• Restaurant Sareis in Malbun
    Mitte Juni können die Bergbahnen wieder öffnen. Dann läuft auch das Geschäft von Jürgen und Xenia Klösch wieder an.  (Daniel Schwendener)

Bergrestaurant Sareis wieder offen

Jürgen und Xenia Klösch sind die Pächter des Bergrestaurants Sareis und sprechen über das Leben und Arbeiten auf 2000 Metern über Meer. Obwohl die Bergbahnen erst am 13. Juni öffnen, ist das Restaurant bereits jetzt an Wochenenden für Wanderer und Biker offen.

Frau und Herr Klösch, wie kam es dazu, dass Sie das Bergrestaurant Sareis übernommen haben?
Jürgen Klösch: Wir hatten uns eigentlich für den «Schluchertreff» beworben. Das klappte nicht, doch dann rief uns der Vorsteher an einem Samstagmorgen überraschend an und fragte uns, ob wir das Bergrestaurant Sareis betreiben wollen. Wir haben vier oder fünf Tage darüber nachgedacht, weil wir grossen Respekt vor dieser Aufgabe hatten. Wir haben uns schon gefragt, ob wir das alles meistern können.

Xenia Klösch: Für uns ist zwar ein Traum in Erfüllung gegangen, weil wir schon lange ein eigenes Restaurant  führen wollten. Es war aber trotzdem eine Mammutaufgabe und der Start war nicht ganz einfach.

Warum?
Xenia Klösch: Als wir im Dezember angefangen haben, fehlte der Schnee und es stürmte recht oft. Wir mussten alles vorbereiten und uns erst mit Besteck, Pfannen und Töpfen ausrüsten, aber auch die Karte komplett umgestalten. Das musste vor allem Jürgen übernehmen, weil ich zu der Zeit im Spital auf der Intensivstation war.

Trotz der nicht einfachen Anfangszeit geht es Ihnen heute gut und Sie starteten dann in eine gute Wintersaison?

Xenia Klösch: Ja, am 26. Dezember schneite es endlich und wir hatten alle Hände voll zu tun. Wenn die Sonne scheint und das Wetter mitspielt, sind es schon mal 300 Gäste an einem Tag. Mein Mann und ich sind aber ein gut eingespieltes Team. Zudem habe ich mein halbes Leben in der Gastronomie gearbeitet.

Sie sind seit einem Jahr verheiratet. Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?
Xenia Klösch: Ich habe im «Heusträffl» in Triesenberg im Service gearbeitet und Jürgen in der Küche. Seit drei Jahren sind wir jetzt ein Paar. Mit Sareis hat sich ein Traum erfüllt. Hatten Sie als Kind einen anderen Traumberuf?

Jürgen Klösch: Ja, ich wollte als Bub immer Lkw-Fahrer werden. Mein Vorbild war mein Vater, der früher als Fernfahrer auf der ganzen Welt unterwegs war – bis nach Kuwait und Pakistan. Ich habe selbst über zehn Jahre in diesem Beruf gearbeitet, in den letzten Jahren aber immer als Aushilfskoch. Ich hatte einen guten Job, daher war Sareis für uns eine Fahrt ins Ungewisse.

Ist das Restaurant also kein Selbstläufer?
Jürgen Klösch: Nein, man kann sich mit der Küche schnell viel kaputtmachen. Auch wenn wir im Vergleich zu grossen Skihütten in der Schweiz und Österreich eher klein sind, waren es für uns ganz neue Dimensionen. Allein in der Wintersaison haben wir zwei Tonnen Pommes frites verarbeitet, denn Schnitzel mit Pommes frites und Rösti waren bisher die meistverkauften Gerichte.

«Selbst und ständig»: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?
Jürgen Klösch: Wir haben keinen Ruhetag. Ich stehe jeden Morgen um vier Uhr auf, kümmere mich um den Einkauf und stehe meist bis abends um 23 Uhr im Restaurant.

Wohnen Sie auch auf Sareis?
Jürgen Klösch: Ja, wir haben unsere Wohnung aufgegeben und sind das ganze Jahr hier oben.

Xenia Klösch: Anfangs musste ich mich an die Ruhe gewöhnen und konnte gar nicht einschlafen, weil es so ruhig war (lacht). Und tagsüber läuft man schon mal ein paar tausend Schritte. Aber die Sonnenuntergänge bei einem Bier entschädigen für alles.

Sie kommen eigentlich aus der Steiermark. Haben Sie Heimweh?
Xenia Klösch: Nein, überhaupt nicht. Ich komme aus einem kleinen Dorf in der Steiermark und viele alte Freundschaften haben sich verlaufen ­– durch das Studium oder den Job. Ich fühle mich hier zuhause. Das einzige, das ich vielleicht vermisse, ist ein guter Schweinebraten.

Sie hätten schon April geöffnet, hätte es den Lockdown nicht gegeben. Wie haben Sie diese Zeit verbracht?
Xenia Klösch: Wir waren die vergangenen Wochen auf Sareis. Ich habe mich um die Blumen gekümmert und werkelte auf der Terrasse herum. Natürlich fehlen uns die Einnahmen des Monats Aprils und wir hatten keinen Anspruch auf Kurzarbeit, weil wir Saisonarbeiter beschäftigen. Eigentlich wollten wir einige Mitarbeiter fest einstellen. Es tut uns natürlich leid, dass wir durch Corona weiter auf Stundenlohn setzen müssen.

Jürgen Klösch: Uns hat der Staat aber unter die Arme gegriffen und auch die Gemeinde kam uns bei der Miete entgegen. Allerdings zahlt die Versicherung nur einen kleinen Solidaritäts-beitrag und die Umsatzeinbussen können wir auch durch eine extrem gute Sommersaison nicht wieder aufholen. Zwei Hochzeiten mussten abgesagt werden mit weit über 100 Gästen. Die Trauung sollte auf unserer Terrasse stattfinden.

Heiraten mit Blick auf die Berge. Auf über 2000 Meter ist die Frage naheliegend: Wandern Sie auch gerne?
Xenia Klösch: Ja, mein Mann ist eine lebende Landkarte (lacht).

Jürgen Klösch: Wir sind gerne in der Natur, aber ich selbst bin nicht mehr so oft in den Bergen wie früher. Ich kenne fast jeden Berg hier oben, bis auf den Grauspitz. Einige Kollegen sind dort schon abgestürzt.

 

29. Mai 2020 / 09:53
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