• Franz Wirnsperger, Vaduz
    Wie die Telecom in ihrer Pressemitteilung erklärt, sind im Jahr 2019 Restrukturierungskosten und damit insgesamt Mehrkosten angefallen.  (Tatjana Schnalzger)

Telecom rutscht in die roten Zahlen

Das Kerngeschäft der Telecom gerät weiter unter Druck. Zudem schlagen Sonderabschreibungen zu Buche.

Die Telecom Liechtenstein kämpft gegen einen verschärften Wettbewerb. Gleichzeitig brechen die Umsätze in der Festnetztelefonie seit Jahren ein. Dieses Bild zeichnet sich zwar generell für Telekommunikationsunternehmen, finanziell macht es dies für die Telecom nicht einfacher. Aufgrund des Margenrückgangs und der Restrukturierungskosten musste im Jahr 2019 ein Verlust von  1,7 Millionen Franken aus dem laufenden Geschäft in Kauf genommen werden. Das teilte das Unternehmen gestern mit. Dazu kommt noch eine Sonderabschreibung von insgesamt 3,1 Millionen Franken. Diese erfolgte zum Teil durch den Ausstieg der Telekom Austria als Minderheitsaktionär für eine «nicht mehr werthaltige Goodwillposition». Dieser sei nach dem Einstieg der Telekom Austria beim Liechtensteiner Unternehmen entstanden. Der Goodwill reflektiert den Betrag, welcher ein Käufer bereit ist mehr zu bezahlen, da er dem Unternehmen aufgrund positiver Zukunftsaussichten einen höheren Wert zugesteht als aktuell vorhanden ist.

Aktienrückkauf nach dem Ausstieg läuft
Wie Verwaltungsratspräsident Franz Wirnsperger auf Anfrage erklärt, läuft zudem der Aktienrückkauf nach dem Exit der Österreicher. Die Telekom Austria hatte sich vor einigen Jahren mit 24,9 Prozent am Unternehmen beteiligt. Gerade läuft aus diesem Grund auch eine neue Unternehmensbewertung der Telecom Liechtenstein. 
Eine Sonderabschreibung musste das Unternehmen auch für Restbuchwerte eines nicht mehr werthaltigen Serviceprodukts tätigen. Es geht dabei um ein Produkt, das die Telecom auf dem Markt gebracht hatte, um Mobilfunkspionage aufzudecken. Dieser Nischenservice war laut Wirnsperger mit viel Aufwand verbunden, ist aber momentan bei nur einem Kunden im Einsatz. Damit erfüllte es die Umsatzerwartungen nicht.

In Zukunft muss die Telecom Liechtenstein die Herausforderungen ohne einen Partner stemmen. Und davon gibt es einige. «Der Telekommunikationsmarkt in Liechtenstein ist sehr stark umkämpft und von grossen Veränderungen geprägt», schreibt das Unternehmen in seiner Mitteilung weiter. Der aktuelle Wechsel auf Glasfasertechnologie führt zu einer Beschleunigung des gänzlichen Verzichts vieler Privatkunden auf Festnetztelefonie – ein wichtiges Standbein der Telecom Liechtenstein. Im mittlerweile vollkommen liberalisierten Markt muss die Telecom aktuell ihre hohen Marktanteile gegen eine Vielzahl von kleineren Mitbewerbern verteidigen. Zum Vorteil der Kunden sind durch die Anpassungen die Preise in Liechtenstein, trotz höherer Kosten hierzulande, bei vielen Produktkategorien mittlerweile unter das Niveau der Schweiz gefallen und im Festnetz mit dem Niveau von Österreich vergleichbar. Im Bereich der Mobiltelefonie konnten die Marktanteile weiter ausgebaut werden, insbesondere aufgrund der neu gebotenen Möglichkeit, sowohl bestehende +423- wie auch bestehende +41-Rufnummern bei einem Wechsel zu Telecom Liechtenstein behalten zu können. Die Anpassungen des Preis-Leistungs-Verhältnisses hinterlassen aber erwartungsgemäss Spuren im finanziellen Ergebnis der Organisation in Form von tieferen Umsätzen und Margen im Kerngeschäft. 

Telecom versucht ihre Kosten zu senken
Die Organisation geht daher bereits seit geraumer Zeit durch ein Transformationsprogramm. Einerseits werden neue Geschäftsfelder erschlossen und andererseits wird an der Kosteneffizienz und Struktur gearbeitet, um das Kostenniveau durch gesteigerte Effizienz zu senken. 
Wie bereits im Jahr 2018 konnte auch im vergangenen Jahr der Umsatzrückgang im Kerngeschäft durch das starke Wachstum in den neuen Geschäftsfeldern (plus 55 % im Vergleich zu 2018) ausgegli­chen werden. Die Margen im Neugeschäft konnten ebenfalls gesteigert werden. Insgesamt ist die Profitabilität der neuen Geschäftsfelder aber noch deutlich niedriger als im Kerngeschäft.   (dal)

07. Apr 2020 / 16:58
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