Heute hat er seinen Sitz immer noch in der südlichsten Gemeinde des Landes, obwohl nur vier der 18 Mitglieder in Liechtenstein wohnen. Der Präsident, welcher in Salez wohnt, bedauert das: «Es dürften gerne mehr sein.» Die Randsportart kann grundsätzlich jeder Hund ausüben, der laufwillig ist und Spass am Ziehen hat. Die Wettkämpfe werden nach Gespanngrösse (bis zu acht Hunden oder unlimitiert) aufgeteilt. Gleichzeitig wird zwischen reinrassigen und offenen Tieren unterschieden. Zu ersten Kategorie gehören der sibirische Husky, der Samojede, der alaskische Malamute sowie der Grönlandhund.

«Hunde sind die eigentlichen Sportler» 
Sobald das Thermometer am frühen Morgen oder gegen Abend weniger als 15 Grad anzeigt, ruft das Training. «Bei diesen Temperaturen ist die Gefahr einer Überhitzung der Hunde relativ klein», erklärt Hanselmann. Unter guten Bedingungen können die Schlit-ten – entweder auf Kufen durch den Schnee oder mit Rädern auf den Strassen – von September bis April gezogen werden. In den Sommermonaten halten sich sowohl die «Musher» als auch ihre Hunde bei Wanderungen oder kurzen Radtouren fit – ohne Zugbelastung. Gelegentlich folgt darauf eine Abkühlung im Wasser.

Wie Präsident Daniel Hanselmann berichtet, durfte der Schlittenhundeverein Liechtenstein schon einige Pokale mit nach Hause nehmen und ist immer wieder einmal auf dem Podest anzutreffen. Im Januar landete etwa der Balzner Dominique Perret-Gentil beim Rennen des Schweizer Schlittenhundesportvereins in San Bernardino auf dem dritten Platz (Gespann mit vier Hunden). Hauptakteure sind wohlgemerkt stets die Tiere, betont Daniel Hanselmann: «Erfolg erreicht man nur im Team mit den Hunden, das sind die eigentlichen Sportler.» Insofern stehe und falle alles mit ihrer Motivation: «Haben die Hunde keine Lust, bleiben sie stehen. Tiere sind eben keine Menschen». Preisgelder gibt es keine, womit die Freude an der Bewegung und die Gesundheit der Vierbeiner im Vordergrund steht. «Die Corona-Pandemie tangierte uns bis jetzt nicht sonderlich», berichtet Hanselmann. Denn viele Rennen mussten ohnehin abgesagt werden, da der Winter nicht ausreichend Schnee brachte.

Föhn verhindert Rennen in Balzers 
Zu den Höhepunkten des Schlittenhundevereins gehören insbesondere die selbst organisierten Wagenrennen, welche bis 2009 in Balzers durchgeführt wurden. Diese lockten «Musher» aus der Schweiz und anderen Ländern nach Liechtenstein. Den Zuschauern wurde – neben der Festwirtschaft – ein rares Rennspektakel geboten. Die Strecke startete beim Sportplatz Rheinau, führte am Rhein entlang bis zum Ellhorn und zurück. Letztlich führte die besondere Wetterlage der Gemeinde zum Ende der Rennen. Aufgrund des Föhns herrschten oft Temperaturen über 15 Grad, weshalb die Veranstaltung mehrmals abgesagt werden musste. Unter solchen Voraussetzungen wäre eine Weiterführung schwierig gewesen, erzählt Hanselmann: «Dazu kamen noch Probleme mit der Infrastruktur und den Parkplätzen für die Teilnehmer.»

Im vergangenen November, anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Schlittenhundevereins Liechtensteins kam es nach mehreren Jahren der Pause zu einer Neuauflage des Wagenrennens. Allerdings nicht in Balzers, sondern in Sennwald. Rund 60 Teilnehmer waren am Start. Darunter eine Delegation, welche die Schweiz wenige Tage davor an den Weltmeisterschaften in Schweden vertreten hatte. Hanselmann schliesst die Durchführung mit einer positiven Bilanz ab. Eine Rückkehr nach Balzers für ein Rennen kann er sich aktuell nicht vorstellen, weil «der benötigte Platz nicht zur Verfügung gestellt werden kann und der Föhn doch sehr präsent ist». (gk)

29. Apr 2020 / 22:02
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