• Musiklehrer Christian Nipp freut sich, wenn er seine Schüler wieder persönlich sehen kann.
    Musiklehrer Christian Nipp freut sich, wenn er seine Schüler wieder persönlich sehen kann.  (Tatjana Schnalzger)

Abstand bei Gesangsstunden gut möglich

Der Balzner Christian Nipp ist nicht nur als Solist, sondern auch als Musiklehrer und Chorleiter bekannt. Nun unterrichtet er online.
Balzers. 

Erst kürzlich standen Sie bei der Operette Balzers auf der Bühne. Nun wurden alle anstehenden Anlässe abgesagt. Wie stark trifft Sie das Veranstaltungsverbot?
Christian Nipp: Die Operette Balzers wäre ja fast auch betroffen gewesen. Wir zitterten bis zum letzten Tag, ob wir die Derniere noch spielen dürfen. Abgesehen von der Operette hat das Veranstaltungsverbot mich und meine Chöre recht stark betroffen, weil wir viele Termine wie Auftritte, GVs, Probewochenenden und Mitwirkungen an Messen absagen mussten. Der Schaaner Divertimento Chor hätte zum Beispiel im Mai ein Konzert gehabt. Auch dies mussten wir schweren Herzens absagen. Da man nicht weiss, wann die Massnahmen wieder gelockert werden, ist es jede Woche ein erneutes Nachfra­gen und Abwägen. In den Vorständen diskutieren wir laufend, was ist noch möglich und was ist noch sinnvoll aufrechtzuerhalten?

Hätten Sie in dieser Zeit auch eigene Auftritte gehabt?
Beim diesjährigen Musikschulfest wäre ich beispielsweise als Basssolist aufgetreten. Doch diesen Anlass hatte die Leitung der Musikschule recht früh um ein Jahr verschoben.

Welche Alternativen haben Sie sich überlegt, die nun fehlenden Auftritte zu kompensieren? Sind Onlinekonzerte geplant?
Überlegt habe ich mir das schon, aber die Idee nicht weiterverfolgt. Diese Onlinekonzerte sind ja nicht das Gleiche wie Liveauftritte – eigentlich sind es meistens aufwändige Studio-Nachbearbeitungen von Aufzeichnungen. Klar könnte man vielleicht einigen Leuten eine Freude damit bereiten. Aber was bei den Konzerten etwas vom Schönsten ist, dass man musizierend mit begeisterten Menschen zusammenkommt, dass man die gute Energie spürt und dass man mit dem Publikum interagieren kann. Dies fällt online völlig weg. Aber es ist eine Möglichkeit, trotz Versammlungsverbot wenigstens via Bildschirm in Kontakt mit dem Publikum zu gelangen.

So bleiben Sie ja auch mit Ihren Musikschülern in Kontakt.
Ja. Da der Präsenzunterricht von einem Tag auf den anderen verboten wurde, musste die Musikschule schnell nach Lösungen suchen. So kam es, dass wir per Videotelefonie-Apps rasch mit unseren Schülern Kontakt aufnahmen. Obwohl es nicht das Gleiche ist, funktioniert der Onlineunterricht relativ gut. Man kann in Kontakt bleiben und auch an Projekten weiterarbeiten. Die Leute sind sehr froh, wenn sie in der Isolation sind und wieder einmal online eine Gesangsstunde haben können. Auch wenn man sie wegen den technischen Verzögerungen kaum am Klavier begleiten kann und öfter Ton- und Bildstörungen auftreten.

Was ist online alles möglich?
Man kann mit den Schülern Stimmübungen machen oder sie etwas vorsingen lassen. Ich schicke ihnen aber auch manchmal eine Aufnahme einer Klavierbegleitung oder Links zu Aufnahmen des Stückes und lass sie dann dazu singen. Danach gebe ich ihnen Feedback und Verbesserungsvorschläge. Manche senden mir auch Videos von sich zur Beurteilung. Es gibt Möglichkeiten, aber via Bildschirm ist das Unterrichten schon oft anstrengend, zweidimensional und naturgemäss unpersönlicher.
Trotz ersten Lockerungen ist Präsenzunterricht weiterhin verboten. Wie sehen Sie dieses Verbot?
Es ist klar, dass es ein Verbot geben musste, um die Schutzmassnahmen umzusetzen. In diesem Zusammenhang frage ich mich wie viele Lehrerinnen und Lehrer auch, wann die Regierung eine Lockerung beschliesst. Musikschulunterricht ist meist Einzelunterricht. Im Fach Gesang beispielsweise wäre der vorgegebene Abstand leicht umzusetzen.

Und wie sieht der Unterricht bei den Chören aus? Findet auch der online statt?
Meine Chöre sind grossteils am Pausieren. Gemeinsam mit den Vorständen versuchen wir herauszufinden, was wir machen können. Für einen Chor habe ich begonnen, Aufnahmen zu machen und zu verschicken, damit sie sich die Stücke zu Hause anhören und üben können. Ein wichtiger Aspekt der Chöre ist ja, dass man zusammenkommt und gemeinsam musiziert. Dies geht völlig verloren, wenn jeder einzeln am Bildschirm etwas einsingt. Die verschiedenen Chorprojekte im Internet werden ja auch nicht live eingesungen, sondern separat aufgenommen und von einem Studio zusammengefügt.

Wie sieht momentan Ihre Zukunftsplanung aus?
Eine Zukunftsplanung ist schwierig. Wir müssen jetzt Woche zu Woche abwarten, wann man wieder mit mehr als fünf Personen zusammenkommen darf. Man sollte mit mindestens 50 Leuten wieder zusammenkommen dürfen, sonst macht eine Chorprobe keinen Sinn. Mit manchen Vorständen haben wir schon besprochen, dass wir die Frühjahrskonzerte um ein Jahr verschieben. Bei Chören, die ihre Konzerte im Herbst geplant haben, warten wir noch ab. Vielleicht ist es ja im Juni wieder möglich zu proben.

Sind auch schon wieder eigene Auftritte geplant?
Die Operette Balzers beispielsweise wird 2022 «Eine Nacht in Venedig» aufführen. Da interessiert es mich schon, ob es dort eine Rolle für mich gäbe. Auch wenn ich noch nicht weiss, ob ich wieder mitmachen darf. Ich kenne das Stück noch nicht so gut und wäre es gerne mit Kollegen noch auf verschiedenen Bühnen anschauen gegangen, aber dies ist momentan natürlich nicht möglich.
Wie sieht es bei Ihnen finanziell aus? Mussten auch Sie Unterstützung beantragen?
In der Musikschule war zum Glück recht schnell klar, dass es bei uns derzeit keine Lohnkürzungen oder Kurzarbeit geben wird. Dafür sind wir natürlich sehr dankbar. Wir sind angehalten, Onlineunterricht zu geben, damit die Schüler auch etwas bekommen für ihr Schulgeld. Nichtsdestotrotz erhalten sie eine Ermässigung bei der Semesterrechnung.

Was raten Sie Musikerkollegen, in der jetzigen Situation zu tun?
Schwierig. Probieren, trotz allem zuversichtlich in die Zukunft zu schauen? Ich muss mich da auch selbst immer wieder an der Nase nehmen und versuche, positiv zu denken und nicht zu versauern, damit der Schwung nicht verloren geht. Auch versuche ich zu meinen Chören und Kollegen Kontakt zu halten, dass man – wenn es endlich wieder losgeht – dort wieder gemeinsam Energie tanken kann. Auch tausche ich mich regelmässig mit Kolleginnen und Kollegen aus und bespreche Schwierigkeiten, aber auch Chancen.

Serie #30
Das Coronavirus legt derzeit alles still – auch das Kulturleben.  Das «Vater­land» hat sich bei Kulturschaffende erkundigt, wie es ihnen derzeit geht und was die derzeitige Lage für sie bedeutet. Heute mit Sänger, Musiklehrer und Chorleiter Christian Nipp.

28. Apr 2020 / 20:21
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