• «Wir splitten gerade unsere Teams, um den Netzbetrieb sicherzustellen», sagt Philipp Elkuch, VR-Präsident der LKW.

«Wir wollen, dass viele auf grünen Strom umstellen»

Der Liechtensteiner Philipp Elkuch macht die LKW in Schaan und den Industriekonzern Sulzer fit für das digitale Zeitalter. Er spricht über das Ziel der LKW, ganz von Atomstrom wegzukommen.

Von Dorothea Alber 

Herr Elkuch, wie wirkt sich die Corona-Krise auf die LKW aus?
Philipp Elkuch: Diese Krise hat natürlich für uns auch wirtschaftliche Auswirkungen, jedoch steht für uns die Gesundheit unserer Mitarbeiter und die Versorgungssicherheit an erster Stelle. So splitten wir zum Beispiel unsere Teams, um den Netzbetrieb sicherzustellen, und wir reduzieren unseren physischen Kontakt mit Dritten auf das Notwendigste. Wir haben auch unsere technische IT-Infrastruktur erweitert, da die Mitarbeiter inzwischen vermehrt im Home­of­fice arbeiten. Trotz der Schliessung des Ladens bieten wir im Bereich Elektrofachhandel einen Lieferservice an, sowie im Bereich Reparaturen eine Möglichkeit, bei uns Sachen sicher zu bringen und abzuholen. Es geht uns dabei weniger um die Umsätze, sondern um wichtige Leistungen für unsere Kunden aufrechtzuerhalten.


Geht der Glasfaserausbau trotzdem weiter oder wird dieser vorerst ganz gestoppt, und wie wirkt sich Corona noch auf das Geschäft aus?
Der Ausbau geht weiter, während die Abschaltung der bestehenden Kupfer- und Koaxialleitungen in Schaan, Vaduz und Triesen vorerst verschoben wird. Die Versorgung der Bevölkerung mit Internet und Kommunikation hat oberste Priorität. 

Betriebe wie Ivoclar Vivadent fahren in der Produktion auf Minimalbetrieb. Spüren dies die LKW?
Ja, uns geht es wie allen Betrieben in Liechtenstein. Wir verzeichnen signifikante Umsatzrückgänge, sei es im Stromverkauf als auch bei anderen Dienstleistungen. Unsere wichtige Aufgabe ist, kritische Infrastruktur-Dienstleistungen aufrechtzuerhalten und das schaffen wir meiner Ansicht nach sehr gut. Wir sehen aber die grossen wirtschaftlichen Herausforderungen unse­rer Kunden, der Unternehmen in Liechtenstein und wollen sie auch in diesen Zeiten unterstützen.

Was beschäftigt Sie strategisch betrachtet als VR-Präsident der LKW – ungeachtet der Covid-19-Krise – derzeit am meisten?
Ein wichtiges Thema ist für uns sicher die Erzeugung und Beschaffung von erneuerbarem Strom. Das ist in Liechtenstein aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse nicht so einfach, und daher blicken wir diesbezüglich ins Ausland. In Liechtenstein ist es zudem nicht so einfach, insbesondere Gewerbe- und Industriekunden von Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu überzeugen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung. Eine Frage ist zum Beispiel, wie unsere Kunden ihren produzierten Photovoltaikstrom direkt auf Marktplattformen anbieten oder austauschen können.

Lassen Sie uns zunächst bei den erneuerbaren Energien bleiben. Liechtenstein hat europaweit eine der höchsten Atomstromwerte. Hat Liechtenstein Nachholbedarf und die Umstellung verpasst?
Wir müssen 70 Prozent unseres Strombedarfs aus dem Ausland importieren. Wir tun weiterhin alles, was wir können, um den Anteil an inländischen erneuerbaren Energien zu erhöhen. Das Wasserkraftwerk Mühleholzquellen wird zum Beispiel gerade saniert und erweitert, und wir investieren weiterhin in Solaranlagen. Das letzte Grossprojekt war die Windenergieanlage auf And. Dass ein Grossteil der Bevölkerung in Balzers dies abgelehnt hat, müssen wir natürlich akzeptieren. Gerade die Industrie und das Gewerbe hätten jedoch Potenzial, da sie kaum Strom aus erneuerbaren Energiequellen beziehen. Es ist ein Schwerpunkt in diesem Jahr, die Industrie dahingehend zu ermuntern, wir verstehen aber auch, dass die Unternehmen durch die Corona-Krise im Moment andere wirtschaftliche Prioritäten setzen müssen. Die Kosten für die Liechtensteiner Wirtschaft wären aber sehr überschaubar, wenn sie auf erneuerbaren Strom umstellen würde.  

Der zweite Schwerpunkt betrifft die Digitalisierung. Die LKW will nach dem Vorbild des «Quartierstroms» in Walenstadt ein Pilotprojekt starten. Strom wird von den Haushalten selbst produziert und über Blockchain gehandelt. Wie weit ist es fortgeschritten? 
Wir arbeiten an diesem Projekt und können uns vorstellen, dabei sogar einen Schritt weiterzugehen als Walenstadt. Wir stellen uns nicht nur ein Quartier vor, sondern dass in ganz Liechtenstein jede Stromtransaktion über eine solche Plattform abgewickelt wird. Wir wären das erste Land der Welt, das dies so handhaben würde. Wir befinden uns momentan in einer Abklärungsphase und es braucht noch Zeit, bis wir dies flächendeckend einführen können.   

Sind die Stromversorger durch die Digitalisierung bedroht, weil der Handel mit Strom dezentral erfolgt oder ist dies noch Zukunftsmusik?
Die Dezentralisierung der Stromversorung findet bereits statt. Ich würde es nicht als Bedrohung bezeichnen, da es kein disruptiver Prozess wie zum Beispiel in der Musikindustrie ist. Die Versorger können die Chance nutzen, um an diesen Geschäften teilzunehmen. Zum Beispiel können wir beim lokalen Strommarkt und dem Handel von Haushalt zu Haushalt die nötigen Plattformen anbieten. Des Weiteren sehen wir ein grosses Potenzial für Versorger, die Kunden bei der Optimierung ihres eigenen «Energiehaushalts» zu unterstützen, so zum Beispiel bei der Integration von Photovoltaik, Wärme und Elektromobilität im eigenen Haushalt.

Die Energiestrategie Liechtensteins 2030 steht in den Startlöchern. Was erhoffen Sie sich davon?
Wir unterstützen die Strategie zu 100 Prozent. Im Fokus stehen Themen, die uns am Herzen liegen: Energieeffizienz, der Ausbau von Photovoltaik, Wärmepumpen und Elektromobilität. Ein genaues Monitoring ist wichtig, um zu sehen, wie schnell wir auf diesem Weg unterwegs sind, um gesteckte Ziele zu erreichen. Ich denke, wir müssen auch ehrlich gegenüber uns selbst sein, dass manche Zielsetzungen schwierig und zu ambitioniert sind, während wir andere schneller erreichen können. Wir arbeiten sehr eng mit der Politik zusammen.

In Sachen Elektromobilität hat Liechtenstein seine gesteckten Ziele der Energiestrategie 2020 zum Beispiel deutlich verfehlt ...
Wir helfen die Infrastruktur im Land aufzubauen und haben ein Angebot etabliert mit den öffentlichen Ladestationen und Parkfeldern für Firmen. Ich denke, dass es Ladestationen nicht an jeder Strassenecke benötigt, sondern die Autos werden dort geladen, wo sie länger stehen oder parken – daheim oder am Arbeitsplatz. Die Ziele, die in der neuen Strategie für das Jahr 2030 gesetzt sind, erschrecken uns nicht: Sie führen zu einem einstelligen prozentualen Anstieg des Stromverbrauchs in Liechtenstein. Wir sind bereit, aber es braucht auch den Impuls anderer Akteure wie der Autoindustrie, die dies vorantreibt. Ich denke, der Umstieg auf E-Mobilität wird schneller voranschreiten, als wir uns dies heute vorstellen. 

Was ist die Vision der LKW bezüglich der erneuerbaren Energien, wie hoch die Quote künftig sein soll?
Wir würden gern sehen, dass der komplette Energieverbrauch im Land aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Es gibt viel Kritik, weil einige grünen Strom als Ablasshandel betrachten. Dennoch ist es bei dem grossen Importanteil von Liechtenstein einfach nicht anders möglich. Wir halten laufend Ausschau nach neuen Projekten im nahen Ausland, wie der Schweiz, Österreich und Deutschland. Wir konnten jetzt unsere Anteile an den Prättigauer Kraftwerken weiter erhöhen und sind neben einem bestehenden Wasserkraftwerk mit dem Bau von zwei weiteren Wasserkraftprojekten in der Steiermark beschäftigt ... Über eine Partnerschaft betreiben wir Windkraftturbinen in Norddeutschland und konnten diese kürzlich durch den Bau einer weiteren Windturbine erweitern.

Sie sind als Head Digital Strategy bei Sulzer tätig. Der Konzern ist in verschieden Sparten tätig, verkauft Pumpen an die Industrie und Kosmetikprodukte. Was hat in Ihrer Funktion gerade Priorität?
Als Technologiekonzern ist die digitale Transformation bei uns in allen Bereichen wichtig. Insbesondere bei einem unserer Kerngeschäfte, der Herstellung und Wartung von Pumpen, setzen wir digitale Technologien zur Wertsteigerung ein. Ein Beispiel ist «Bluebox». Das ist ein Analysetool, das Ausfälle von Pumpen vorhersehen, den optimalen Zeitpunkt für Wartungen und Informationen in Echtzeit zur Verfügung stellen kann. Ein weiteres Augenmerk legen wir auf den B2B-Bereich, sprich unseren Austausch mit den Kunden. Wir haben verschiedene Kunden von Öl- und Gasunternehmen bis hin zu einem neuen Kosmetiklabel eines Influencers. Unabhängig vom Produkt müssen wir die Grundlagen schaffen, wie wir uns mit Kunden digital austauschen und Informationen bereitstellen können.

Sie wohnen in der Nähe von Zürich. Denken Sie beruflich und privat an eine Rückkehr nach Liechtenstein nach?
Nein, im Moment beruflich nicht. Neben meinem Engagement bei den LKW pflege ich viele Freundschaften in Liechtenstein, sodass ich auch gerne privat meine Heimat besuche. Die Entfernung ist ja nicht so gross. 

28. Mär 2020 / 15:28
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2 KOMMENTARE
Grüner Strom !
Bekomm "ICH" für grünen Strom wenn ich ihn einspeise, tagsüber, auch einen entsprechend anständigen Preis?
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 28.03.2020 Antworten Melden
Grüner Strom
Bekomm "ICH" für grünen Strom wenn ich in einspeise, tagsüber, auch einen anständigen Preis?
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 28.03.2020 Antworten Melden

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