• Die Sigma Bank mit Standort in Schaan.  (Tatjana Schnalzger)

Sigma Bank: Chef fristlos gekündigt

Es geht um Missachtung von Sorgfaltspflichten. Ein weiteres Geschäftsleitungsmitglied wurde freigestellt.

Es muss einiges im Argen liegen, wenn eine liechtensteinische Bank einen Geschäftsführer fristlos kündigt. Gestern Abend teilte die Sigma Bank AG mit, dass sie sich per sofort von Geschäftsführer Stefan Wolf trennt. Bei einer Kontrolle seien «Mängel im Bereich Compliance» festgestellt worden, heisst es in der Pressemitteilung. Mehr will die Bank nicht sagen. 

«Derzeit können wir hierzu im Detail nicht Stellung nehmen, im Grunde aber handelt es sich um Sorgfaltspflichtsthemen. Wir stehen hierzu in völliger offener und transparenter Kommunikation mit den Behörden», sagt Gerald Deimel, Geschäftsleitungsmitglied und Leiter Risiko der Bank in Schaan. Vorerst sei zudem ein weiteres Geschäftsleitungsmitglied freigestellt worden. In Frage kommen dafür nur der Finanzchef Josef Werle oder der Leiter Private Banking Marco Nigsch. Die Verfehlungen müssen aber bis in die Zeit der Volksbank AG Liechtenstein zurückreichen. Im März 2019 hat die Sigma Kreditbank AG, Triesen, die Volksbank AG Liechtenstein in Schaan übernommen und diese in Sigma Bank AG umbenannt. Dass die Geschäfte der Volksbank zum Schluss nicht mehr ganz sauber waren, bestätigen mehrere Brancheninsider. Die Bank habe Kunden akzeptiert, welche bei anderen Banken in Liechtenstein niemals ein Konto hätten eröffnen können, heisst es.

Sigma droht Volksbank Vorarlberg mit rechtlichen Konsequenzen
Nach der vollzogenen Übernahme hat der neue Eigentümer bei der ehemaligen Volksbank AG Liechtenstein eine Überprüfung – ein sogenanntes Compliance Review – vorgenommen, welche gemäss Aussagen der Sigma Bank «in dieser Form vorher nicht möglich war». Deshalb seien die Auffällig­keiten erst jetzt zum Vorschein gekommen. «Wir haben die Mängel sofort nach Auslieferung des Entwurfes des Berichtes gemeldet. Uns liegt derzeit ein vorläufiger Bericht vor, eine renommierte Beratungsfirma ist mit der weiteren Aufklärung befasst», erklärt Gerald Deimel. Und sollten sich Schäden für den Käufer der Volksbank AG Liechtenstein ergeben, will man diese einklagen. «Die Sigma Kreditbank AG wird alle ihr zustehenden Ansprüche gegenüber der Volksbank Vorarlberg geltend machen», heisst es in der Pressemitteilung der Sigma Bank AG. Damit stellt sie klar, dass sie mit den Ungereimtheiten nicht zu tun hat oder zumindest haben will.

Verwaltungsrätin soll neue Geschäftsführerin werden
Neue Vorsitzende der Geschäftsleitung soll Eva Marchart werden. Diese Bestellung muss aber noch von der FMA Liechtenstein abgesegnet werden. Marchart «bringt langjährige Erfahrung als CEO einer international tätigen Bank mit», schreibt die Sigma Bank. Unter ihrer Leitung werde die weitere erfolgreiche Entwicklung des Geschäfts betrieben «und andererseits die aufgedeckten Mängel im Bereich Compliance beseitigt». Marchart war während 15 Jahren im Vorstand der Raiffeisen Centrobank AG, der Investmentbank der Raiffeisengruppe, davon 10 Jahre als Vorstandsvorsitzende. Sie promovierte in Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Seit Juli 2019 ist sie Verwaltungsrätin bei der Sigma Kreditbank AG und seit der Übernahme im März 2019 auch bei der Sigma Bank AG.

Hinter der Sigma Kreditbank AG, welche Kleinkredite ohne Sicherheiten bis 7500 Euro an den Mann bringt, steht der österreichische Milliardär Martin Schlaff. Mit der Übernahme der Volksbank AG Liechtenstein konnte er seine Karriere krönen und seine eigene Privatbank mit Vollbanklizenz führen – zumindest indirekt über seine Firmenkonstruktion. Mit einem Privatvermögen von geschätzten zwei Milliarden Euro reiht er sich unter die Reichsten der Reichen. Weil Schlaff die Medien scheut, zählt er auch zu den geheimnisvollsten Geschäftsleuten Österreichs. (sap)

14. Jul 2020 / 22:48
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