• Spuk Gutenberg
    Ob sie wohl so ausgesehen hat? Man weiss es nicht, es bleibt ein Geheimnis.  (HadelProductions)

Auf den Spuren der Fee von Burg Gutenberg

In Balzers erzählen die Menschen von einer Sage, die von einer guten Fee handelt. Auf Burg Gutenberg soll sie einst gelebt und gewartet haben, erlöst zu werden. Einem Bauernbub ist es nicht gelungen, sie zu retten. Vielleicht zeigt sie sich dem «Vaterland»?

Den schmalen, kurvigen Weg hoch zur Burg Gutenberg bin ich schon öfters gelaufen – zu Hochzeiten, zu Presseterminen, erst kürzlich zum 300-Jahr-Jubiläumsmarsch. Noch nie aber im Dunkeln. Und ich muss sagen: Es fühlt sich schon ein bisschen komisch an. Keine Menschenseele weit und breit. Nur der Wind, der die Blätter auf den Bäumen ab und an rauschen lässt. Ich habe abgemacht – mit der Fee von Gutenberg. Zwar weiss ich gar nicht richtig wo. Und überhaupt: Bestätigt hat sie keinen meiner Termine, die ich über die verschiedensten Kanäle vorgeschlagen habe.

In Balzers wird oft über die Fee von Gutenberg erzählt – gesehen hat sie allerdings noch niemand. Nur der kleine Bauernbub aus Balzers, der vor langer Zeit beim Beerenlesen bis zur Burg Gutenberg hinaufgekommen ist. Da sah er plötzlich dicht unter der Burgmauer etwas glänzen, wie sich die Menschen die Balzner Sage erzählen. Neugierig kletterte er den Hang hinauf und er täuschte sich nicht – da lagen unzählige Schneckenhäuschen. Aber keine gewöhnlichen: Sie waren aus purem Gold und strahlten in der Sonne so hell, dass man die Augen fast schliessen musste.

Eine schöne Frau mit blonden, langen Zöpfen

Die Augen zu schliessen, getraue ich mich im Moment gerade nicht – ich könnte das angeblich sehr anmutende Wesen verpassen. Sofern ich seine Stimme auch hören kann – vom der Rietstrasse hoch ertönt der Lärm der Autos. Je weiter ich jedoch zur Burg hochsteige, desto entfernter klingen die Motorengeräusche. Ich konzentriere mich – und höre aufgeregt ins Dunkle hinein.

Aufgeregt war sicherlich auch der Bauernbub, als er eine zart flehende Stimme hörte. Als er aufschaute stand vor ihm eine zauberhaft schöne Frau in weissen, weiten Kleidern und mit blonden, langen Zöpfen. Die schöne Frau sagte ihm, dass er sein Glück machen könne, wenn er den Mut zu einer tapferen Tat habe. Sie sei nämlich eine verzauberte Prinzessin, die schon seit vielen 100 Jahren auf ihre Erlösung warte. Immer nach 100 Jahren, an einem bestimmten Tag, erscheine sie mit ihrem Schatz, den sie hüten müsse. Da klopfte dem Jungen vor Aufregung das Herz. Er versicherte der Prinzessin hoch und heilig, alles zu tun, was sie von ihm wolle. Die Fee blickte ihn zärtlich an und seufzte dann: «Das ganze ist nicht ungefährlich. Du musst mich nämlich dreimal an meinen Zöpfen im Kreis herumschwingen und darfst dabei kein Wort sagen, darfst nicht auf meine Zöpfe schauen und darfst mich auf keinen Fall loslassen. Ich wäre so glücklich, wenn es dir gelänge.»

Nur noch Schlangen in den Händen ...

Ich stelle mir die Fee vor – wunderschön, eben wie eine Fee. Unwillkürlich frage ich mich, ob ich diese Aufgabe erfüllen könnte, sollte sie tatsächlich erscheinen und mich um dasselbe bitten. Und: Ich bin zuversichtlich. So schwer kann eine Fee gar nicht sein, dass ich sie nicht im Kreis herumschwingen könnte. Zugegeben – nur schon der Gedanke daran raubt mir fast den Atem. Ebenso der Glockenschlag, an dem ich mich soeben schier zu Tode erschreckt habe. «Cool bleiben», denke ich mir, während sich die Anspannung in meinem Körper so richtig breit macht.

Weniger angespannt war der Bauernbub: Er sah in seiner Aufgabe keine Schwierigkeit und rief voller Zuversicht: «Das wäre ja gelacht!» Er fasst die schöne Frau an den Zöpfen, schloss fest die Augen und presste die Lippen zusammen, damit ihm nicht aus Versehen ein Wort entschlüpfte. Dann holte er tief Luft und schwang die Fee kräftig herum. Da seufzte sie, denn einmal war es gelungen. Auch zum zweiten Mal hatte er sie ohne Zögern herumgeschwungen. Nun nahm er alle Kraft und Mut zusammen – noch ein letzter Schwung, dann war das Glück in seinen Händen. Fast war er schon das dritte Mal herum, doch dann musste er – er konnte einfach nicht anders – einen ganz kurzen Blick auf die wunderschönen goldglänzenden Zöpfe werfen. Aber Himmel, was war das? In diesem Augenblick hatte er nur noch zwei Schlangen in den Händen und es schlüpften ihm die Worte heraus: «Jesses, wie kalt!»

Da hört die Liebe zum Beruf auf

Kalt ist es auch an diesem Mittwochabend und es schüttelt mich. Vor allem aber der Gedanke an die beiden Schlangen lässt mich erschauern – ich habe fürchterliche Angst vor diesen Reptilien. Ganz ehrlich: Schon eine Blindschleiche bringt mich komplett aus dem Konzept und ich frage mich, ob es hier oben welche haben könnte. Von Schritt zu Schritt wird mir unbehaglicher. Nervös wandert mein Blick umher und es wird mir bewusst: Hier im Dunkeln würde ich nie und nimmer eine Schlange erkennen können. Ich würde nur plötzlich bemerken, wie sie ihre Zähne in mein Bein bohrt, sich das Gift in meinem Körper ausbreitet und ich mausbeinalleine am Fusse des Rebberges etwas unterhalb der Burg zu Boden sacken würde ... Nein, da hört die Liebe zu meinem Beruf auf – und auch meine Recherche. Ich drehe um, laufe flugsen Schrittes den Weg abwärts und bin heilfroh, mich in meinem Auto schliesslich in Sicherheit zu bringen.

Nicht in Sicherheit bringen konnte allerdings der Bauernbub die Prinzessin, weil er an der eigentlich so leicht geglaubten Aufgabe scheiterte. Die arme Prinzessin weinte bitterlich: «Nun muss ich wieder 100 Jahre auf Gutenberg den Schatz hüten. Oh weh.» Dann verschwand sie, wie auch der Schatz. Nur noch einige ganz gewöhnliche Schneckenhäuschen lagen im Gras.

Was an dieser Sage wirklich dran ist, weiss wohl niemand. Ebenso wenig, ob die Prinzessin tatsächlich wieder einmal auftauchen könnte. An jenem Mittwochabend liess sie sich jedenfalls nicht blicken ... (bfs)

14. Apr 2019 / 21:09
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