Ein Rekord, der gar keiner ist

Im Internet – genauer auf Wikipedia – wird berichtet, dass Liechtenstein mit dem Balzner August Wolfinger einen Olympiarekord hält. Er soll mit 14 Jahren und 86 Tagen die Olympiaabfahrt 1964 gefahren sein. Tatsächlich war Wolfinger damals 24.
Ski alpin. 

«Wie das ins Internet kam, weiss ich auch nicht. Aber ich bin schon ein paar Mal darauf angesprochen worden», erklärt August Wolfinger auf Anfrage und weiter: «Mit 14 Jahren an Olympische Spiele. Das kann doch gar nicht sein, da wär ich ja noch ein Schüler gewesen». Der heute 78 Jahre alte Rentner meint zudem: «Ich bin Jahrgang 1940. An den Spielen in Innsbruck war ich 24 Jahre alt und nicht 14».

Das grösste der ganzen Karriere
Wie bei allen Sportlern war für Wolfinger die Teilnahme an den Olympischen Spielen aber das grösste seiner Karriere. Es blieb für ihn bei der einmaligen Teilnahme. Er startete in der Abfahrt, im Riesenslalom und Slalom. Heute ist der Pensionär immer noch begeisterter Skifan. «Natürlich habe ich die Rennen von Marco Büchel verfolgt und drücke Tina Weirather immer die Daumen», so Wolfinger.  Die Erinnerungen an die Olympischen Winterspiele vor 55 Jahren in Innsbruck sind aber  nicht alle positiv. Im Abfahrtstraining 1964 am Patschenkofel verstarb der Australier Ross Milne. Er stürzte und fuhr dann abseits der Piste gegen einen Baum. Trotz sofortiger Überstellung in die Universitätsklinik Innsbruck konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. Bei der Obduktion wurde ein Riss der Aorta als Todesursache benannt.

Zudem verletzten sich beim Abfahrtstraining zwei Kollegen Wolfingers aus dem neun Mann starken Liechtensteiner Team. Der Vaduzer Wolfgang Ender brach sich beide Wadenbeine und verletzte sich zudem an den Schienbeinen. Auch Edmund Schädler verletzte sich damals im Abfahrtstraining.
Kurios sind die kurzen Zeitungsberichte der damaligen Zeit. So hat sich der Journalist im «Vaterland» nach der Abfahrt massiv über die Berichterstattung im Schweizer Fernsehen aufgeregt. Wortwörtlich heisst es in der Zeitung: «Einmal mehr ist es passiert, dass man die Liechtensteiner im Schweizer Fernsehen nicht erwähnte. Wohl brachte der neutrale Bildschirm Herrn Wolfinger aus Balzers in der Abfahrt, jedoch der Ansager am Schweizer Fernsehen erwähnte mit keinem Wort unseren Fahrer.»

60 000 Zuschauer beim Riesenslalom
Der damalige Journalist regt sich in seinem Bericht weiter auf und erwähnt die Beiträge die Liechtenstein an die damalige PTT einzahle. Schliesslich beruhigt sich der nicht ganz objektive Berichterstatter und bedankt sich über die Zeitung beim österreichischen Fernsehen, weil der dortige Ansager zwei Liechtensteiner Sportler namentlich erwähnt und deren Zeiten durchgegeben haben soll. FürAugust Wolfinger waren die Spiele auf alle Fälle ein grosses Erlebnis. Die Eröffnungsfeier verolgten 50 000 Zuschauer und dem Riesenslalom wohnten gar 60 000 Zuschauer live bei. (kop)

08. Apr 2019 / 11:06
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