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Bank Alpinum darf Lizenz behalten

Die Liechtensteiner Bank Alpinum darf ihre Lizenz behalten und wagt mit CEO Patrik Läser einen Neuanfang. 
Patrik Läser in Vaduz
Patrik Läser erklärt als CEO der Bank Alpinum, warum das Institut seine Lizenz behalten darf. Er leitet die Bank seit September 2019 und war zuvor als Managing Director für die Verwaltung von 90 Milliarden Franken Vermögenswerten bei der Credit Suisse verantwortlich.

Das Bewilligungsentzugsverfahren der FMA ist abgeschlossen und eingestellt, wie die Bank Alpinum heute mitteilt. Die Bank darf ihre Lizenz behalten. Wie ist der Ist-Zustand?
Patrik Läser: Ich bin überzeugt, die Bank befindet sich auf einem guten Weg. Nach den Herausforderungen der Vergangenheit haben wir viel erreicht und ein stabiles Fundament geschaffen für das weitere Wirtschaften. Regulatorisch und organisatorisch manifestiert sich dies einerseits an der Einstellung des Prüfungsverfahren der FMA. Andererseits hat der Verwaltungsrat Ende des vergangenen Jahres eine neue Strategie auf den Weg gebracht, die wir nun konsequent umsetzen. Wir sind zudem hinsichtlich unseres Kapitals stabil aufgestellt, nichtsdestotrotz ist es noch immer herausfordernd und es liegt noch viel Arbeit vor uns.

Konnte die Bank die Forderung der Finanzmarktaufsicht (FMA) demnach erfüllen, das Eigenkapital zu erhöhen und haben Aktionäre nochmals Geld eingeschossen?
Ja, wir konnten die Anforderungen erfüllen. Unsere Kernkapitalquote liegt inzwischen bei 24 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden zwei Millionen zusätzliches Kapital bereitgestellt, um die Auflagen der FMA zu erfüllen. In absoluten Zahlen lag das Eigenkapital per Ende 2019 bei 19 Millionen Franken.

Das erste Mal in die Schlagzeilen geriet die Bank 2017, als ein leitender Bankangestellter über 10 Millionen Franken veruntreute. Welche Konsequenzen hat die Bank daraus gezogen?
Es gab in der Vergangenheit sicher mehrere Herausforderungen hinsichtlich der Compliance und des Risiko-Managements. Das tatsächliche Expo­­sure der Bank lag in diesem Fall bei sechs Millionen Franken, wobei die Aktionäre für den gesamten Schaden der Kunden aufgekommen sind. Der Verwaltungsrat hat hier einen klaren Fokus gelegt. Wir haben seitdem prozessual als auch personell vieles verändert. Erstens haben wir im Verwaltungsrat und auch in der Geschäftsleitung die Risk- und Compliance-Kompetenz erhöht. Zweitens haben wir das Kontroll- und Weisungswesen  akribisch übergeprüft und optimiert. Und als dritte Massnahme haben wir im Risiko-Management system- und ablauftechnische Verbesserungen im­plementiert. 

Wo kam es zu personellen Veränderungen und musste die Bank Kosten über das Personal einsparen?
Noch bevor ich zur Bank Alpinum kam, gab es einige personelle und strukturelle Veränderungen. Inzwischen gibt es einen Chief Operating Officer und die neue Funktion eines Chief Risk Officers wurde strukturell aufgesetzt. Wir haben grösstenteils über natürliche Fluktuationen Personal abgebaut – von über 50 auf heute 40 Mitarbeitende. 

Was hat sich konkret bei der Compliance verändert, seitdem zum Beispiel ein verurteilter Darknet-Millionär sein Geld bei der Bank parkte? 
Beim Darknet-Fall hat die Bank ihre Sorgfaltspflichten eingehalten und auch von der FMA wurden uns keine Verfehlungen vorgeworfen. Aufgrund des neuen Sorgfaltspflichtgesetzes aus dem Jahr 2018 und auch im Auftrag des Verwaltungsrates, haben wir die gesamten Kundenportfolios überprüft – und sofern notwendig auch Anpassungen vorgenommen. Das ist ein laufender Prozess, den wir jährlich durchführen. Wir haben in dem Review keine signifikanten Kundenrisiken gefunden.

Musste sich die Bank nach dem Review dennoch von einigen Kunden trennen?
Ja, ein Teil der Asset-Entwicklung der Bank war eine gewollte Entscheidung aufgrund der 2019 definierten Strategie. 

Balkan-Kredite wurden aufgrund ihres Ausfallrisikos zum Problem. Wie hoch ist das Risiko durch diese Kredite noch immer, oder ist diese Gefahr inzwischen gebannt?
Bereits 75 Prozent der Südeuropa-Kredite haben wir adressiert und abgebaut. Sprich, heute werden noch circa 25 Prozent dieses Portfolio durch die Bank aktiv bearbeitet. Sollten weitere Wertberichtigungen nötig sein, werden wir diese auch vornehmen.  

Wieso hat die Bank beschlossen, diese Kredite in die dafür eigens gegründete Saniera AG auszulagern?
Wir haben keine Kredite ausgelagert, sondern gewisse illiquide Assets wurden von der Saniera im Rahmen von Restrukturierungsmassnahmen über­nommen. Es war eine signifikante Entlastung in der Bilanz des Unternehmens. 

Sie haben die Bilanz angesprochen. Wie hat sich das alles auf die Zahlen der Bank niedergeschlagen beziehungsweise wie ist die aktuelle Situation?
Ich kann sagen, dass wir gegenüber Ende letztes Jahr einen leichten Rückgang bei den verwalteten Vermögen verzeichnet haben. Allerdings bei weitem nicht in dem Masse wie im Vorjahr. Wir haben im vergan­ge­nen Jahr einen Verlust von drei Millionen Franken geschrieben und Covid-19 wird sich in diesem Jahr sicher auch auf unsere Geschäftsentwicklung auswirken. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir im zweiten Halbjahr eine positive Entwicklung erleben werden und zu gegebener Zeit auch wieder schwarze Zahlen schreiben werden. 

Denken Sie, dass dies im laufenden Geschäftsjahr schon möglich sein wird?
Nein, das ist im Jahr 2020 noch zu früh. 

Um die Gewinnzone wieder zu erreichen, dürfte auch die Strategie der Bank wichtig sein, die Sie ganz am Anfang angesprochen hatten. Wie sieht diese für die Zukunft aus?
Die Stossrichtung ist, dass wir uns als kleine Bank eine Marktposition erarbeiten und Nischen für uns definieren müssen. Wir haben in unserer Strategie zwei Stossrichtungen definiert. Einerseits werden wir gezielt digitale Services in der Interaktion mit den Kunden auf den Markt bringen. Ein konkretes Beispiel dafür ist, dass wir kurz davor sind, den Kunden und Partnern ein komplettes digitales Onboarding für Stiftungen zur Verfügung zu stellen. Andererseits werden wir unsere Vermögensverwaltungskompetenz gezielt ausbauen. Unsere erzielte Outperformance in diesen herausfordernden Märkten zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir wollen uns insgesamt als agile, unternehmerische Bank am Markt positionieren.

Wie ist es als neuer CEO für eine Bank tätig zu werden, die einige schwierige Jahre hinter sich hat? 
Als ich im September des vergangenen Jahres die Position als CEO angetreten habe, war die Ausgangslage sicher nicht einfach. Ich bin aber überzeugt, dass die Bank viele Möglichkeiten hat und sich hin zu einer strategisch fokussierten sowie unternehmerisch erfolgreichen Bank entwickeln kann. Von Anfang an war es wichtig, dass der Verwaltungsrat und die Aktionäre mit der Geschäftsleitung eine gemeinsame Zielsetzung definieren konnten – im Wissen, dass für den wirtschaftlichen Erfolg noch sehr viel getan werden muss und dies auch Zeit braucht.    

Was machte Sie zuversichtlich, trotz Bewilligungsentzugsverfahren von der Credit Suisse zur Bank Alpinum zu wechseln?
Die gemeinsame Zielsetzung und die Erfolgsaussichten, die wir zusammen für die Bank sehen, gaben mir Zuversicht. Persönlich stand für mich zudem im Vordergrund, diese unternehmerische Verantwortung, die gleichzeitig eine Herausforderung ist, übernehmen zu können und einen wichtigen Beitrag zu leisten. Es ist sicher so, dass wir die Diskussion, was wir erreichen wollen und können, sehr intensiv führen mussten. 

Interview: Dorothea Alber

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