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    Die Internet-Bank Revolut ermöglichte Liechtensteinern gebührenfreie Überweisungen – bis jetzt.  (iStock)

Revolut rudert zurück

Bei der Internet-Bank Revolut ist ein Bankkonto in Minutenschnelle eröffnet. Während sie in der Schweiz aber mit gebührenfreien Überweisungen auftrumpft, müssen Liechtensteiner Nutzer tief in die Tasche greifen.
Gebühren. 

Eigentlich wollte Daniel M.* aus Liechtenstein nur mal kurz 100 Franken von seinem Revolut-Konto auf ein Schweizer Bankkonto bei der Postfinance überweisen. Es kamen aber nur 91 Franken an. Revolut wirbt zwar damit, dass solche Transaktionen gratis sind. Die britische Internet-Bank hat aus diesem Grund auch einen unvergleichlichen Siegeszug hinter sich, doch Kunden in Liechtenstein haben neuerdings das Nachsehen. Offenbar liegen die hohen Abzüge daran, dass die Korrespondenzbank die Gebührenstruktur geändert hat. So erklärte es zumindest ein Sprecher bei Revolut. Die Gebühren werden nicht mehr wie bisher vollständig von Revolut, sondern teils auch von Korrespondenzbanken getragen. Die britische Online-Bank hat zwar einen lokalen Banking-Partner, die Schweizer Grossbank Credit Suisse. Während es für Revolut-Kunden mit Schweizer Wohnsitz keine Überweisungsgebühren gibt, wird es ohne Schweizer Wohnsitz teuer. Die Credit Suisse wollte sich zu den Gründen nicht äussern.

Nachteile für Liechtensteiner
Revolut-Kunden aus Liechtenstein wurden gerade darüber informiert, dass sie ihren Zugang zu ihrem Schweizer-Franken-Konto verlieren, da dieses für das Land nicht zur Verfügung stehe. Das bedeutet, dass Kunden Überweisungen nun über eine britische IBAN tätigen können, diese aber mit hohen Gebühren verbunden sind. Über unerwartete Abzüge beschweren sich Kunden der Smartphone-Bank immer wieder: «Revolut ist sehr intransparent – es ist schwierig, die Gebühren überhaupt zu finden», sagt zum Beispiel Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland. Dabei kam jener in einer im Juli veröffentlichten Studie zum Schluss, dass Revolut seine Vorteile hat – von denen auch Liechtensteiner nach wie vor profitieren können. Die Internet-Bank überzeuge mit günstigen Wechselkursen und benutzerfreundlichen Prozessen. So verrechnet Revolut beim Schweizer-Franken-Euro-Verkaufskurs keinen Aufpreis. Bei klassischen Banken lagen die Aufschläge für Einkäufe mit der Debitkarte im Ausland ­dagegen bei bis zu 1,67 Prozent. Der grosse Haken: Eige­ne Schwei­zer Kontonummern kann Revolut noch nicht ­anbieten. Dazu wäre ein Konto bei der Schweizerischen Nationalbank notwendig, das in der Regel nur Banken in der Schweiz erhalten.

Die Online-Bank Revolut hat ihren Sitz in Grossbritannien und verfügt ebenfalls über eine litauische Banklizenz, welche den europäischen Marktzugang sicherstellt. Zahlungen in der Schweiz müssen via Credit-Suisse-Korrespondenzkonto abgewickelt werden. In der Schweiz überzeugte das Unternehmen in kürzester Zeit dennoch mehr als 50 000 Kunden. Revolut ist aber keine klassische Bank, sondern verfolgt einen minimalistischeren Ansatz.

Die Vorteile in Echtzeit
Viel mehr als Konten, Kredit­karten und Überweisungen bietet Revolut nicht. Alles geschieht in Echtzeit, der Kunde steuert sein Konto selbst: Ein Klick reicht aus, um die Kreditkarte aufzuladen oder zu sperren. Wechselkurse sind im Voraus bekannt und nicht erst Tage nach einer Transaktion. Die Kontoeröffnung bei Revolut dauert nur einige Minute. Daten angeben, den Personalausweis fotografieren und einsenden, einige Bestätigungs-SMS abwarten und schon ist das Konto bereit. Anschliessend kann direkt eine Debit- oder Kreditkarte bestellt werden. Die Zahl der Nutzer ist in der Schweiz laut Angaben von Revolut selbst inzwischen auf 110 000 hochgeschossen. 4,6 Millionen Nutzer sind es weltweit, davon 1,3 Millionen wöchentlich aktive Nutzer und 2 Millionen monatlich aktive Nutzer, wie die Internet-Bank im April dieses Jahres preisgab. Wie viel User es in Liechtenstein gibt, darauf gab Revolut auf Anfrage noch keine Auskunft.

Während Daniel M. nun hofft, dass das Fintech für Liechtenstein eine Lösung finden wird, so tauchen bei anderen Nutzern aus Liechtenstein erste Zweifel auf. Andreas S. wollte bei Revolut nachfragen, wie hoch die Gebühren nun effektiv seien. Eine Help-Hotline gibt es zwar, doch eine Warteschleife und eine automatisierte Hotline sind ein Beispiel dafür, wie Computerprogramme und Maschinen den Menschen im Service verdrängen. Ein Hinweis auf die FAQ der Webseite soll weiterhelfen. Die Frage nach den Gebühren blieb unbeantwortet. (dal)

*Namen der Redaktion bekannt.

 

17. Aug 2019 / 08:00
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