• Kursentwicklung Euro
    Der Preis ist nur ein Element. Auch das Einkommen beeinflusst das Reiseverhalten.  (Valeriya)

Tourismus in Liechtenstein leidet noch nicht unter Eurokurs

Die Kursentwicklung des Euro sorgt in vielen Branchen für Bauchschmerzen. Auch der hiesige Tourismus könnte auf Dauer leiden.

Der Schweizer Franken ist derzeit auf einem Höhenflug. Am vergangenen Montag stand der Kurs bei 1,0889 Euro zu einem Franken. Damit hat der Franken erstmals seit Juli 2017 die Marke von 1,09 durchbrochen. Diese Kursentwicklung kann auf unterschiedlichen Ebenen Folgen nach sich ziehen. Die heimische Industrie und das Gewerbe zeigen sich beispielsweise wenig erfreut über die aktuellen Entwicklungen. Ein starker Franken drückt massiv auf die Bücher. So auch bei den Mitgliedern der Liechtensteinischen Industrie- und Handelskammer, die einen Grossteil ihres Geldes im Ausland verdienen. 

Würde sich die Parität über einen längeren Zeitraum erstrecken, könnte die Liechtensteiner Tourismusbranche ebenfalls leiden, weiss Renate Bachmann, Bereichsleiterin Tourismus bei Liechtenstein Marketing: «Die Wechselsituation vor allem im Euro- und Dollar-Raum könnte sich zu unserem Nachteil entwickeln. Es würde für uns schwieriger werden, im Euroraum Gäste zu halten oder zu gewinnen.» Aktuell kann sie aber noch Entwarnung geben. Schliesslich sind für das allfällige Fernbleiben von Gästen auch noch andere Faktoren ausschlaggebend.

Mit dem EU-Raum und der Region mithalten
«Derzeit hat der tiefe Wechselkurs noch keine unmittelbaren Auswirkungen», betont Bachmann. Auch habe die Tourismusbranche den Frankenschock in den vergangenen Jahren auffangen können. «Wir verzeichneten sehr schöne Gästezuwachszahlen aus dem Euroraum, insbesondere aus Deutschland», erklärt sie. Dies ist unter anderem den im regionalen Vergleich moderaten Preisanpassungen zu verdanken, die Liechtensteiner Betriebe in den vergangenen Jahren vorgenommen haben und sie deshalb auch heute noch gut mit den benachbarten Regionen Schritt halten lassen. Selbiges gilt für den EU-Raum: «Wir wissen aus aktuellen Analysen, dass wir im Hotelbereich mit vergleichbaren Betrieben im angrenzenden Euroraum sehr wohl konkurrieren können beziehungsweise teilweise sogar günstiger sind», betont die Bereichsleiterin Tourismus. Dennoch würde sich eine über längere Zeit andauernde Parität zum Euro negativ auf die hiesige Tourismusbranche und die Besucherzahlen auswirken.

Nicht zu vernachlässigen sind überdies weitere Faktoren, die ausschlaggebend dafür sein können, dass Gäste aus dem EU-Raum Liechtenstein fernbleiben. «Wenn sich Reisen insgesamt verteuern, das heisst, wenn alle Leistungen innerhalb einer Reise teurer werden, hat das Auswirkungen auf das Buchungsverhalten unserer Gäste», erklärt Renate Bachmann. Für Liechtenstein Marketing gilt es daher zu beachten, wie sich die Einkommenssituation in den Zielmärkten entwickelt: Stagnieren die Einkommen und verringern sich die Haushaltsbudgets, beeinflusst das unweigerlich die Entscheidung, ob und wohin der Urlaub geht. «Ähnlich verhält es sich bei den Geschäftsreisenden. Schwächt sich die Konjunktur ab, ergibt sich daraus ein Einfluss 
auf den Geschäftstourismus. Davon sind auch wir in Liechtenstein betroffen.» 

«Reisen ist ein emotionales Erlebnis»
Liechtenstein Marketing muss sich ständig überlegen, welche Register gezogen werden müssen, um trotz der für den Tourismus ungünstigen Wechselkurssituation Anreize für Gäste aus dem EU-Raum zu schaffen. Für Renate Bachmann ist Reisen ein emotionales Erlebnis. «Und darin liegt der Erfolg», sagt sie. Die Qualität der liechtensteinischen Betriebe, innovative Produkte und Ferienerlebnisse, die die Gäste emotional ansprächen, würden eine zentrale Rolle spielen. «Sie ermöglichen uns, auch bei schwierigeren Rahmenbedingungen in unseren definierten Märkten zu punkten.» 

Zudem gibt es laut Bachmann unterschiedliche Motive für einen Reiseentscheid. Der Preis ist dabei nur ein Element. «Wir haben uns schon im Jahr 2015 in unseren Märkten entsprechend neu positionieren müssen. Die strategische Neuausrichtung hat sich bewährt», so Bachmann. Künftig wird es die Aufgabe von Liechtenstein Marketing sein, die Präsenz in seinen Kernmärkten weiter 
zu schärfen und auszubauen. Gleichzeitig besteht das Ziel, im Rahmen einer dualen Strategie neue Zielmärkte aufzubauen. 

Reiseverhalten hat sich nicht wirklich verändert
Während der hiesige Tourismus die aktuellen Kursentwicklungen mit Sorge betrachtet, können sich Reisende aus Liechtenstein über die verhältnissmässig tieferen Preise im Euro- und Dollarraum freuen. Beispielsweise fallen die Kosten für Shopping-Aktivitäten, Getränke oder Restaurantbesuche tiefer aus. Ein Ansturm auf die Reisebüros, um günstige Ferien oder spontane Städtetrips in die EU zu ergattern, ist bislang jedoch ausgeblieben. Wie Silvia Coray, Reisespezialistin bei der Traveller AG Vaduz, sagt, hätten ihre Kolleginnen und auch sie selbst bei ihren Kunden keine Abweichungen zum üblichen Buchungsverhalten feststellen können. «Bislang sind nicht auffällig viele Anfragen für den Euroraum eingegangen, die mit dem tiefen Wechselkurs hätten in Verbindung gebracht werden können.» Coray meint aber auch, dass die Kundschaft der Traveller AG Vaduz das ganze Jahr hindurch entscheiden könne, ob sie in Franken oder in Euro bezahlen wolle – sofern der Reiseveranstalter beide Währungen akzeptiert. Zudem seien die Preise tagesaktuell. Damit kann eine Reise an einem Tag um einiges billiger, am nächsten aber schon wieder viel teurer sein. «Wer immer profitiert, sind jene, die den Frühbucherrabatt ausnutzen», erklärt Coray. 
Im Reisebüro Thomann Travel AG von Marina Thomann-Riera wurden aktuell einige Städtereisen gebucht. Ob diese aber mit dem tiefen Euro-kurs zusammenhängen, könne sie nicht mit Sicherheit sagen, so die Inhaberin. «Ich glaube aber, dass Liechtensteiner zum Beispiel für Wellness-Kurztrips mit dem Auto in EU-Länder reisen.» (jka)

13. Aug 2019 / 15:17
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
21. August 2019 / 22:14
21. August 2019 / 07:39
20. August 2019 / 15:55
Meistkommentiert
25. Juli 2019 / 15:38
19. August 2019 / 11:39
20. August 2019 / 10:02
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
last
Zu gewinnen 3 x 2 Karten, Samstag, 24.08., 20.30
19.07.2019
Facebook
Top