• Heinz Frommelt, Vaduz
    Leitet heute die erste Generalversammlung der Bergbahnen Malbun AG als Verwaltungsratspräsident: Heinz Vogt.  (Tatjana Schnalzger)

«Uns fehlen 800 000 Franken pro Jahr»

Um den Wintersportort Malbun langfristig zu erhalten, brauchen die Bergbahnen Malbun AG zusätzliche finanzielle Mittel. Heute findet die Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2018/19 statt.

Interview: Patrik Schädler

Am 30. Oktober 2018 wurde der Wirtschaftsprüfer Heinz Vogt zum Verwaltungsratspräsidenten der Bergbahnen Malbun AG gewählt. Er übernahm das Amt von Angelika Moosleithner, welche die Bergbahnen seit 2005 präsidierte. Nach seiner Wahl erklärte Vogt vor einem Jahr: «Angelika Moosleithner hat Malbun quasi aufgeforstet. Meine Aufgabe sehe ich nunmehr in der Pflege und der Suche nach Nischen, damit wir den Betriebsertrag steigern können.» Nach einem Jahr im Amt präsentiert aber Heinz Vogt keine neuen Nischen, sondern eine schonungslose Risikoanalyse, welche auch für politische Diskussionen sorgen wird.

Heinz Vogt, Sie sind nun seit einem Jahr Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Malbun AG. Was ziehen Sie für eine persönliche Bilanz?

Heinz Vogt: Es war eine spannende Herausforderung. Ich konnte funktionierende Strukturen übernehmen und auf diesen aufbauen. Aber ich konnte auch schon eigene Ideen einbringen. Das Ganze ist nicht so einfach, wie es aussieht. Es ist nicht nur irgendein «Bähnli». Es wurden 40 Millionen in die Infrastruktur investiert. Man hat Verbindlichkeiten in den Büchern, welche man bedienen muss, man hat Mitarbeiter usw. Und ich muss eingestehen, dass ich es vom Aufwand her etwas unterschätzt habe. Es war ein intensives Jahr. Dennoch ist es eine interessante Aufgabe.

Ist es denn ein lukrativer Job?

Nein, überhaupt nicht. Man muss schon eine gehörige Portion Leidenschaft mitbringen. Alle Verwaltungsräte arbeiten unentgeltlich.  

Und wie sieht ihre Bilanz in Bezug auf das Unternehmen aus?

Meine Vorgängerin Angelika Moosleithner hat zusammen mit dem Verwaltungsrat in den letzten 14 Jahren sehr viel geleistet. Sie hat sehr viel Herzblut und Eigenleistung in die Bergbahnen gesteckt. In dieser Zeit wurde die Bahninfrastruktur erneuert, die Beschneiung installiert und das Jufa-Hotel-Projekt realisiert, um es nur kurz zusammenzufassen. Auch unsere Mitarbeiter machen meines Erachtens einen tollen Job und sind unsere Visitenkarte. Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir schauen müssen, wie es mit den Bergbahnen weitergeht. Alle die sich mit Malbun beschäftigen, wissen, dass sehr viel passiert ist und es sich positiv entwickelt hat. Jetzt müssen wir uns aber mit der Zukunft beschäftigen. Der neue Verwaltungs-rat hat sich deshalb zu einer Strategiesitzung getroffen, um hier die Weichen zu stellen. Dabei wurde klar, dass wir uns vor allem mit der finanziellen Situation auseinandersetzen müssen. Hier haben wir einige Handlungsfelder ausgemacht. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass Staat und Gemeinden die Bahnerneuerung massgeblich finanziert haben und auch Mehrheitsaktionäre sind. Auch die privaten Aktionäre habe damals einen substanziellen Beitrag geleistet. Und es war und ist auch klar, dass die Bergbahnen nicht gewinnbringend betrieben werden können und auch die Aktionäre keine Dividenden zu erwarten haben. Das ist und war die Ausgangslage. Wenn man dies offen analysiert und sich fragt, welche Möglichkeiten wir haben, dann kommt man zum Schluss, dass uns hier finanziell die Hände mehr oder weniger gebunden sind. Auch, wenn verschiedene Ideen vorhanden sind. 

Wenn man das vergangene Geschäftsjahr betrachtet, dann sieht man, dass das operative Geschäft vor Zinsen mit einem Plus von gut 90 000 Franken abschliesst. Aber unter dem Strich resultiert ein Verlust von 1,2 Millionen Franken. Wo liegt Problem?

Einfach erklärt ist es so, dass wir in einer normalen Saison den Betrieb gut aufrechterhalten und allen Verpflichtungen nachkommen können. Das Problem liegt bei den Abschreibungen. Diese nimmt man normalerweise vor, um in Zukunft reinvestieren zu können. Und aufgrund der vorgenommenen und notwendigen Abschreibungen auf den Anlagen haben wir in den letzten Jahren immer ein Defizit gemacht. Dieses nicht vorhandene Geld fehlt aber für die Investitionen der Zukunft. Eigentlich müsste nach den Abschreibungen aber unter dem Strich eine schwarze Null stehen, damit man auch wirklich liquide Mittel zur Seite legen kann. Hier liegt die grosse Krux. Wir können die notwendigen Abschreibungen auf die Anlagen nicht erwirtschaften. Das ist aber schon lange bekannt. Wir haben bereits Verlustvorträge von kumuliert 12 Millionen Franken. Wenn man diese 12 Millionen in der Kasse hätte, dann könnte man auch Projekte vorantreiben. Die Bergbahnen Malbun werden auch in Zukunft auch mit allen möglichen Massnahmen wie Kostensenkung, Attraktivitätssteigerung, Mehreinnahmen usw. dieses Problem nicht alleine lösen können. Die ersten Investitionsprojekte sind bereits in Sicht. Die Sesselbahn Sareis kommt in die Jahre. Hier muss als nächstes das Seil ersetzt werden, und auch die Bahnelektronik ist veraltet. Die Betriebsbewilligung für die Sesselbahn Sareis läuft bis 2023 und dann muss ein neues Gesuch gestellt werden. Spätestens dann stellt sich die Frage, ob man in eine alte Sesselbahn, ohne Hauben und Sitzheizung, investieren soll. Und auch das Gebäude bei der Talstation ist nicht mehr in einem guten Zustand. Wir haben aber schlicht keine eigenen Mittel, um hier zu investieren. Hier müssen wir Lösungen suchen. Und das war auch das Hauptthema im Verwaltungsrat.

Sind von diesem Problem nur die Bergbahnen betroffen?

Nein. Man hat in Malbun nicht nur in die Bergbahnen investiert. Auch die Hotel- und Gastronomiebetriebe und andere Leistungserbringer haben Geld in die Hand genommen und es wurden Arbeitsplätze geschaffen. Und auch der private Wohnungsbau hat in den letzten Jahren nochmals zugenommen. Die Bergbahnen sind aber – zumindest im Winter – die Hauptlebensader von Malbun. Wir sollten jetzt nochmals einen Schritt machen können. Hier gibt es auch schon Ideen von der Strategiegruppe Berggebiet, wie man Malbun attraktiver machen könnte. Diese Ideen betreffen aber nicht nur die Bergbahnen. In der Risikobeurteilung haben wir zum Beispiel festgestellt, dass die Beschneiung als wichtiges Element zwar vorhanden ist, aber wir mit den vorhandenen Schneekanonen limitiert sind. Wir können nur partiell und nicht alles auf einmal beschneien. Zuerst wird die Hauptpiste Täli beschneit und anschliessend die Piste Hocheck. Hier kommt es zu Interessenskonflikten, weil wir zunächst die Piste für die Gäste bereit machen müssen und erst danach die Rennpisten beschneien können. Dies ist für den Skiverband und die Skiklubs natürlich unglücklich. Wir machen 90 Prozent des Umsatzes im Winter und deshalb führt aus Risikoüberlegungen nichts daran vorbei, dass wir hier eine Verbesserung erreichen müssen. Und dies betrifft auch die Hotels in Malbun. Die Gäste wollen heute Schneesicherheit. Ist es beim Blick in die Webcam nicht weiss auf der Piste, dann wird heute die Buchung storniert. Und hier schläft auch die Konkurrenz nicht. So hat das Skigebiet Pizol gerade kürzlich in die Erweiterung der Beschneiungsanlagen investiert. Aber auch für die Idee eines alpinen Leistungszentrums, damit wir Malbun als attraktiven Trainingsort für den Skirennsport positionieren können, müssten wir die Beschneiungsanlage massvoll erweitern. 

Der Verwaltungsrat legt im Anhang zur Jahresrechnung die Karten offen auf den Tisch. Wie dramatisch ist Situation? Ist es schon fünf vor zwölf? Oder ist dies ein bewusster Schritt, damit noch ein gewisser Spielraum bleibt?

Wir haben im Verwaltungsrat eine Neubeurteilung der finanziellen Situation und eine Risikoanalyse vorgenommen. Und mit dem Land Liechtenstein und den Gemeinden als Hauptaktionäre sind wir auch in einem gewissen öffentlichen Fokus. Aus diesem Grund wollten wir hier die nötige Transparenz schaffen. Wir möchten nicht, wie bei den Problemen etwa bei Radio L oder der Liechtensteinischen Post, erst dann kommen, wenn es schon fünf vor zwölf ist, sondern proaktiv und offen unser Geschäftsmodell und unsere Risiken – wie etwa die Wetterabhängigkeit – offen darlegen.  Wenn wir die Hälfte des Aktienkapitals verloren haben, dann sind wir gesetzlich verpflichtet, Sanierungsmassnahmen zu beantragen. Mit den bisherigen Verlustvorträgen und unter der Annahme, dass diese in etwa in der Höhe wie in der Vergangenheit eintreten, wären wir in drei bis fünf Jahren an diesem Punkt. Das heisst nicht, dass man dann den Patienten retten muss, sondern es ist ein Warnsystem des Gesetzgebers. Wir haben im Moment keine akuten Finanzprobleme. Aber wir haben das Risiko, dass wir eine schlechte Saison oder grössere Ersatzinvestitionen nicht selbstständig tragen können. Dann müssten wir zusehen, wie wir das finanzieren können – etwa über Bankkredite. Mittelfristig müssen wir hier aber andere Lösungen finden. Denn es ist bei der Bahninfrastruktur wie bei einem Auto: Je älter, desto reparaturanfälliger.

Aber damit ist eigentlich klar, dass das finanzielle Problem ohne grösseres Engagement der öffentlichen Hand nicht lösbar ist.

Ganz grosse Investitionen, wie bei der Erneuerung der Bahnanlagen, sind erst wieder in etwa 15 Jahren zu erwarten. Aber bis dahin wird es immer wieder Schwankungen geben und Reparaturen oder Ersatzinvestitionen anfallen. Und wenn wir attraktiv bleiben wollen, dann müssen wir auch neue Projekte umsetzen können. Wenn wir sagen, wir sind familienfreundlich, dann braucht es auch Attraktionen für Kinder – wie etwa ein Märchenland in der Schneeflucht. Oder ein elektronisches Informationssystem für die Besucher usw. Wir haben hier einige Ideen, aber keine Mittel, um sie zu finanzieren. Wenn wir das Skigebiet auf dem heutigen Level halten wollen, dann fehlen uns, je nach Betrachtungsweise, etwa 800 000 Franken pro Jahr. Aus meiner Sicht wäre es finanztechnisch sinnvoller, einen jährlichen Beitrag auszusprechen, anstatt einmalig eine Summe wie im Jahr 2003 bereitzustellen.

Aber dieses Geld wächst nicht auf Legföhren in Malbun?

Schön wäre es. Aber es ist auch bei jedem anderen Unternehmen klar, dass man bei solchen Problemen mit dem Hauptaktionär spricht. Und das ist bei den Bergbahnen Malbun AG das Land Liechtenstein und die Gemeinden. Wir werden dort die Ausgangslage präsentieren. Schlussendlich wird die Frage sein, ob der politische Wille für die Erhaltung des Sport- und Naherholungsgebietes Malbun vorhanden ist oder nicht. Wenn Land und Gemeinden einer finanziellen Lösung eine Absage erteilen, dann gibt es nur die Möglichkeit, dass man so weitermacht wie bisher – solange es geht. Volkswirtschaftlich wäre dies aus meiner Sicht eine schlechte Strategie, da die Bergbahnen schliesslich nicht der einzige Leistungserbringer in Malbun sind und zudem viel Geld auch wieder an den Staat zurückfliesst. Einfach so weiterzumachen wie bisher, ist auf jeden Fall für mich persönlich keine Option. Mir ist bewusst, dass dies ein umstrittenes Thema ist. Es haben sicher nicht alle im Land eine Freude mit dieser Idee und es sind auch nicht alle Malbun-Fans. Mich würde es aber freuen, wenn auch künftige Generationen noch in Malbun skifahren können. Wir unterhalten mit öffentlichen Geldern auch Fussball- und Tennisplätze, Schwimmbäder und andere Sportanlagen, ohne auf die reine Rentabilität zu achten. Und deshalb finde ich die Möglichkeit, dass der Liechtensteiner auch im eigenen Land Wintersport betreiben kann, durchaus gerechtfertigt. Es wird politische Diskussionen geben, aber der Verwaltungsrat ist einhellig der Meinung, dass nun der Zeitpunkt für offene und transparente Gespräche gekommen ist und es der einzige zielführende Weg ist. Weil es ist einfach klar, dass wir aus dem operativen Betrieb die nötigen Plus-Zahlen nicht realisieren können.

23. Okt 2019 / 23:15
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