• Stefan Ospelt, Ruggell
    Stefan Ospelt erklärt, dass er ein eigenes regionales Label ins Leben rufen will.  (Tatjana Schnalzger)

Migros-Markt in Eschen auf Ende 2021 geplant

Stefan Ospelt führt fünf Supermärkte in der Region mit insgesamt 160 Mitarbeitern. In Eschen soll noch diesen Sommer der Spatenstich für das Geschäft Nummer sechs erfolgen, wie er im Interview verrät.

Der Schaaner Stefan Ospelt hat vor fast 30 Jahren als Quereinsteiger im Detailhandel angefangen. Seitdem ist der Betrieb stetig gewachsen. Nun will der Unternehmer in der Gemeinde Eschen einen weiteren Markt eröffnen. Im Interview spricht er über die Pläne, über die Corona-Zeit und was nach der Krise kommen wird.

Herr Ospelt, die Rückkehr von Migros-Produkten in Eschen rückt näher: Der Eschner Gemeinderat hat den Überbauungsplan genehmigt. Wie sehen Ihre Pläne für den neuen Markt in Eschen aus?

Stefan Ospelt: Es freut mich sehr, dass der Gemeinderat mit der Genehmigung den Weg für den weiteren Verlauf des Bauprojektes geebnet hat. Nach einem längeren Prozess, der sich über vier Jahre hingezogen hat, warten wir nun nur noch die Einspruchsfristen ab und dann kann es von uns aus losgehen. Analog der Märkte in Ruggell (REC) und Balzers (Roxy) ist ein ähnlicher Mix an Geschäften angedacht mit fünf verschiedenen Dienstleistern.

Drei Etagen mit einer Fläche von circa 3000 Quadratmetern sind geplant. Können Sie bereits verraten, welche Dienstleister dort zu finden sein werden?

Neben dem Migros-Markt werden eine Drogerie und eine Bäckerei mit einem Restaurant Einzug in das neue Gebäude halten. Das ist bereits in trockenen Tüchern. Die Eschner Post-Filiale wird im Sommer 2022 ins geplante Einkaufszentrum an der Essanestrasse übersiedeln.

Wann können die ersten Einkäufe getätigt werden?

Wenn alles nach Plan läuft, kann der Spatenstich in den nächsten Monaten erfolgen. Wir rechnen mit einer Bauphase von etwa eineinhalb Jahren, damit bereits Ende 2021 die ersten Einkäufe nach Hause getragen werden können – oder natürlich auch gefahren, da es genügend Parkplätze geben wird. (lacht)

Was beinhaltet das Projekt noch bzw. wie viel werden Sie investieren?

Das Gebäude wird nicht nur Platz für den Supermarkt und für die weiteren Dienstleister bieten, sondern auch Büroflächen und vor allem Wohnungen beinhalten. Da das Angebot an reinen Bürogebäuden in Liechtenstein bereits sehr gross ist, werden bei uns vor allem Wohnungen in den Obergeschossen zu mieten sein. Es ist noch nicht ganz spruchreif, aber wir möchten gerne kleinere und bereits möblierte Wohnungen zur Verfügung stellen.

Haben Sie Befürchtungen, dass es eine Übersättigung geben könnte bei Lebensmittelgeschäften in Liechtenstein?

Mit dem Bau des Supermarktes in Eschen möchten wir vor allem ein Angebot schaffen, das für die Menschen aus Eschen, Mauren, Nendeln und Schaanwald da sein soll. Bis vor fünf Jahren gab es einen Migros-Partner in Eschen und auch jetzt steht die Migros hinter dem Standort.

Machen Sie sich Sorgen, dass Kunden vermehrt über der Grenze in Österreich einkaufen werden?

Während die Umsätze der grossen Einkaufszentren eher rückläufig sind durch den zunehmenden Onlinehandel, haben sich lokale kleinere Zentren als krisenstabiler erwiesen. Einkaufstourismus besteht nicht erst seit gestern und wird es immer geben. Genau deshalb ist es das A und O, für die lokal einkaufenden Kunden einen Mehrwert zu schaffen, ihnen genau zuzuhören, welche Bedürfnisse sie haben bzw. welche Nachfrage besteht, die gedeckt werden soll.

Hat sich das Einkaufsverhalten während der Krise verändert?

Für mich hat die Krise gezeigt, wie wichtig die lokale Versorgung durch regionale Produzenten ist. Als Weissmehl im Grosshandel beispielsweise ausverkauft war, konnte uns die Stricker Mühle in Grabs weiterhin beliefern und so Engpässe verhindern. Allen Lieferanten und Produzenten ist an dieser Stelle bitte mein grosser Dank auszusprechen, der aus tiefstem Herzen kommt. Auch meinen Mitarbeitern, die in dieser anspruchsvollen Zeit Grossartiges geleistet haben und noch immer tagtäglich vollen Einsatz geben, ist mehr als nur zu danken. Jeden Tag von Neuem zu sehen, dass wir alle an einem Strick ziehen, ist für mich einfach nur beeindruckend.

Was wird nach der Krise kommen?

Wir werden noch mehr auf lokale Produzenten und Versorger setzen. In Planung ist die Lancierung einer Eigenmarke und eines eigenen Labels mit circa 20 regionalen Produkten, die nur für uns hergestellt werden – zum Beispiel vom Bangshof in Ruggell. Das ganze Unternehmen wird dann unter einem neuen Logo mit neuem Namen firmieren, das wir im Spätsommer vorstellen werden.

Sie führen in der Region fünf Märkte, davon drei in Liechtenstein und zwei in der Schweiz. Was können Sie uns über Ihr Unternehmen verraten?

Als ich 1988 angefangen habe, waren wir zu sechst. Mittlerweile sind es 160 Mitarbeitende, die in den fünf Märkten tagtäglich ihrer Arbeit nachgehen. Die Gesamtfläche der Lebensmittelgeschäfte allein beläuft sich auf 5500 Quadratmeter, auf denen 2 Millionen Kunden jährlich aus Liechtenstein und der Schweiz einkaufen. In einem Jahr werden beispielsweise 80 000 Kilogramm Bananen nachgefragt. Würden wir sie aufeinander stapeln, entspräche das einem Turm von 1900 Metern, der höher als der Burj Khalifa wäre.

Das Projekt in Eschen hat wahrscheinlich derzeit Priorität. Planen Sie dennoch schon weitere Märkte in der Region?

Eschen hat auf jeden Fall höchste Priorität und meine Energie werde ich komplett diesem Projekt widmen. Dennoch gibt es auch Pläne für die bestehenden Märkte. Zum Beispiel das Gebäude in Grabs: Es ist etwas in die Jahre gekommen und ein Umbau, eine Sanierung oder ein Neubau würde Sinn ergeben. Mit der Firma Victualis betreiben wir einen Grosshandel, der mehr als 150 Kunden im Detailhandel beliefert und nun mehr Platz braucht. So wird in naher Zukunft ein neuer Standort in Schaan bezogen werden mit einem Lager auf circa 800 Quadratmeter Fläche. Als oberstes Credo gilt es, wie bereits weiter oben kurz erwähnt, immer genau zuzuhören, was unsere Kunden möchten bzw. was nachgefragt wird oder wo die Reise hingehen soll. Daran orientieren wir uns und werden unsere Strategie immer danach ausrichten.

Sie kommen aus einer Familie, in der der Detailhandel Tradition hat. Warum haben Sie damals den elterlichen Betrieb in Vaduz übernommen?

1988 habe ich den Städtlemarkt in Vaduz von meinen Eltern übernommen und mit grosser Freude von Anfang an immer selbst mitangepackt. Ich stand hinter der Kasse, war an vorderster Front und räumte Regale ein. Der persönliche Kundenkontakt war immer schon sehr wichtig für mich, denn nur so konnte und kann ich erfahren, wo der Schuh drückt. Auch durfte ich mit tollen Mitarbeitenden zusammenarbeiten, die mir auf meinem Weg geholfen haben. Willi Maier beispielsweise, der heutige Filialleiter des Roxy-Marktes, war schon damals in Vaduz an meiner Seite. Über 30 Jahre später bin ich noch immer ein «Anpacker», doch mittlerweile mehr strategischer bzw. organisatorischer Art. Mir macht es vor allem Spass, Projekte zu planen und zu entwickeln und zu sehen, dass die Kunden «Freude am Einkaufen» haben.

Wollten Sie immer schon einen solchen Weg einschlagen oder gab es einmal einen anderen Traumberuf?

Ich bin ein totaler Quereinsteiger, der eigentlich aus einer traditionellen Metzgerfamilie stammt. Während meiner Ausbildung zum Zahntechniker merkte ich bald, dass dieser Beruf nichts für mich ist. Ich habe die Lehre dann trotzdem erfolgreich abgeschlossen und konnte nach einer Auszeit in den USA im Städtlemarkt im elterlichen Betrieb anfangen. Anfänglich wusste ich nicht, ob mir diese Arbeit gefallen wird, und hatte ein bisschen «Bauchweh». Doch je länger ich im Betrieb war und auch einige prägende Erfahrungen machen durfte, wusste ich, hier bleibe ich. Nachdem ich mir die fachlichen Kompetenzen angeeignet und dementsprechende Ausbildungen nachgeholt hatte, sprang ich ins kalte Wasser und lernte schwimmen. (dal)

15. Mai 2020 / 13:43
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