• Pföhrassler
    Jonas Kaufmann im Element - seit 2014 dirigiert er die «Phörassler» durch die närrische Zeit.

Enthusiasmus und Zusammenhalt

Die Balzner «Pföhrassler» hatten in der vergangenen Fasnachtssaison gleich doppelten Grund zum Feiern: Zum einen hatten sie einmal mehr eine Riesengaudi untereinander, zum anderen war es die 30. Fasnacht, in der sie sich durch die närrische Zeit spielten.

Wenn der Hudigäggeler «Ein Abend auf der Heide» erklingt, dann sind meist die Balzner «Pföhrassler»unterwegs. Das Lied darf in ihrem Bus nämlich nie fehlen, wenn sie die närrische Zeit über auf Tour sind. Den Text singen sie mit – aus voller Kehle. Und schunkeln gerade mal so fest, dass der Bus nicht umfällt. Wer die «Pföhrassler» kennt, weiss, dass der schunkelnde Bus eines ihrer Erkennungszeichen ist. «Die Leute sollen vor unseren Auftritten sehen, dass wir bereit sind, Vollgas zu geben», sagt Jonas Kaufmann, Dirigent der Balzner Guggergruppe. Einen Monat ist es nun her, dass er mit den «Pföhrasslern» wochenlang Vollgas gegeben hat. «Es war eine tolle Fasnacht», erinnert sich der 26-Jährige gerne. Und eine lange: «Der Enthusiasmus, der Zusammenhalt und die Freude am gemeinsamen Musizieren trägt uns Gugger jedoch über jede kleine oder grössere Müdigkeitskrise hinweg», sagt Jonas Kaufmann.

Hellwach sind die «Pföhrassler» aber dann, wenn sie «Down on the corner» von «Creedence Clearwater Revival» spielen und die Fans dazu abgehen. Oder wenn sie «Hallelujah» von Alexandra Burke zum Besten geben und das Publikum lauthals mitsingt. Wenn sich Jonas Kaufmann an solche Momente zurückerinnert, strahlt er über das ganze Gesicht – als «wahre Glücksgefühle» beschreibt er die Auftritte mit seinen Gugger Freunden. Wobei der Dirigent dabei auch schon ganz schön ins Schwitzen gekommen ist – und dies nicht etwa wegen zu warmer Klamotten in ohnehin von Feiernden erhitzten Sälen. «Es war der allererste Auftritt als Dirigent», erzählt er und verzieht schon das Gesicht. Die Gruppe spielte ein neues Lied – und verhedderte sich im Ablauf. «Die eine Hälfte spielte etwas komplett anderes als die andere», erinnert sich Jonas Kaufmann nur ungern. Verzweifelt habe er den Blick­kontakt mit den Registerchefs gesucht. Doch diese blickten ebenso ratlos zurück. Abbrechen oder durchziehen? Der Dirigent entschied sich für das Letztere – und schliesslich gelang es ihm auch, die Gruppe in Einklang zu bringen, und der 26-Jährige hat die Feuertaufe mit einem blauen Auge überstanden.

Apropos blaues Auge: Natürlich ist unter den Guggern nicht immer alles nur Friede, Freude, Eierkuchen. «Manchmal kommt es auch zu kleineren Reibereien», sagt Jonas Kaufmann. Keine Schlägereien, vielmehr Wortgefechte, die aber auch bald wieder vergessen seien. «Angesichts der Müdigkeit, dem unregelmässigen Essen und den getakteten Auftritten ist es aber auch nicht verwunderlich, wenn sich da mal zwei in die Haare kommen.» Der Zusammenhalt stehe dennoch über allem – «wir sind wie eine Familie», so der Balzner. Eine Familie, in der es eben auch mal Uneinigkeiten gibt, die aber stets  zusammenhält.

Dirigent und Schneider: Ein Multitalent

Schon seit acht Jahren gehört Jonas Kaufmann zu dieser grossen Familie. «Die Guggenmusik hat mich schon immer fasziniert», erzählt er. «Vor allem, als dann auch mein Bruder und einige meiner Kollegen zu den ‹Pföhrasslern› gingen, wollte ich auch einer von den Guggern sein.» Wurde er 2011 dann auch, fast: «Weil ich noch nicht volljährig war, machten die ‹Pföhrassler› eine Ausnahme, ich durfte aber nur die Fahne tragen.» Ein Jahr später zog er dann mit der närrischen Meute als Neumitglied mit der Posaune mit. Nochmals ein Jahr später führte er die «Pföhrassler» als

Vize-Dirigent an. 2014 war er der neue Präsident der «Pföhrassler». Selbstverständlich bleibt er auch nach acht Jahren der Balzner Guggenmusik treu – «allerdings gebe ich nächstes Jahr das Amt als Dirigent ab.» Er freue sich, sich wieder ganz auf das Spielen konzentrieren zu können. Die Fasnachtssaison 2019/2020 wird demnach seine letzte als Dirigent sein. Mittlerweile hat Jonas Kaufmann auf die Trompete gewechselt – «die taugt mir noch besser.» Übrigens hat der gelernte Chemielaborant vor seiner «Pföhrassler»-Karriere kein einziges In­strument gespielt. «Learning by doing» ist sein Geheimnis. Sein Interesse an Instrumenten ist geweckt, sein nächstes Projekt: Gitarre spielen lernen. «Learning by doing» heisst es allerdings bei Jonas Kaufmann auch, wenn er seine Kostüme näht. Noch nie habe er eines machen lassen, alle sind sie jeweils von seinen eigenen Händen geschneidert. Ein Naturtalent im Handarbeiten? Der Balzner lacht: «Überhaupt nicht!» Ab und an gehe wieder eine Naht auf, oder es würden sich am Kostüm angenähte Accessoires locker  machen. Dann muss eben wieder Nadel und Faden her. Insgesamt wende er ungefähr 50 Stunden für das Schneidern seines Kostüms auf. «Während etwa zwölf Wochen sind die Abende dann ausgefüllt.»

Grosses Jubiläumsfest: 30 Jahre Pföhrassler

Ausgefüllt ist die Zeit als Gugger ganz grundsätzlich. «Es kostet tatsächlich viel Zeit», sagt der Balzner. Etwas ruhiger sei es in den Monaten Juli und August. Danach beginnen die wöchentlichen Proben, dann folgen Wochenenden mit Auftritten im In- und Ausland, bevor die Hauptfasnachtszeit ansteht. Ist diese vorbei, beginnen bereits wieder die Vorbereitungen für die nächste Saison. Das heisst: Die «Pföhrassler»sindderzeit mittendrin, ihre nächste Saison zu planen. «Volk der Kelten» heisst das neueMotto, auf die Kostüme darf man gespannt sein. Noch ist nichts entschieden, aber eventuell könnte einer ihrerAusflüge nach Kroatien gehen, zum Euro-Karneval. Bereits vor drei Jahren nahmen die «Pföhrassler» am uro-Karneval teil, damals in Verona. Für Jonas Kaufmann gehört dieser Ausflug zu einem der grössten «Pföhrassler»-Highlights: «Nach unserem offiziellen Auftritt in einer Arena vor Hunderten von Menschen spielten wir nebenan auf einer Treppe», erinnert er sich gerne. «Es kamen immer mehr Leute, klatschten, sangen und tanzten mit – das war einfach genial!»

Genial wird es mit Sicherheit auch am 18. Mai, wenn die 30. Fasnachtssaison der «Pföhrassler» ihren gebührenden Abschluss findet. Geplant ist ein grosses Fest mit viel Spiel und Spass. Eingeladen sind alle Guggenmusiken des Landes sowie alle Balzner Vereine. Am Abend laden die «Pföhrassler» dann auch die Öffentlichkeit in den Balzner Saal ein, gefeiert wird mit den «Fäschtbänklern» und der Schweizer Band «Brass Department». Und wer weiss – vielleicht erklingt an diesem Jubiläumsabend auch noch das Lied «Ein Abend auf der Heide» – denn wenn die Pföhrassler Vollgas geben, darf ihr Song natürlich nicht fehlen ...

11. Apr 2019 / 18:19
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