• Coronavirus
    Auch Liechtensteiner Gastro-Betriebe können nun doch auf Geld der Versicherung hoffen.  (Daniel Schwendener)

Viele Versicherungen knicken ein

Zwei Rechtsgutachten sorgen dafür, dass Versicherungen ihren Kunden Vergleichsangebote unterbreiten.

Epidemieversicherungen müssen für die Schäden, die durch das Coronavirus entstanden sind, aufkommen. Zu diesem Schluss gelangt ein Rechtsgutachten, welches der Schweizer Verband Gastrosuisse zusammen mit dem Wirteverband Basel-Stadt in Auftrag gegeben hat. «Ein zweites Gutachten des Schweizer Ombudsmannes für Privatversicherungen legt nahe, dass die bisherige Haltung der Versicherungen vor Gericht nicht standhalten könnte», erklärt Andy Bircher von der Funk Gruppe in Vaduz. Als Versicherungsbroker ist er mit den Forde­rungen von Kunden konfrontiert, die auf ihren Schäden durch die behördlich angeordneten Betriebsschliessungen vorerst sitzengeblieben sind. Einige Versicherungen lenken inzwischen ein. Sie geben laut Bircher aber keine Begründung ab, warum sie auf Vergleiche eingehen und den Schaden zum Teil übernehmen.

Anwalt sagt: «Ablehnende Haltung der Versicherer nicht wasserdicht» 

Nach der behördlich angeordneten Schliessung der Gastrobetriebe im März 2020 haben sich Versicherungen wie Basler, Vaudoise oder Mobiliar sofort bereiterklärt, für den durch das Coronavirus verursachten Schaden aufzukommen. Auch die Helvetia hat ihren Versicherten unterdessen ein Angebot unterbreitet, andere Gesellschaften folgten diesem Beispiel. Mittlerweile wurden intensive Verhandlungen mit mehreren Versicherungen aufgenommen.

Führen diese Verhandlungen nicht zu vernünftigen Lösungen, so wird es zwangsläufig zu Prozessen kommen. «Der Umstand, dass Versicherer zum Teil bereits einlenken, ist ein Indiz dafür, dass die teils noch ablehnende Haltung der Versicherer nicht wasserdicht ist», erklärt etwa der Liechtensteiner Anwalt Alexander Amann auf Anfrage. Der Jurist von Schwärzler Rechtsanwälte in Schaan ist bekannt dafür, dass er für die Stiftung Konsumentenschutz das Sammelverfahren gegen VW in der Schweiz im Dieselskandal angeführt hat. Ein solches Verfahren wäre auch in dem aktuellen Fall denkbar, wenn es keinen Vergleich gibt.

Aber der Reihe nach: Pandemien fallen in die Kategorie von Extremereignissen, bei denen die Versicherbarkeit nicht mehr gegeben ist. So lautete der Standpunkt vieler Versicherungen bisher. «Allerdings scheint mir, dass sie sich vor allem auf eine geographische Risikoverteilung stützen, die durch die Pandemie ausgehebelt würde», betont Amann. Die zeitliche Komponente, also dass derartige Versicherungen relativ selten bzw. in zeitlich grossen Abständen in Anspruch genommen werden, werde nicht berücksichtigt. Ebenfalls ausser Acht gelassen werde, dass Versicherungen in der Zwischenzeit die Möglichkeit haben ­– in den langen Phasen, in denen keine Schadensfälle eintreten – ihre Risikovorsorge zu treffen. «Unabhängig davon, ob die Versicherer sich bei ihrer Risikoeinschätzung vertan haben, läuft es letztlich auf eine Auslegung der Bestimmungen im Vertrag hinaus», sagt Amann. Dies sei immer ein Risiko für beide Seiten, somit aber auch eine Chance für die Gastro-Branche.

Vor dem Hintergrund kann man jedenfalls festhalten, dass Unternehmen mit einer solchen Betriebsausfallversicherung Chancen haben, von den Versicherern entschädigt zu werden. «Dies wäre sogar relativ einfach durchsetzbar. Man müsste nicht einmal grosse Sammelverfahren führen, sondern könnte einfach repräsentative Musterverfahren einleiten, wenn die Versicherer nicht gesprächsbereit sind», sagt Amann. 

15. Mai 2020 / 09:30
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