• Uni Liechtenstein
    Ulrike Baumöl und Markus Jäger vor der Uni Liechtenstein.  (Daniel Schwendener)

Uni Liechtenstein stösst an Grenzen

Ulrike Baumöl und Markus Jäger sind das neue Führungsduo der Universität Liechtenstein. Sie erklären, mit welchen Visionen sie für das Institut antreten und wieso ein Platzproblem bevorsteht.
 
Welche Massnahmen hat die Universität angesichts von Covid-19 getroffen? 
Markus Jäger: Wir haben sofort eine Taskforce ins Leben gerufen, die sich täglich trifft und das Rektorat mehrmals wöchentlich auf dem Laufenden hält. Wichtig ist uns, die Gesundheit der Studierenden sowie die der Mitarbeiter zu schützen, gleichzeitig möchten wir den Studierenden aber ein möglichst erfolgreiches Studium ermöglichen. Die Lehrveranstaltungen finden inzwischen virtuell durch Fernunterricht statt. Wir möchten aber auch sicherstellen, dass die rund 50 internationalen Studierenden im Wohnheim am Campus, die gerade nicht nach Hause können, gut aufgehoben sind und ihre Ausbildung fortsetzen können. 
 
Funktioniert der digitale Unterricht oder gibt es technische Probleme?
Ulrike Baumöl: Als Präsenzuniversität liegt unser Markenkern auf persönlicher und naher Betreuung der Studierenden. Aus diesem Grund hatten wir bislang keine speziell auf Fernlehre ausgelegten Informationssysteme, konnten aber dank des Engagements der Mitarbeitenden die nötige Infrastruktur einrichten und z. B. ein Videostudio aufbauen, um Vorlesungen aufzuzeichnen. Das Feedback von den Studierenden ist durchwegs positiv, dass es uns sehr gut gelungen ist, auf virtualisierte Lehre umzustellen.
 
Wie finden die Prüfungen statt? Hat Ihnen hier die Erfahrung als ehemalige Professorin der Fernuniversität in Hagen geholfen? 
Ulrike Baumöl: Wir setzen «Moodle» ein und nutzen eine zweite Plattform, welche darin integriert ist. So können z. B. Tests und Prüfungen per Video stattfinden, die den Umständen angemessen sein sollen, aber natürlich seriös sind. Die Erfahrung als Dozentin der Fernuniversität in Hagen hat mir sicherlich bei der Einschätzung der Machbarkeit und auch bei rechtlichen Fragen geholfen, damit die Regularien stimmen und die Prüfungen auch abgesichert sind. 
 
Was haben Sie sich auf die Fahne geschrieben, was Sie an der Universität Liechtenstein verändern möchten?
Ulrike Baumöl: Wir wollen uns auf die Anforderungen konzentrieren, die immer wieder im Raum stehen: Welches sind die relevanten Themen für das Land, und wie können wir Wertschöpfung für Liechtenstein generieren? Wir wollen die Uni als wesentlichen Bestandteil des Landes positionieren. Wir entwickeln, auch ausgelöst durch die Corona-Krise, freien Zugriff auf unsere Lehrinhalte, wie z. B. einen extra zusammengestellten Kurs «Basiswissen BWL» für interessierte Bürger, oder verbinden durch Service-Learning als Unterrichtsmethode zum Beispiel das gesellschaftliche Engagement mit fachlichem Lernen. Studierende unterstützen Unternehmen und übernehmen zum Beispiel Auslieferungen von Bestellungen oder unterstützen soziale Einrichtungen. Das ergänzt unsere heute schon gut etablierten Angebote, wie die Kinder-Uni oder die Campus Gespräche.
 
Die Uni wurde in den vergangenen zwei Jahren umstrukturiert. Die Kritik bleibt, die Universität sei zu wenig lokal verankert. Wie möchten Sie die Vernetzung erhöhen? 
Ulrike Baumöl: Wir haben diesbezüglich schon sehr viel umgesetzt: Das Base-Camp Vaduz, die Kinder-Uni oder die regelmässigen Campus Gespräche zum Beispiel. Zudem beraten wir die Regierung. Für die Wirtschaft und den Finanzplatz ist es keine Frage, dass wir uns an den Bedürfnissen des Landes ausrichten – wie zuletzt auch der Zertifikatsstudiengang Blockchain gezeigt hat. Natürlich können wir noch mehr tun und die Vernetzung zwischen Universität und Bevölkerung erhöhen. Ich denke aber, dass dies auch eine Frage der Perspektive ist: Nicht alle Aktivitäten sind für alle Gruppen gleichermassen sichtbar und relevant. 
 
Die Universität hat sich vom letzten Rektor getrennt, weil unterschiedliche Auffassungen bei der Strategie und Finanzen bestanden. Was denken Sie über die Finanzplanung?
Markus Jäger: Wir haben einen Meilenstein erreicht, indem die Finanzplanung auf drei Jahre festgelegt wurde. Das entspricht der Strategie «Fit for the future». Die Finanz- und Entwicklungsplanung wurde vom Landtag so verabschiedet und gibt uns eine gewisse Planungssicherheit. Auch durch die Weitsicht, dass wir zusätzliche Mittel für Investitionen in die IT-Infrastruktur und IT-Sicherheit zugesprochen bekamen, sind wir eigentlich sehr gut aufgestellt. (Anmerkung der Redaktion: Bis zu 1,5 Millionen Franken.)
Ulrike Baumöl: In der aktuellen Situation sind wir aber natürlich Sonderbelastungen ausgesetzt, durch die Virtualisierung sowie den Ausfall von Veranstaltungen sowie Weiterbildungsangeboten. Die Gefahr besteht, dass wir finanziell dadurch an unsere Grenzen stossen und daher werden wir dies im Auge behalten und uns notfalls melden müssen.
Markus Jäger: Das Land ist aufgrund der aktuellen Situation bereits auch von sich aus auf uns zugekommen und hat nachgefragt , ob wir die aktuelle Herausforderung stemmen können. Das zeigt einmal mehr, dass wir einen gemeinsamen Weg gehen.
 
Die Universität wird bis 2022 rund 48,4 Millionen Franken erhalten. Sollen nach wie vor 40 Prozent aus selbst eingeworbenen Mitteln beigetragen werden oder kann dieser Anteil noch gesteigert werden?
Ulrike Baumöl: Dieser Anteil ist bereits relativ hoch und wir müssen aufpassen, dass dieser auch ausgewogen bleibt. Es kommt immer wieder die Diskussion auf, wie hoch der Einfluss der Wirtschaft sein darf aufgrund des Leistungsauftrages der Universität. Eine noch höhere Quote würde bedeuten, dass wir uns bei der Lehre und Forschung möglicherweise an sehr spezifische Erwartungen der Wirtschaft anpassen müssten. Markus Jäger: Die Unabhängigkeit der Universität ist wichtig. Wenn aber Unternehmen in einem bestimmten Bereich mit einem breiten Auftrag forschen und dafür finanzielle Mittel zur Verfügung stellen möchten, nehmen wir die Gespräche selbstverständlich gerne auf, da so Erkenntnisse für viele Unternehmen oder sogar ganze Branchen entstehen können.
 
Reicht der Forschungsförderungsfonds des Landes aus, oder müsste das Land mehr Geld zur Verfügung stellen?
Markus Jäger: Der Fonds wird jedes Jahr mit einer Million Franken geäufnet. Ich denke, das stellt eine gute Basisfinanzierung für die Forschungsaktivitäten dar. Man muss die Finanzierung als Gesamtpaket betrachten und von dieser Warte aus gesehen, sind wir gut aufgestellt. Wir arbeiten jetzt mit den gegebenen Mitteln und versuchen, durch effizienzsteigernde Massnahmen die Kosten zu reduzieren. Wir müssen aber damit rechnen, dass sich die Kostenschere in der Basisfinanzierung aufgrund steigender Studierendenzahlen und der Teuerungsraten weiter öffnet.
 
Die Universität äusserte sich zuletzt, dass der Finanzbeitrag des Staates im Idealfall auf 5 Jahre gesprochen werden sollte. Warum stiess die Uni mit diesem Wunsch nicht auf offene Ohren?
Ulrike Baumöl: Ausgelöst wurde dieser Wunsch durch die zur Zeit laufende Akkreditierung. Die Akkreditierungsinstitutionen gehen von einem längeren Planungshorizont aus. Ein oder drei Jahre sind typischerweise keine üblichen Planungshorizonte für Bildungsinstitutionen. Eine Finanzierung von fünf Jahren signalisiert Sicherheit und Stabilität und würde uns vergleichbar machen mit anderen Institutionen sowie uns gegenüber ausländischen Akkreditierungsagenturen nicht in Argumentationsnot bringen. 
 
Die Uni hat ihre kritische Grösse fast erreicht. Haben Sie ein Platzproblem?
Ulrike Baumöl: Uns ist eine Bandbreite von 500 bis 800 Studenten vorgegeben. Im letzten Jahr waren es ca. 700 Studierende und daher sind wir bereits im oberen Drittel angelangt. Wir nutzen unsere Räumlichkeiten heute bereits sehr gut aus. Aus diesem Grund hat Markus Jäger bereits Gespräche geführt, weil wir bei einer weiteren Steigerung an unsere Kapazitätsgrenzen kommen. Zum Teil können wir Belastungsspitzen bei den Räumlichkeiten mit innovativen digitalen Lösungen entgegensteuern, aber wir wollen die persönliche Betreuung als Merkmal unserer Ausbildung nicht aufgeben.  
Markus Jäger: Wir bräuchten mehr Platz. Am Campus gibt es noch gewisse Räumlichkeiten, die wir noch übernehmen könnten, die momentan noch für Veranstaltungen der Öffentlichkeit genutzt werden. Wir führen Gespräche mit der Gemeinde Vaduz, was wir noch anmieten könnten. Auch eine Zusammenarbeit mit der Landesbibliothek wäre für uns gut denkbar, um mehr Platz am Campus zu schaffen.  
 
Die Strategie «Fit for the Future» des Universitätsrates  entstand vor Ihrer beider Zeit und gibt den Weg vor, den die Uni beschreiten wird. Gibt es für Sie überhaupt genug Spielraum, um mitzugestalten?
Ulrike Baumöl: Die Richtung ist vorgebeben, aber die Ausgestaltung liegt schon in unseren Händen. Wir entwickeln die Uni zusammen mit dem Universitätsrat weiter, und wir können unsere Ideen jederzeit einbringen. Aus diesem Grund fühle ich mich nicht in einem Korsett eingeengt, sondern in guten Rahmenbedingungen eingebettet. Meine Vision ist es, genügend Kapazitäten für die Lehre und Forschung an der Universität zu etablieren, mit denen die relevanten Themen fundiert bearbeitet werden können, aber nicht, um uns thematisch auszubreiten, z. B. mit ganz neuen Studienrichtungen, sondern um die jetzige Organisation zu stärken. 
Markus Jäger: Dem kann ich nur zustimmen: Die Strategie gibt uns die Leitplanken vor, aber sie lässt uns genug Spielraum für unsere Ideen und weiterführenden Ansätze. (Interview: dal)
17. Apr 2020 / 00:31
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